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Wo bleibt der europÀische Hybrid?

Gernot Goppelt
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Die Entwicklung von Hybrid-Fahrzeugen stellt in vielen Details völlig neue Anforderungen an die Automobilentwickler. Doch nur eine kompromisslose technische Umsetzung wird die Kunden auch auf Dauer ĂŒberzeugen

Wusste noch vor wenigen Jahren kaum jemand, was man unter einem Hybridantrieb zu verstehen hat, kennt ihn heute fast jedes Kind. Der Begriff Hybrid steht fĂŒr innovativ, ökologisch, verbrauchs- und emissionsarm. Die Werbung, vor allem des so erfolgreichen Herstellers Toyota, hat diesen Zusammenhang in den Köpfen der Menschen verankert. Schauspieler und andere „öffentliche Personen“ transportieren diese Werte und können dabei noch etwas fĂŒr ihr eigenes Image tun.

Die Wirkung ist nicht ausgeblieben: Selbst unsere Politiker setzen auf Hybridfahrzeuge, wenn es darum geht, mit Hilfe sauberer Fahrzeuge einen Beitrag fĂŒr Klima- und Umweltschutz zu leisten. Das wusste beispielsweise auch Frau KĂŒnast, die fĂŒr ihren Vorschlag, die Dienstfahrzeuge der Ministerien durch den Toyota Prius zu ersetzen, allerdings nicht den einhelligen Beifall ihrer Kollegen bekam.

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Emotion und Image allein reichen nicht
Doch Emotion und Image alleine reichen nicht, den Hybrid auf Dauer zu etablieren. Vielmehr muss die Technik beweisen, dass sie dem konventionellen Verbrennungsmotor allein ĂŒberlegen ist. Dieser Nachweis muss unter AbwĂ€gung aller ökologischen und ökonomischen Auswirkungen gefĂŒhrt werden.

Im weiteren Sinne werden unter der Bezeichnung Hybridantrieb Fahrzeugantriebe mit mehr als einer Antriebsquelle verstanden. Das, was wir heute als Hybridantriebe auf der Straße sehen, sind Kombinationen aus Verbrennungsmotor und Elektroantrieb. Die konkrete Auslegung im Fahrzeug kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Übergeordnetes Ziel jedes Hybridantriebs ist in jedem Fall, die verschiedenartigen Antriebskomponenten so zu kombinieren, dass die Vorteile grĂ¶ĂŸer sind als die Nachteile durch den erhöhten technischen Aufwand des Hybridantriebs.

Micro-, Mild- und Full-Hybrid
FĂŒr den Pkw-Einsatz kommen ausschließlich parallele oder leistungsverzweigte Hybridstrukturen in Frage, die sich dadurch auszeichnen, dass es neben dem elektrischen auch immer einen mechanischen Pfad der KraftĂŒbertragung gibt. Eine serielle Struktur, bei der der Verbrennungsmotor nur zur Stromerzeugung herangezogen wird, die KraftĂŒbertragung jedoch rein elektrisch erfolgt, kommt sowohl aus energetischen als auch aus preislichen und PlatzgrĂŒnden nicht in Frage.

Nach der Dimensionierung der elektromotorischen LeistungsfĂ€higkeit (Elektromotor und Batterie) unterscheidet man zwischen Micro-, Mild- und Full-Hybrid. Der Aufwand wĂ€chst mit dem Grad der Elektrifizierung, die Verbrauchsvorteile steigen jedoch nicht im gleichen Maße. Also mĂŒssen Full-Hybrid-Fahrzeuge im Sinne des „besseren“ Systems noch weitere Vorteile aufweisen als die Micro- und Mildhybride.

Bremsenergie nutzen
An erster Stelle der Vorteile steht die Möglichkeit der BremsenergierĂŒckgewinnung. Die Bewegungsenergie des Fahrzeugs, die beim Verzögern an den Bremsen normalerweise in nicht mehr nutzbare WĂ€rmeenergie umgewandelt wird, kann im Hybridfahrzeug mit Hilfe der als Generator betriebenen elektrischen Maschine in Strom gewandelt und in den mitgefĂŒhrten Batterien gespeichert werden. Anschließend wird diese elektrische Energie zum Beschleunigen des Fahrzeugs genutzt. Da Energieumsetzungen immer auch mit Verlusten einhergehen, kann jedoch nur ein kleiner Teil wiedergewonnen werden. Bezogen auf den Neuen EuropĂ€ischen Fahrzyklus NEFZ ergibt sich durch die BremsenergierĂŒckgewinnung ein Verbrauchsvorteil von etwa 5 Prozent.

