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Der IPv6-Tag bei www.heise.de [2. Update]

| Johannes Endres

Eigentlich sollten IPv4 und IPv6 problemlos parallel funktionieren. Doch allerhand bekannte und bisher unentdeckte Programmierfehler können den Spaß verderben. Um zu sehen, ob das wirklich ein Problem ist, schaltet heise online für einen Tag IPv6 ein.

Mehr Infos

Update

Das Experiment ist beendet. Erste Ergebnisse fasst eine News-Meldung [1] zusammen.

2. Update

Seit dem 29. 9. läuft heise online dauerhaft [2] im Dual-Stack-Betrieb.

IPv6 ist seit fast 15 Jahren das Internet der Zukunft. Doch es ist wie bei manchem ewigem Talent im Fußball: Keiner will mit ihm spielen. Alle Beteiligten schieben sich gegenseitig die Verantwortung für den extrem langsamen Start von IPv6 zu. Die meisten Hersteller von Heimroutern zögern, solange es noch kaum IPv6-Provider gibt. Die Provider verweisen auf zu wenige Web-Seiten, die per IPv6 erreichbar sind. Die Web-Seiten-Betreiber wollen nicht vorlegen, solange sie noch alle Surfer per IPv4 erreichen.

Und die Internetnutzer haben kein Interesse an IPv6 – vollkommen zu Recht. Schließlich handelt es sich um ein Protokoll auf einer unteren Netzwerkebene. Seine Väter haben es gerade so gestaltet, dass alle darüber liegenden Ebenen ungeändert weiterlaufen. Wer heute www.heise.de im Browser anschaut, muss ja auch nichts über HTML wissen. Und noch weniger muss ihn das darunter liegende HTTP interessieren, oder das noch darunter liegende TCP. Also sollte ihm auch das eine weitere Ebene tiefer liegende IPv4 oder IPv6 egal sein.

Daher kann man die beiden Protokolle auch problemlos parallel benutzen. Dem Browser ist es egal; er lädt die Elemente einer Web-Seite automatisch so, wie er sie eben bekommt und kombiniert sie zur Anzeige. Dieser so genannte "Dual-Stack-Betrieb" stellt den Weg in die IP-Zukunft dar; ob und wann IPv4 mal "abgeschaltet" wird, ist nicht abzusehen. Bis dahin werden immer mehr Rechner IPv4 und IPv6 gemischt nutzen, ohne dass der Anwender etwas merkt.

In der Theorie hört sich das richtig an. Und die Änderung, die wir vornehmen müssten, ist gering. Bisher verweist im DNS der Host-Name www.heise.de nur auf eine IPv4-Adresse. Daneben gibt es unsere Seiten unter www.six.heise.de [3] auch schon per IPv6.Wir könnten einfach zusätzlich eine IPv6-Adresse ins DNS eintragen und so einen zusätzlichen Weg öffnen – und genau das werden wir am 16. September ausprobieren. Die technischen Details finden Sie auf der letzten Seite des Artikels IPv6-Testbetrieb für heise online [4].

Aber wieso testet heise online diese Konfiguration nur für einen Tag, statt sie gleich dauerhaft zu aktivieren? Es gibt da ein Problem ...

Paradoxerweise kann das Angebot des zusätzlichen Transportweges dazu führen, dass einige Nutzer www.heise.de gar nicht mehr erreichen. So fragte Opera vor der Version 10.50 zuerst IPv6-Adressen zu einem Namen ab und versuchte dann auf Teufel komm raus, sie zu benutzen – auch wenn es gar kein geeignetes IPv6-Interface gab. Das Ergebnis war eine Fehlermeldung vom Browser.

Ein anderes Beispiel: Schon wegen der längeren Adressen sind DNS-Antworten für IPv6-Adressen länger. Bei einigen alten Heim-Routern sprengen sie daher den vorgesehenen Speicherbereich, was zum Absturz des DNS-Proxy im Gerät führt. Auch die anschließenden IPv4-Anfragen bleiben daher unbeantwortet. Ähnliche bekannte und bisher verborgene Programmierfehler lauern in anderen Programmen, Betriebssystemen und Geräten. Hinzu kommt, dass IPv6 auch auf dem PC falsch konfiguriert sein kann.

Nach unterschiedlichen Untersuchungen verhindern diese Fehler bei bis zu 0,1 % der Internetnutzer, dass sie Internet-Seiten erreichen, die IPv4 und IPv6 gleichberechtigt anbieten. Die Gefahr, so viele Leser zu verlieren, hält viele Seitenanbieter davon ab, IPv6 zu aktivieren.

Ob Sie betroffen sind, können Sie testen. Es gibt einige Seiten, die schon mit doppelten DNS-Einträgen ausgestattet sind, zum Beispiel

Diese Seiten zeigen auch an, auf welchem Wege man sie gerade abruft.

Wenn keine Verbindung zu Stande kommt, kann das sehr unterschiedliche Ursachen haben: Programm- oder Betriebssystemfehler, fehlerhafte Router oder verborgene Unterbrechungen der IPv6-Strecke, Timeouts oder verfummelte IPv6-Konfiguration. Doch eine Holzhammermethode hilft immer, das Problem zu umgehen: Surfen Sie vorübergehend nur über IPv4. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten.

