Zehn Jahre nach Mondsonde Chang'e 1: Chinas ambitionierte PlÀne im All
Den Mond im Visier
(Bild: Dylan OâDonnell)
Zehn Jahre nach dem Start ihrer ersten Mond-Sonde ist das Interesse der Volksrepublik China am Erdtrabanten ungebrochen. Neben politischen Zwecken ziehen Peking wirtschaftliche Interessen ins All.
Als die Sonde Chang'e 1 am 24. Oktober 2007 [1] zu ihrer Reise in die Mondumlaufbahn aufbrach, war das ein stolzer Moment fĂŒr China. Die "Mondgöttin" lieferte detaillierte Aufnahmen der OberflĂ€che [2] des Erdtrabanten.
Die Volksrepublik strebt ins All, will in den nĂ€chsten vier Jahren eine eigene Raumstation in die Erdumlaufbahn bringen und bereitet einen Ausflug zum Mars vor. Die gröĂte Aufmerksamkeit gilt aber dem Mond. Gleich zwei anstehende Missionen dienen nicht nur politischen und militĂ€rischen Zwecken, sondern auch der Erforschung möglicher Energie- und Rohstoffquellen der Zukunft.
Proben vom Mond
Auf Chang'e 1 folgte vor fĂŒnf Jahren der Jadehase [3], der als erster chinesischer Rover ĂŒber den Mond kurvte. Zwei weitere Landefahrzeuge dĂŒrften bis 2020 folgen: Bei einer der Missionen ist die erste Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes geplant. Bei der zweiten soll die Raumsonde Chang'e 5 ein Roboter-Fahrzeug absetzen, Proben sammeln und diese zur Erde bringen [4]. Es wĂ€re das erste Mal, dass ein chinesisches Raumschiff mit Mondgestein zur Erde zurĂŒckkehrt.
Chang'e 3 und Yutu auf dem Mond (0 Bilder) [5]
WĂ€hrend beim letzten Flug der sowjetischen Mondsonde Luna 24 im Jahr 1976 nur 170 Gramm eingesammelt wurden, hatten die Apollo-FlĂŒge der USA zwischen 1969 und 1972 mehr als 360 Kilogramm Mondgestein zur Erde gebracht. Auf neue Proben wartet nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Wirtschaft gespannt: Auf dem Mond werden neben Titan und Aluminium auch groĂe Vorkommen von Helium-3 vermutet. Der Abbau des Stoffes sei derzeit zwar noch Zukunftsmusik. "Gelingt es, sprechen wir aber von einer potenziellen Energiequelle der Zukunft", sagt Raumfahrt-Professor Jiao Weixin von der Peking UniversitĂ€t.
Energiequelle der Zukunft
Das seltene Helium-3 ist einer der Stoffe, mit denen ein Fusionsfeuer gefĂŒttert werden kann. Auf der Erde gibt es nach SchĂ€tzungen nur 15 Tonnen davon, doch rechnen chinesische Wissenschaftler mit Vorkommen auf dem Mond von mehr als einer Million Tonnen.
Unumwunden werden auch politische Ziele des Raumfahrtprogramms eingerĂ€umt. Die anstehenden Mond-Missionen sollen dem Milliardenvolk demonstrieren, welchen Fortschritt die Nation unter der kommunistischen FĂŒhrung gemacht hat. 2003 war China mit seinem ersten bemannten Raumflug nach den USA und Russland in den illustren Club der Staaten aufgestiegen, die aus eigener Kraft einen Astronauten ins All bringen können.
Nicht vor Problemen gefeit
Landen wir auf der abgewandten Seite des Mondes, dann ist das etwas, dass Russland und die USA bislang noch nicht vollbracht haben, sagt Jiao Weixin. Trotz des groĂes Budgets sei aber auch Chinas Raumfahrtprogramm nicht vor RĂŒckschlĂ€gen [7] gefeit. Mehrere missglĂŒckte Startversuche mit der neuen TrĂ€gerraketen-Generation Langer Marsch 5 [8] fĂŒhrten dazu, dass die nĂ€chste Mondsonde nicht wie zunĂ€chst angekĂŒndigt noch in diesem Jahr, sondern wohl erst 2019 starten wird. Probleme gab es auch bei der letzten Mond-Mission vor fĂŒnf Jahren. Mechanische Defekte fĂŒhrten dazu, dass der Kontakt zum Jadehasen zwischenzeitlich abriss.
"Kinderkrankheiten" seien das, mit denen sĂ€mtliche Raumfahrtnationen zu kĂ€mpfen hĂ€tten, so Jiao Weixin. Auch der US-Raumfahrtjournalist Leonard David ist ĂŒberzeugt, das China seine PlĂ€ne erfolgreich vorantreiben wird. "Das derzeitige Programm lĂ€uft darauf hinaus, dass China auch wieder Menschen auf den Mond bringen wird", sagt David. Noch ohne ein genaues Datum zu nennen, spricht auch Chinas Raumfahrtbehörde davon, in 15 bis 20 Jahren einen Anlauf fĂŒr eine bemannte Mond-Mission machen zu wollen. (mho [9])
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[2] https://www.heise.de/news/China-praesentiert-erste-Aufnahmen-des-Mond-Orbiters-Chang-e-1-199354.html
[3] https://www.heise.de/news/Chinas-Jadehase-ist-auf-dem-Mond-unterwegs-2066188.html
[4] https://www.heise.de/news/Chinesische-Raumsonde-soll-Proben-vom-Mond-zurueckbringen-3606253.html
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/1739479.html?back=3868730;back=3868730
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/1739479.html?back=3868730;back=3868730
[7] https://www.heise.de/news/Tiangong-1-Chinesische-Raumstation-vor-unkontrolliertem-Absturz-3861079.html
[8] https://www.heise.de/news/Langer-Marsch-5-Fehlstart-fuer-Chinas-leistungsstaerkste-Rakete-3761146.html
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