Verbrennungsmotor ausschalten
Der zweite große Vorteil eines Hybridantriebs besteht in der Vermeidung des verbrennungsmotorischen Leerlaufbetriebs. Auch hier sind im NEFZ Verbrauchsvorteile von etwa 5 Prozent möglich. Allerdings ist eine Motorabschaltung in Stillstandszeiten auch im konventionell angetriebenen Fahrzeug machbar, eine entsprechende Auslegung von Starter und Starterbatterie vorausgesetzt. Es bleibt jedoch der Vorteil des schnellen und komfortablen Hochlaufs des Verbrennungsmotors – möglich durch die leistungsfĂ€hige Elektromaschine.

UngĂŒnstige Lastbereiche vermeiden
Ein dritter Vorteil auf der Verbrauchsseite ist das elektrische oder elektrisch unterstĂŒtzte Fahren und damit die Vermeidung des verbrennungsmotorischen Betriebs in ungĂŒnstigen Lastbereichen. Dadurch ist auch ein Downsizing des Verbrennungsmotors möglich, der wegen der elektromotorischen UnterstĂŒtzung leistungsĂ€rmer als im konventionellen Antriebsstrang ausfallen kann. Allerdings ist die elektromotorische UnterstĂŒtzung von der endlichen BatteriekapazitĂ€t abhĂ€ngig. Der elektrische Antrieb ist daher nicht geeignet, den Verbrennungsmotor dauerhaft zu ergĂ€nzen, was beispielsweise bei langen Bergauffahrten mit HĂ€nger berĂŒcksichtigt werden muss. Die möglichen Kraftstoffeinsparungen beziffert man auch hier auf etwa 5 Prozent im NEFZ, so dass sich in der Summe die immer wieder propagierten bis zu 15 Prozent Verbrauchsvorteil des Hybriden gegenĂŒber dem konventionellen Antrieb ergeben.

Die genannten Zahlen sind natĂŒrlich nur grobe Richtwerte. Sie können in AbhĂ€ngigkeit vom betrachteten Fahrzeug, den verbauten Aggregaten, den Betriebsphilosophien und letztlich dem Einsatzzweck erheblich davon abweichen. In einer Veröffentlichung der TH Aachen [1] wurden die Kraftstoffverbrauchsvorteile eines hybridisierten Ottomotors im NEFZ mit 16 bis 27 Prozent angegeben.

Neue Anforderungen fĂŒr Entwickler
Bei der Entwicklung eines Hybridfahrzeugs ist es nicht damit getan, ein paar elektrische Komponenten hinzuzufĂŒgen. TatsĂ€chlich sieht sich die die Automobilindustrie teilweise völlig neuen Herausforderungen gegenĂŒber [2], die vielen Außenstehenden nicht bekannt sind. Das beginnt bei der Integration von Bauteilen wie Elektromotoren und Energiespeicher, die im Automobil bisher nicht angewendet wurden, geht ĂŒber die Vernetzung zusĂ€tzlicher Steuerungseinheiten bis hin zu Sicherheitskonzepten, die vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitet werden mĂŒssen. Vor allem der Umgang mit Spannungen von mehreren hundert Volt ist ein Novum, das die Entwickler, aber auch spĂ€ter die WerkstĂ€tten, beherrschen mĂŒssen. Schließlich ist die Entsorgung oder die Wiederaufbereitung und Wiederverwendung der neu hinzugekommenen Bauteile zu lösen.

Die Hybridentwicklung betrifft das gesamte Fahrzeug. Dabei wird in Zukunft erschwerend hinzukommen, dass derselbe Fahrzeugtyp wahlweise mit einem konventionellen oder hybriden Antrieb ausgestattet wird. Das Hybridfahrzeug als eigenstÀndige Fahrzeugkategorie wie der Toyota Prius wird eher die Ausnahme bleiben.

Packaging – verĂ€nderte BaurĂ€ume im Hybridfahrzeug
Im Motorraum, in dem es in modernen Fahrzeugen bereits Ă€ußerst eng zugeht, mĂŒssen der Elektromotor, etwaige SteuergerĂ€te und gegebenenfalls ein zweiter KĂŒhlkreislauf untergebracht werden – denn auch die hinzugekommenen elektrischen Komponenten geben zum Teil erheblich WĂ€rme ab. Hinzu kommt der Platzbedarf fĂŒr die LeitungsfĂŒhrung und Steckkontakte, die wasserdicht und EMV-sicher sein mĂŒssen. Den grĂ¶ĂŸten zusĂ€tzlichen Raum nimmt in jedem Fall die elektrische Speichereinheit ein. Eine EinschrĂ€nkung des Fahrgast- und GepĂ€ckraums kann in Serienfahrzeugen nicht hingenommen werden. Daher mĂŒssen die Entwickler den Raum fĂŒr die Komponenten bereits in der Auslegung des Fahrzeugs berĂŒcksichtigen, was auch fĂŒr die Wartbarkeit und schnelle Austauschbarkeit dieser Module gilt.