Der Browser stockt, weil das DNS ihm eine IPv6-Adresse nennt, über die keine Verbindung zu Stande kommt. Alle aktuellen Betriebssysteme benutzen zur Namensauflösung nicht nur das DNS, sondern auch die hosts-Datei – in der Standardkonfiguration sogar bevorzugt. Wenn Sie nur die IPv4-Adresse von www.heise.de in Ihre hosts-Datei eintragen, fragt das System als nicht beim DNS nach und erhält auch keine IPv6-Adresse, die den Fehler auslöst.

Die Datei hosts liegt bei Windows im Verzeichnis %WINDIR%\System32\drivers\etc, bei Linux und Mac OS X in /etc/. Öffnen Sie sie mit einem reinen Texteditor (unter Windows zum Beispiel notepad.exe) und schreiben Sie ans Ende die Zeile

193.99.144.85  www.heise.de

Mit diesem Eintrag bekommen Sie wieder Verbindung zu www.heise.de, doch andere Dual-Stack-Seiten bleiben unzugänglich.

Ein falscher Editor oder ein Tippfehler in der hosts-Datei kann statt zur Lösung zu weiterem Ärger führen. Weniger fehleranfällig aber etwas komplizierter ist es, IPv6 zeitweise ganz abzuschalten. Mit dieser Methode kommen sich nicht nur wieder an www.heise.de, sondern umgehen das Problem generell. Die folgenden Klickanleitungen zeigen, wie:

IPv6 deaktivieren in Windows 7 (4 Bilder) [8]

[9]
Klicken Sie rechts auf das Netzwerksymbol und wählen Sie "Netzwerk- und Freigabecenter öffnen".

IPv6 deaktivieren in Vista (4 Bilder) [10]

[11]
Klicken Sie auf das Netzwerksymbol und dann auf "Netzwerk- und Freigabecenter".

IPv6 deaktivieren in Windows XP (5 Bilder) [12]

[13]
Öffnen Sie über das Startmenü die Systemsteuerung.

Beide Workarounds zu kombinieren, ist nicht sinnvoll. Außerdem sollten Sie sie nicht auf Dauer laufen lassen. Am Abend des 16. September werden wir www.heise.de wieder auf reinen IPv4-Betrieb umstellen, um unseren Test auszuwerten. Spätestens dann sollten Sie den hosts-Eintrag wieder löschen oder IPv6 wieder einschalten. Denn moderne Betriebssysteme wie Windows 7 nutzen das Protokoll im lokalen Netzwerk.

Bitte informieren Sie uns, wenn Sie wegen unseres IPv6-Versuchs www.heise.de nicht oder nur sehr langsam erreichen können. Schicken Sie eine E-Mail an six@heise.de [15] mit möglichst genauen Informationen. Mindestens sollte sie enthalten:

Um zu sehen, woran es hakt, interessieren uns auch die IP-Konfiguration inklusive der Routen und Traces, die zeigen, an welcher Stelle die IPv6-Pakete stocken. Wenn Sie uns diese Daten zur Verfügung stellen wollen, kopieren Sie bitte die Ausgaben der folgenden Kommandos in die E-Mail:

Unter Windows

ipconfig /all
netstat -r -n
tracert -d -4 www.heise.de
tracert -d -6 www.heise.de

Unter Mac OS X und Linux

ifconfig
netstat -r -n
traceroute -n www.heise.de
traceroute6 -n www.heise.de

Unter Linux gibt netstat -rn die IPv6-Routen nicht mit aus. Das leistet je nach Linux-Distribution mindestens einer der beiden Befehle

netstat -r -n -6
netstat -r -n -A inet6

Wir werden diese Daten nur benutzen,

Wir werden diese Daten nicht benutzen, um

Für uns wäre es natürlich spannend, zu erfahren, was schief geht. Noch schöner wäre es, wenn gar keine Fehler auftreten. Und so hoffen wir, dass Sie von unserem kleinen Experiment gar nichts bemerken. ()


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1066054

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/IPv6-Tag-bei-heise-de-Erste-Ergebnisse-1081201.html
[2] https://www.heise.de/news/Bei-heise-online-beginnt-die-Internet-Zukunft-1099221.html
[3] http://www.six.heise.de
[4] https://www.heise.de/ratgeber/IPv6-Testbetrieb-fuer-heise-online-2-Update-221527.html
[5] http://www.ripe.net
[6] http://www.sixxs.net
[7] http://sixy.ch
[8] https://www.heise.de/bilderstrecke/561596.html?back=1066054
[9] https://www.heise.de/bilderstrecke/561596.html?back=1066054
[10] https://www.heise.de/bilderstrecke/561636.html?back=1066054
[11] https://www.heise.de/bilderstrecke/561636.html?back=1066054
[12] https://www.heise.de/bilderstrecke/561638.html?back=1066054
[13] https://www.heise.de/bilderstrecke/561638.html?back=1066054
[14] 
[15] mailto:six%40heise.de