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YouTube: Werbeboykott wegen pÀdophiler Kommentare in Kindervideos

Oliver BĂŒnte
YouTube

Einige Werbekunden schalten keine Werbung mehr auf YouTube. Ihre Werbung war in Videos aufgetaucht, die von PĂ€dophilen kommentiert wurden.

Nestle, Epic Games, Disney und andere grĂ¶ĂŸere Marken schalten keine Werbung mehr auf YouTube. Als Grund fĂŒr ihren RĂŒckzug nannten die Unternehmen, dass ihre Werbung in sexualisierten Kindervideos eingespielt wurde, deren Kommentarbereiche von PĂ€dophilen ĂŒberschwemmt wurden. Das berichtet The New York Times am Mittwoch.

Die Unternehmen reagierten damit auf ein Video des YouTubers Matt Watson [1]. Dass Video zeigt, wie PĂ€dophile die Empfehlungs-Algorithmen von YouTUbe verwenden, um sexualisierte Kindervideos aufzufinden. Diese Videos wurden von den PĂ€dophilen mit sexuell eindeutigen Kommentaren versehen, in denen sie unter anderem Zeitmarken auf Szenen setzten, in denen die Kinder nackt zu sehen sind. Außerdem enthielten die Kommentare mitunter Links auf kinderpornografisches Material. In den Videos war Werbung der betroffenen Unternehmen eingeblendet.

Bereits vor zwei Jahren hatte eine Reihe von Firmen ihre Werbung auf YouTube eingestellt, weil sie in Extremisten-, Hass-Videos und sexualisierten Kindervideos eingespielt wurde. YouTube hatte im November 2017 einen Maßnahmenkatalog angekĂŒndigt [2], um auch dieses Problem einzudĂ€mmen. Nach Angaben der New York Times seien aufgrund dieses Versprechens im letzten Jahr viele Werbetreibende zu YouTube zurĂŒckgekehrt, mussten jedoch jetzt erkennen, dass keine allzu großen Fortschritte erzielt worden sind.

Chi Hea Cho, eine Sprecherin des YouTube-Mutterkonzerns Google, sagte gegenĂŒber der Zeitung, dass mittlerweile alle Accounts, Channel und Kommentare gelöscht worden seien, die gegen die Richtlinien verstoßen hĂ€tten. Außerdem hĂ€tte man illegale AktivitĂ€ten auf YouTube an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet. Cho verurteilte alle Inhalte, die MinderjĂ€hrige gefĂ€hrden könnten als abscheulich und verwies auf die Richtlinien von YouTube zum Einstellen von Videos und Kommentaren. "Es gibt noch mehr zu tun", rĂ€umte sie ein.

Deutliche Kritik an YouTube kommt von Josh Golin, GeschĂ€ftsfĂŒhrer von Campaign for a Commercial-free Childhood (CCFC). Er sieht nicht, dass YouTube dem Problem der pĂ€dophilen Kommentare in ausreichendem Maße begegnen kann und fordert, dass die Videoplattform seine Kommentarfunktion ganz abschalten sollte. "Was ist der Wert von YouTube-Kommentaren im Vergleich zu den Schrecklichkeiten, die dort auftauchen."

Aber auch Watson, der mit seinem Video auf das Problem aufmerksam gemacht hat, steht nach Angaben der New York Times in der Kritik. YouTuber werfen ihm vor, er wĂŒrde eine "neue Apokalypse" wie in 2017 heraufbeschwören. Sie kritisieren, dass er die VerstĂ¶ĂŸe gegen die YouTube-Richtlinien öffentlich gemacht hat, anstatt sie diskret ĂŒber die YouTube-eigenen Tools als Verstoß zu melden. Die YouTuber sehen durch den dadurch ausgelösten Boykott ihre Werbeeinnahmen gefĂ€hrdet.

Neben Nestle, Epic Games und Disney sollen auch Werbevideos von GNC, McDonald’s, Lysol, Hersheys Reese’s, Purina und Ikea im Zusammenhang mit PĂ€dophilenkommentaren in dem Beitrag von Matt Watson auftauchen. Nach Angaben von Bloomberg habe Disney seine WerbeaktivitĂ€ten bei YouTube ebenfalls eingestellt [3]. Ob und wie viele weitere Unternehmen noch betroffen waren oder betroffen sind und YouTube als Werbetreibende den RĂŒcken kehren wollen, ist derzeit noch unklar. (olb [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4315125

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Sexualisierte-Kindervideos-bei-Youtube-weiterhin-ein-Problem-4312518.html
[2] https://www.heise.de/news/YouTube-will-Minderjaehrige-besser-schuetzen-3899577.html
[3] https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-02-20/disney-pulls-youtube-ads-amid-concerns-over-child-video-voyeurs
[4] mailto:olb@heise.de