Die Komponenten des elektrischen Antriebs haben auch ein nicht zu unterschĂ€tzendes Gewicht, das in einem Vollhybrid ohne Weiteres 200 kg betragen kann. Dadurch Ă€ndert sich nicht nur die zulĂ€ssige Nutzlast, sondern unter UmstĂ€nden auch das Fahrverhalten und das Handling des Fahrzeugs, besonders dann, wenn es nicht gelingt, das Speicherpaket möglichst tief und nahe am Fahrzeugschwerpunkt zu positionieren. Dass zusĂ€tzliches Gewicht grundsĂ€tzlich auch einen Kraftstoffmehrverbrauch, geringere AgilitĂ€t und SpontaneitĂ€t mit sich bringt, leuchtet jedem ein. Der Hybridantrieb tritt also auch hier mit einem Nachteil an, den er durch grĂ¶ĂŸere Effizienz und die LeistungsfĂ€higkeit des elektrischen Antriebs kompensieren muss.

Komfort und GerÀusch unter neuen Vorzeichen
Die Kunst des Fahrzeugentwicklers besteht darin, den Fahrzeuginsassen unabhĂ€ngig davon, ob elektrisch oder verbrennungsmotorisch gefahren wird, einen einheitlichen Eindruck zu vermitteln. Im E-Motor-Modus ist wegen des geringeren GerĂ€uschpegels des Antriebs mit akustischen AuffĂ€lligkeiten zu rechnen. So ergeben sich hochfrequente Verzahnungs-Anregungen des Getriebes, verursacht durch die KörperschallĂŒbertragung ĂŒber die Aggregatlager, die zu einer vermehrten Schallabstrahlung des Getriebes fĂŒhren. Auch WindgerĂ€usche, AbrollgerĂ€usche der Reifen, FahrwerksgerĂ€usche sowie GerĂ€usche der Nebenaggregate, der Leistungselektronik und deren KĂŒhlung werden stĂ€rker als sonst wahrgenommen.

Im Verbrennungsmotor-Modus ist mit schwingungsbedingten Problemen zu rechnen, die aus der Übertragung der Motorschwingungen durch zusĂ€tzliche KörperschallbrĂŒcken der relativ massiven Elektrokabel entstehen. Im Hybridfahrzeug wird es grĂ¶ĂŸere Schwingwege an den Aggregatlagern durch einen lĂ€ngeren und schwereren Antriebsstrang geben. Bei der Betriebsartenumschaltung zwischen E-Motor- und Verbrennungsmotor-Modus ist es notwendig, die StĂ¶ĂŸe durch KupplungsvorgĂ€nge zu bedĂ€mpfen sowie die Start- und AbschaltvorgĂ€nge des Verbrennungsmotors komfortabel auszulegen.

VerÀndertes Crashverhalten
Das Crashverhalten des Fahrzeugs verĂ€ndert sich erheblich mit einer Änderung der Schwerpunktlage. Je nach Anordnung muss das Batteriepack bei einem Seitenaufprall oder auch einem Heckcrash einen Teil der Aufprallenergie aufnehmen. Dies fĂ€llt umso mehr ins Gewicht, wenn die Bewegungsenergie durch das Zusatzgewicht nicht mehr durch ein Herumschleudern des Fahrzeugs abgebaut werden kann. Im Hinblick auf einen Frontalaufprall muss die Batterie so in das Fahrzeug integriert werden, dass die nach vorn drĂ€ngende Batteriemasse weder fĂŒr die Insassen noch fĂŒr die Umgebung eine GefĂ€hrdung darstellt. Eine Zerstörung der Batterie sollte unter allen UmstĂ€nden vermieden werden, es darf bei einem Crash kein Gas austreten und etwaiges Löschwasser darf nicht unter Spannung geraten. Somit muss auch fĂŒr eine sichere Abschaltung aller EnergietrĂ€ger gesorgt werden, und es dĂŒrfen keine spannungsfĂŒhrenden Teile freiliegen.

