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ZDF setzt auf Verschmelzung von TV und Internet mittels HbbTV

IFA

Das neue Format HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) soll klassisches Fernsehen und Internet-Angebote nahtlos miteinander verbinden. Die Zuschauer brauchen allerdings neue GerÀte mit Online-Zugang.

Kaum hat das hochaufgelöste Fernsehen HDTV in Deutschland Fuß gefasst, wartet die Branche mit einer weiteren Neuerung auf. Zur Internationalen Funkausstellung IFA [1] will das ZDF [2] Fernsehen und Online-Angebote miteinander verschmelzen. "Das neue Hybrid-TV ist ein Meilenstein auf dem Weg in die digitale Welt", so ZDF-Intendant Markus SchĂ€chter.

Die Idee ist, dass die Zuschauer auf einem GerÀt und mit nur einer Fernbedienung parallel Fernsehen und spezielle Angebote des Internets nutzen können. In einigen Jahren soll daraus interaktives Fernsehen entstehen, bei dem sich die Zuschauer ins Geschehen auf dem Bildschirm einmischen können.

FĂŒr den Service sind allerdings neue GerĂ€te mit Internetzugang erforderlich. "Die Verschmelzung von Fernsehen und Internet ist die Zukunft. Wir stehen aber noch am Anfang der Entwicklung", betont SchĂ€chter.

ZunĂ€chst bringt das ZDF seine Mediathek [3] in die Wohnzimmer. Bisher war die Nutzung des Kurzzeitarchivs praktisch nur auf Computern möglich und deshalb fĂŒr viele unbequem. Von September an können die Zuschauer nun Sendungen, die sie verpasst haben, auf einem Hybridfernseher anschauen. "Es gibt dann auch in der klassischen Fernsehsituation kein Diktat der Zeit mehr. Das schĂ€tzen vor allem junge Menschen", meint SchĂ€chter. So könne man das heute-journal nachts um halb zwei anschauen, ohne den Computer hochzufahren oder den Recorder einzustellen.

Der Intendant rechnet fĂŒr diesen Herbst zunĂ€chst mit einigen hunderttausend Nutzern. Bis Jahresende soll es bundesweit bereits mehr als 2 Millionen solcher GerĂ€te geben. Im kommenden Jahr baut der Sender das Angebot weiter aus, sodass sich Zuschauer zum Beispiel unmittelbar an Wahlsendungen beteiligen können, was bisher nur vom PC oder Laptop aus möglich war. Auch ein begleitendes Angebot zum heute-journal ist in der Entwicklung.

Dem Hybridfernsehen HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV) liegt ein neuer internationaler Standard [4] zugrunde, auf den sich fĂŒhrende europĂ€ische TV-Veranstalter und Unternehmen der Elektronikbranche geeinigt haben. Dazu gehören unter anderem Sony, Loewe, LG, Philips, Fernsehsender wie ARD, ZDF, RTL, ProSiebenSat.1 und France Television sowie der Satellitenbetreiber Astra.

Skeptisch ist SchĂ€chter hingegen beim dreidimensionalen Fernsehen, auf das viele Zuschauer nach dem Kinoerfolg von "Avatar" hoffen. "Wir werden uns an Pilotprojekten beteiligen und Erfahrungen sammeln. Aber die Technik ist derzeit fĂŒr das Fernsehen noch viel zu aufwendig und teuer." Insgesamt sieht SchĂ€chter drei HĂŒrden: "Die Produktion ist bis zu 60 Prozent teurer, fĂŒr die Übertragung benötigt man zusĂ€tzliche KanĂ€le oder Transponder, und so lange man eine spezielle Brille braucht, wird es 3D in einem Alltagsmedium schwer haben."

Allerdings wird das ZDF die Möglichkeiten der neuen Technik in den nĂ€chsten Jahren zusammen mit dem japanischen Fernsehen ausloten. "SĂŒdkorea und Japan sind fĂŒnf Jahre weiter. Man ist aber auch dort der Meinung, dass ein Durchbruch noch viele Jahre dauern wird." Ein Pilotprojekt hat der Sender aber gestartet: Filmregisseur Wim Wenders inszeniert derzeit in Zusammenarbeit mit ZDF und arte eine Hommage an die TĂ€nzerin Pina Bausch als dreidimensionalen Film. "Der Rohschnitt ist gerade fertig geworden", sagt SchĂ€chter.

Sind solche Neuerungen bei einem Altersdurchschnitt des ZDF-Publikums von ĂŒber 60 Jahren ĂŒberhaupt notwendig? Sicher wollen manche nur die Berieselungstaste drĂŒcken und nicht gleichzeitig im Internet surfen und bei einem Voting mitmachen. Aber SchĂ€chter möchte damit die nachwachsenden Zuschauer binden und verweist auf die schnelle Verbreitung von HDTV. Erst im Februar hatten ARD und ZDF den Regelbetrieb gestartet. Bis Jahresende können schon 40 Prozent der Haushalte die unverschlĂŒsselten Programme der Öffentlich-Rechtlichen in HD-QualitĂ€t anschauen. Mehr als 16 Millionen EmpfangsgerĂ€te sollen bis dahin verkauft sein. "Das ist eine Erfolgsgeschichte", schwĂ€rmt SchĂ€chter. (vza [5])


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https://www.heise.de/-1069948

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.ifa-berlin.de
[2] http://www.zdf.de
[3] http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite/
[4] https://www.heise.de/news/Spezifikation-fuer-programmbegleitende-Online-Dienste-verabschiedet-1031778.html
[5] mailto:vza@heise.de