Augenschmaus
Zwei Smartphones, ein Versprechen: Das Samsung Galaxy S II und das LG Optimus Black wollen mit außergewöhnlichen Displays Bestmarken setzen.
- Achim Barczok
Zwei viel versprechende NachzĂĽgler haben uns nach unserem Test der Spitzenandroiden [1] erreicht: das LG Optimus Black und das Samsung Galaxy S II. Beide sind seit ein paar Wochen in Deutschland zu haben, das LG Optimus Black fĂĽr etwa 400 Euro ohne Vertrag, in Kombination mit einem Handy-Vertrag haben es E-Plus und 1&1 im Angebot.
Das Samsung I9100 Galaxy S II besitzt ein AMOLED-Display und einen auf 1,2 GHz getakteten Dual-Core-Prozessor von Samsung. Es kostet 545 Euro ohne Vertrag und ist außerdem bei O2 und T-Mobile im Programm. Gerüchten zufolge soll es später eine abgespeckte Variante I9103 mit LCD und etwas langsamerem Prozessor (Tegra 2 mit 1 GHz) geben. Ein NFC-Chip ist anders als noch im Februar angekündigt in keinem der beiden Modelle eingebaut, soll aber in einer späteren Version folgen.
AMOLED vs. LCD
Vom bunten Reigen der Android-Geräte wollen sich LG und Samsung mit hochwertigen Displays abheben. Die hohe Auflösung (480 × 800 Bildpunkte) auf einer Riesenfläche mit 4,3 Zoll (Galaxy S II) beziehungsweise 4 Zoll Diagonale (Optimus Black) sind beste Grundvoraussetzungen fürs Lesen von Webseiten und zum Videos schauen.
Samsungs neue AMOLED-Generation Super AMOLED Plus behebt vor allem eine Schwäche von früheren Samsung-AMOLEDs, die aufgrund einer ungewöhnliche Pixelstruktur (siehe Abbildung) weniger Subpixel als übliche LC-Displays haben. Das ist zwar nur bei genauem Hinschauen erkennbar, führt aber zu einem etwas unschärferen Bild als bei LCDs mit gleicher Auflösung und stört manchen durch ausfransende Linien beim Lesen. Super AMOLED Plus hat die übliche Subpixelstruktur von LCDs.
Ansonsten spielt das Display die Stärken von AMOLED aus: komplette Blickwinkelunabhängigkeit, ein großer Farbraum mit sattem Rot und kräftigem Grün und ein extrem hoher Kontrast aufgrund des tiefen Schwarz: Nur schwer erkennt man die Grenze zwischen der schwarzen Android-Statusleiste und der Displayumfassung. Im Sonnenlicht ist allerdings kaum noch etwas zu erkennen, zumal das Galaxy-Display mit 223 cd/m² nicht besonders leuchtstark ist. Ein weiterer Nachteil der OLEDs: Die korrekte Farbkalibrierung ist unseren Erfahrungen nach Glückssache, unser Testgerät hatte einen leichten Grünstich.
LG nennt die LCD-Technik im Optimus Black Nova; sie punktet mit einer Leuchtstärke von fast 600 cd/m², so viel haben wir bisher nur bei einigen Navis und speziellen Outdoorgeräten gemessen. Das verhilft zu einer besseren Lesbarkeit vor allem in heller Umgebung und im direkten Sonnenlicht. Das Display ist weitgehend blickwinkelunabhängig und kontrastreich, kommt aber nicht an das des Galaxy S II heran.
GrĂĽner Unterbau
GrĂĽner Unterbau
Auf dem Galaxy ist Android 2.3.3 installiert, das vor einigen Monaten vorgestellte Update 2.3.4 ist noch nicht verfügbar. Noch mit der Vorgängerversion Android Froyo (2.2.2) wird das Black ausgeliefert. Alle wichtigen Funktionen wie Internetweitergabe per WLAN und die App-Grundausstattung von Browser bis Navigation haben sie beide, in Froyo fehlen kleinere Neuerungen wie die schickere Oberfläche und eine detaillierte Auswertung des Stromverbrauchs. Beide Smartphones greifen ohne Einschränkungen auf das umfangreiche Angebot an zusätzlichen Apps im Android Market zu.
