Zwist in der EU verlangsamt Galileo-Projekt
Madrid blockiert die Einigung zwischen Berlin und Rom fĂŒr das europĂ€ische Satelliten-Navigationsprojekt.
Immer wieder gerĂ€t das europĂ€ische Satelliten-Navigationsprojekt Galileo zum Zankapfel der EU-Mitgliedsstaaten. Nachdem der monatelange Streit [1] zwischen Deutschland und Italien beigelegt wurde, blockiert nun angeblich die spanische Regierung das Projekt, heiĂt es in einem Bericht der Financial Times Deutschland [2].
Gilles Gantelet, der Sprecher der zustĂ€ndigen EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio, Ă€uĂerte gegenĂŒber der Zeitung, das genze Projekt werde scheitern, wenn der Konflikt nicht bis zum Sommer gelöst werde. Bis 2008 sollen fĂŒr das 3,5 Milliarden Euro teure Navigationssystem insgesamt 30 Satelliten ins All geschossen werden, die den gesamten Globus abdecken und letztlich eine prĂ€zisere Navigation [3] ermöglichen als der US-Konkurrent GPS (Global Positioning System). Die Entwicklungsphase soll in diesem Jahr beginnen. Geplant ist zunĂ€chst der Start von vier Test-Satelliten. Die Industrie erhofft sich davon europaweit bis zu 100.000 neue ArbeitsplĂ€tze.
Deutschland und Italien hatten Ende MĂ€rz vereinbart, dass sie zu jeweils 17,5 Prozent an der ESA-Finanzierung beteiligt werden. Der Sitz des Industriekonsortiums Galileo Industrie soll in Ottobrunn bei MĂŒnchen liegen. Das IngenieurbĂŒro soll nach Rom kommen.
Gegen den Kompromiss wehrt sich nun die Regierung in Madrid. Wegen des spanischen Widerstands wurde die Sitzung der europĂ€ischen Weltraumagentur in der vergangenen Woche ausgesetzt. Madrid, so zitiert die FTD EU-Kreise, fĂŒrchtet, durch die Vereinbarung an den Rand gedrĂ€ngt zu werden. So teilen sich Deutschland, Italien, Frankreich und GroĂbritannien einen ESA-Anteil von 70 Prozent -- Spanien kommt dagegen nur auf neun Prozent. Nach Angaben aus der Kommission dringt Madrid nun auf einen Zehn-Prozent-Anteil, um seinen Einfluss auf das Projekt zu stĂ€rken. (tol [4])
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[2] http://www.ftd.de
[3] https://www.heise.de/news/EU-will-Navigationssystem-Galileo-mit-EGNOS-genauer-machen-76653.html
[4] mailto:tol@heise.de
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