ver.di erhöht Druck auf Telekom
Auch in der dritten Woche geht der Streik bei der Deutschen Telekom weiter. Aus dem Bundestag gab es Kritik an den Telekom-PlÀnen.
Die Gewerkschaft ver.di hat den Streik bei der Deutschen Telekom [1] nach eigenen Angaben ausgeweitet. "Am Mittwoch beteiligten sich bundesweit insgesamt 25.000 Menschen an den Protesten", sagte der Streikleiter der Gewerkschaft, Ado Wilhelm, auf Anfrage. In mehreren StÀdten gab es Kundgebungen, zu denen auch BeschÀftigte aus anderen ver.di-Bereichen angereist waren. Durch den Streik war unter anderem erneut der Kundendienst betroffen. Am Donnerstag wollen nach Angaben der Gewerkschaft rund 16.000 BeschÀftigte die Arbeit niederlegen.
Der Protest richtet sich gegen die geplante Verlagerung von rund 50.000 Telekom-Mitarbeiter in neue Servicegesellschaften unter dem Namen T-Service. Der Konzern will dadurch seine Kosten um bis zu 900 Millionen Euro jĂ€hrlich senken und die ServicequalitĂ€t verbessern. Im Gegenzug bietet das Unternehmen eine VerlĂ€ngerung beim KĂŒndigungsschutz bis 2011 sowie die Schaffung neuer ArbeitsplĂ€tze.
Auch in der dritten Streikwoche zeichnet sich keine Einigung zwischen den Tarifparteien ab. "Wir haben keine neuen Signale von der Telekom fĂŒr neue GesprĂ€che bekommen", sagte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder. Die Telekom will nach der Ablehnung der Gewerkschaft T-Service nun zum 1. Juli im Alleingang [2] grĂŒnden. Den betroffenen Mitarbeitern will der Konzern nach frĂŒheren Angaben bis zum Monatsende ein Angebot unterbreiten. Dem Vernehmen nach fĂŒhren die Tarifparteien informelle GesprĂ€che, wobei allerdings nicht ĂŒber Inhalte oder ein neues Angebot verhandelt werde. Als Knackpunkt gilt die geplante LohnkĂŒrzung um neun Prozent, die fĂŒr ver.di nicht akzeptabel ist. VerhandlungsfĂŒhrer Schröder verwies auf die kĂŒrzlich vereinbarte Lohnerhöhung fĂŒr die Mitarbeiter des Telekom-Konkurrenten Arcor.
FĂŒr neue Unruhe sorgten Abmahnungen, die laut ver.di an BeschĂ€ftigte verschickt worden sind. Die Mitarbeiter hĂ€tten sich geweigert, "an fingierten NotdiensteinsĂ€tzen teilzunehmen", sagte Streikleiter Wilhelm. "Die erste Amtshandlung des neuen Telekom- Personalvorstands Thomas Sattelberger richtet sich gegen die BeschĂ€ftigten. Damit will er sich offenbar einen Ruf als Scharfmacher erwerben." Die Telekom wies die VorwĂŒrfe zurĂŒck.
Kritik von Linkspartei und GrĂŒnen
Unterdessen haben Linkspartei und GrĂŒne den geplanten Konzernumbau bei der Deutschen Telekom scharf kritisiert. Die Bundesregierung als Anteilseigner habe den Kurs gebilligt, der Auslöser des gegenwĂ€rtigen Streiks sei, sagten Redner der beiden Oppositionsparteien am Mittwoch in einer Aktuellen Stunde des Bundestages in Berlin. Der Fraktionsvize der Linkspartei, Klaus Ernst, warf dem Konzern vor, die Interessen der AktionĂ€re ĂŒber diejenigen der Mitarbeiter zu stellen. FĂŒr die GrĂŒnen stellte die Abgeordnete Brigitte Pothmer fest, die Telekom-BeschĂ€ftigten hĂ€tten schon ausreichend SolidaritĂ€tsbeitrĂ€ge geleistet. Ihnen werde ein Lohnverzicht von neun Prozent abverlangt, wĂ€hrend fĂŒr 2007 erneut eine Rekorddividende von drei Milliarden Euro ausgezahlt werden solle.
Vertreter der Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD appellierten an das Management und die Gewerkschaft ver.di, sich wieder an den Verhandlungstisch [3] zu setzen und eine Lösung zu suchen. Nach Ansicht des SPD-Abgeordneten Martin Dörmann (SPD) sollte der Bund "auf absehbare Zeit" mehr als 25 Prozent der Telekom behalten, auch um Ăbernahmen durch Wettbewerber zu verhindern.
Siehe dazu die Linkliste in c't-Hintergrund:
(dpa) / (vbr [5])
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[1] https://www.heise.de/hintergrund/Der-Streik-bei-der-Deutschen-Telekom-302618.html
[2] https://www.heise.de/news/Laut-ver-di-fuehrt-Telekom-Alleingang-in-den-Abgrund-179729.html
[3] https://www.heise.de/news/ver-di-lehnt-neue-Verhandlungen-ueber-Telekom-Stellenumbau-ab-179178.html
[4] https://www.heise.de/hintergrund/Der-Streik-bei-der-Deutschen-Telekom-302618.html
[5] mailto:vbr@heise.de
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