Als Android-Oberfläche setzt Samsung seine Touchwiz UI 4.0 ein. Die trimmt das Smartphone auf Samsung-Optik, erleichtert den Zugriff auf häufig genutzte Einstellungen und erweitert die Programmübersicht. Die Samsung-Widgets, die Wetter, Neuigkeiten und Weltzeituhr anzeigen, sind deutlich eleganter als beim Vorgänger Galaxy S. Aufgerüstet hat Samsung vor allem bei den Apps, darunter findet man eine Foto- und eine Video-Bearbeitung. Der praktische Kfz-Modus mit größeren Bedienelementen fehlt dagegen.
Letzterer schaltet sich bei LGs Optimus UI automatisch ein, wenn man eine kompatible Fahrzeughalterung hat. Insgesamt gehen die Anpassungen von LG nicht so weit wie bei Samsung, vorhanden sind eine eigene, gelungene Optik, eine erweiterte Statusleiste und eine in Kategorien sortierbare Anwendungsübersicht, außerdem kann man die Standardschrift des Systems ändern.
Das Officepaket Polaris Office und eine DLNA-App (Client und Server) bringen beide mit, genauso wie Wifi-Direct zum direkten Datenaustausch per WLAN zwischen zwei Smartphones. Mit dem Desktop synchronisieren sie über kostenlose PC-Software (LG Suite, Samsung Kies), das Galaxy S II bietet zusätzlich einen HTTP-Zugriff auf die Handydaten über WLAN an.
LG Optimus Black
LG Optimus Black
Das LG Optimus Black hat ein schlichtes, solides Gehäusedesign. Die Form lässt das vergleichsweise leichte Smartphone gut in der Hand liegen, die Rückseite ist allerdings rutschig. Die vier Sensortasten unterhalb des Displays, der präzise Touchscreen und die gute virtuelle Tastatur funktionieren zuverlässig. Mittels Gyroskop kann man außerdem per Bewegung steuern: Umdrehen schaltet auf stumm, Schwenken verschiebt Icons. Hält man die „G-Taste“ an der linken Seite gedrückt, navigiert ein Neigen des Handys durch die Startbildschirme und durch Webseiten, Schütteln nimmt Anrufe an oder beendet sie.
Prozessor- und Grafikleistung reichen für alle Smartphone-Aufgaben, an die Kraftprotze mit Dual-Core-CPUs reicht das Optimus Black aber nicht heran. Auch fielen uns beim Wischen durch die Startbildschirme immer wieder minimale Ruckler auf. Beim Surfen bemerkt man den Unterschied zu den flinkesten Android-Smartphones nicht so deutlich: Webseiten sind schnell geladen, zumindest niedrigauflösende Flashvideos spielt es ruckelfrei ab.
Anders als LGs Top-Modell Optimus Speed hat das Black in puncto Multimedia nur Standardkost zu bieten: Der Videospieler kam mit vielen unserer Testdateien nicht zurecht und in 720p-Qualität öffnete er nur die mit der eigenen 5-Megapixelkamera aufgenommenen Videos. Die Kamera macht recht blasse, im Detail verschwimmende Fotos und Videos. Zum Scharfstellen braucht sie eine Sekunde. Einen Pluspunkt gibt es für den umfangreichen Musikspieler mit Equalizer und sattem Klang übers mitgelieferte Headset.
