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Zeitung: US-Regierung will Microsoft spalten

Wolfgang Stieler

Die AnklÀger im Anti-Trust-Prozess gegen Microsoft sollen sich auf Sanktionen gegen den Software-Riesen geeinigt haben.

Dass Microsoft schuldig [1] ist, sein Monopol bei PC-Betriebssystemen mißbraucht zu haben, steht nach Ansicht des US-Justizministeriums schon lange fest. FĂŒr das laufende Schlichtungsverfahren [2] im Kartellprozeß gegen den Software-Giganten aus Seattle haben sich die RegierungsanwĂ€lte nun offensichtlich auch auf die angemessene Strafe geeinigt: Sie wollen die Aufspaltung Microsofts in zwei getrennte Firmen vorschlagen, berichtet die amerikanischen Zeitung USA Today.

Nach dem Modell, das die Regierungsvertreter bevorzugen, soll eine der beiden neuen Baby-Bills fĂŒr Windows verantwortlich sein, wĂ€hrend die andere fĂŒr Software wie Office zustĂ€ndig ist, berichtet das Blatt. Unklar sei noch, ob das Justizministerium die Auslagerung von Microsofts Internet-AktivitĂ€ten in eine dritte Firma verlangen will. Außerdem habe das Justizministerium noch nicht entschieden, ob es auch die Trennung von Internet Explorer und Windows fordern werde.

Vertreter von Microsoft, die immer die Bereitschaft zu einer gĂŒtlichen Einigung im Kartellverfahren betont haben, protestierten umgehend. Pressesprecher Mark Murray betonte, dass eine Aufspaltung von Microsoft der Industrie "schweren Schaden" zufĂŒgen wĂŒrde. Eine Sprecherin des Justizministeriums kommentierte gegenĂŒber Wired, der Bericht in USA Today gebe nicht exakt die Ansichten der Regierungsvertreter wieder. Er sei in mehreren Punkten ungenau. Genauere Angaben wollte sie aber nicht machen.

Die Diskussion um mögliche Sanktionen gegen Microsoft konzentrierte sich bislang sowohl auf juristische als auch auf politische Probleme: Microsoft soll durch die Sanktionen am weiteren Missbrauch seiner Monopolstellung gehindert werden; das Monopol an sich verstĂ¶ĂŸt jedoch nicht gegen die amerikansichen Anti-Trust-Gesetze. Das Justizministerium will ausserdem den Eindruck vermeiden, die IT-Wirtschaft durch zu starke staatliche Kontrolle zu behindern. (wst [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-21338

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/US-Justizministerium-Microsoft-in-vier-Punkten-schuldig-17639.html
[2] https://www.heise.de/news/Justizministerium-Einigung-mit-Microsoft-nur-ein-Geruecht-18544.html
[3] mailto:wst@technology-review.de