Samsung Galaxy S II
Samsung Galaxy S II
Samsungs Galaxy S II ist eine leichte Riesenflunder: Nur 115 Gramm auf der Waage und an den meisten Stellen 9 Millimeter dünn, nur im unteren Teil bockt der gewölbte Rückendeckel das Gerät um einen weiteren Millimeter auf. Bis auf den dunkelgrau schimmernden Metallrahmen ist es komplett in schwarz gehalten. Der leicht geriffelte Plastikrücken sorgt für einen guten Halt, durch die riesige Displayfläche und das etwas eckige Design liegt es aber trotzdem nicht perfekt in der Hand. Auch mit Plastikrückseite wirkt es solide und elegant, wenn auch nicht so edel wie ein iPhone 4 oder ein HTC Desire S.
Der Dual-Core-Prozessor erreichte beim CPU-Benchmark Coremark mit 6462 die besten Werte, die wir bisher bei einem Smartphone gemessen haben (siehe Diagramm). Auch die Grafikleistung der GPU Mali-400 MP von ARM kann sich sehen lassen: Im mobilen Grafikbenchmark GLBenchmark 2.0.3 und in aufwendigen 3D-Spielen wie Modern Combat 2 machte es eine sehr gute Figur.
Der Multimedia-Spieler spielte alle unsere 720p- und 1080p-Testdateien ruckelfrei ab, und selbst mit Flash-Schwergewichten wie der ZDF-Mediathek, die eigentlich auf jedem Smartphone stottert, kam das Galaxy zurecht. Per HDMI-Adapter gibt es auch 1080p auf externe Monitore aus, er kostet etwa 30 Euro. Der Browser ist extrem schnell.
Die gesamte Oberfläche läuft durchweg flüssig und Apps starten flott. Ingesamt lässt sich das Smartphone flink bedienen, auch dank des präzisen 10-Punkte-Multitouchscreens und der smarten Gyroskop-Gesten. Auf der virtuellen Tastatur tippt es sich schnell, nur die Umlaute erreicht man etwas umständlich. Als Alternative ist die Wischtastatur Swype installiert.
Als erstes Smartphone hat das Galaxy S II den GPS-Empfänger Sirfstar IV eingebaut, der im Test sehr schnell die Position ermittelte und auch in ungünstigem Terrain kleinste Positionsveränderungen zuverlässig erkannte. Das Gyroskop hilft, kurze Empfangsabbrüche in Tunneln zu überbrücken und soll bei der Ortung Strom sparen; bei einer Wanderung durch dichten Wald war nach etwa vier Stunden der Akku leer. Ein Langläufer ist das Galaxy S II auch sonst nicht: Beim Videos schauen läuft es passable 6,6 Stunden, doch beim Surfen per WLAN gerade einmal 3,8 Stunden. Wer es häufig nutzt, muss es jeden Abend an die Steckdose klemmen, über einen Energiesparmodus kann man noch ein bisschen herauskitzeln.
Die 8-Megapixelkamera macht an sich ansehnliche 1080p-Videos und sehr scharfe Fotos mit wenig Rauschen, in der Mitte stört eine rötliche Verfärbung.
Fazit
Im Vergleich mit den ĂĽbrigen Android-Neuvorstellungen kann sich das LG Optimus Black im Mittelfeld platzieren: ein solides Smartphone mit gutem, extrem hellem Display und ordentlicher Ausstattung.
Das derzeit beste Display kommt von Samsung: Das riesige AMOLED-Display vom Galaxy S II I9100 deklassiert die gesamte Smartphone-Konkurrenz – und dank des dünnen Designs bleibt das Handy trotz der Größe noch handlich. Mit schnellem Prozessor, gutem GPS-Empfänger und einem üppigen Software-Paket ist es derzeit das Smartphone mit der besten Ausstattung. Der größte Schwachpunkt im Vergleich zum iPhone 4 bleibt die schlechte Laufzeit.
| Android-Smartphones | ||
| Modell | P970 Optimus Black | I9100 Galaxy S II |
| Hersteller | LG | Samsung |
| technische Daten | www.handy-db.de/1781 | www.handy-db.de/1783 |
| Preis | 500 € | 650 € |
Literatur
- Achim Barczok, Im Android-Olymp, 8 Top-Smartphones mit Android-Betriebssystem, c’t 11/11, S. 90
(acb)