Nichts fĂŒr Hobbybastler
Sicherheit ist jedoch nicht nur im Falle eines Fahrzeugcrashs, sondern auch im normalen Betrieb erforderlich. Die Batterie sollte so eingebaut werden, dass der Bereich gegen FlĂŒssigkeiten aus dem Innenraum oder dem Fahrzeugumfeld abgedichtet ist. Eine besondere Anforderung kann hier die vorgeschriebene Wattiefe des Fahrzeugs sein. Das BatteriegehĂ€use muss so ausgefĂŒhrt sein, dass der Betreiber des Fahrzeugs, auch und gerade der „Hobbybastler“, nicht mit elektrischen Teilen, in Kontakt gerĂ€t – vor allem im Hochvoltbereich. Auch fĂŒr den Ausfall des elektrischen Systems muss vorgesorgt werden. DafĂŒr mĂŒssen Funktionen in der Fahrzeugsteuerung hinterlegt sein, die entscheiden, ob das Fahrzeug stillgelegt werden muss oder ob es im Notlauf bis zur Werkstatt bewegt werden kann. Der elektrische Antrieb stellt ohnehin ein wesentliches Sicherheitsrisiko des Hybridantriebs dar. Anders als der Verbrennungsmotor ist er unmittelbar nach Inbetriebnahme des elektrischen Netzes voll funktionsfĂ€hig. Zudem arbeitet er praktisch gerĂ€uschlos.

Neue Anforderungen fĂŒr Verbrennungsmotoren
FĂŒr bestmögliche Performance des Gesamtantriebs genĂŒgt es nicht, den unverĂ€nderten Verbrennungsmotor eines konventionellen Antriebs zu verwenden. Mit dem zweiten Energiewandler im Antriebsstrang kann der Verbrennungsmotor kleiner (Downsizing) oder auch nur einfacher konzipiert sein, denn er muss nicht mehr allein den gesamten Betriebsbereich möglichst effizient bedienen.

Wenn man den Weg der Hybridisierung konsequent geht, entfallen sĂ€mtliche Nebenaggregate, die bisher per Riemen vor dem Motor durch die Kurbelwelle angetrieben werden. Die Kurbelwelle ist dadurch entlastet, wĂ€hrend beim „Einwellenhybrid“ am anderen Ende mit der E-Maschine eine zusĂ€tzliche Belastung hinzukommt. Dies macht eine grundsĂ€tzliche Neuauslegung und versuchstechnische Absicherung aller angetriebenen Aggregate nötig, einschließlich Kurbelwelle und Nockenwellen.

Trotz Arbeitsteilung – höhere Lasten fĂŒr den Verbrennungsmotor
Ein Verbrennungsmotor in einem „idealen“ Hybridantrieb wird durch höhere Lasten gekennzeichnet sein, da er in diesen Bereichen effizienter arbeitet. Man kann davon auszugehen, dass diese Betriebsweise die Lebensdauer und das Verschleißverhalten beeinflusst. Möglicherweise mĂŒssen spezielle Motorenöle fĂŒr diese Einsatzspezifikation entwickelt werden. Die Konzentration auf hohe Lastbereiche bietet andererseits die Chance, den Verbrennungsmotor konsequent darauf zu optimieren. Die negativen Auswirkungen in Form einer Verschlechterung des Teillastwirkungsgrades sind durch die Kombination mit dem elektrischen Energiewandler dann nicht mehr relevant.

Der Motor kann einfacher konstruiert werden
In dieselbe Richtung zielen Maßnahmen zur Vereinfachung des Verbrennungsmotors. Bauteile wie Nockenwellensteller und Saugrohrumschaltung, die fĂŒr einen guten Teillastwirkungsgrad sorgen, könnten entfallen. Ein weiterer Ansatz zur Optimierung des Gesamtaggregats ist eine zeitweilige Zylinderabschaltung. Die geringere Dynamik kann in diesem Fall zusĂ€tzlich zur UnterstĂŒtzung durch die E-Maschine mit einem Abgasturbolader gesteigert werden, der elektrisch unterstĂŒtzt wird.

Eine besondere Beachtung erfordert die Auslegung des Abgasnachbehandlungssystems. Ohne Gegenmaßnahmen kommt es nach lĂ€ngerem Fahren im E-Modus zur AuskĂŒhlung des Katalysators, sodass die Abgasreinigung nicht mehr einwandfrei funktioniert. Eine Möglichkeit, dies zu verhindern, wĂ€re die RĂŒckbesinnung auf einen elektrisch beheizten Katalysator, der sich im konventionellen Fahrzeug wegen des hohen Stromverbrauchs nicht durchsetzen konnte. Mit den weitaus grĂ¶ĂŸeren Stromreserven eines Hybridfahrzeugs kommt diese Technik wieder in Frage. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass der Nutzen in einem gesunden VerhĂ€ltnis zum (Energie-) Aufwand stehen muss.

Der Hybrid braucht speziell konzipierte Getriebe
Wenn der Elektromotor nicht integraler Bestandteil des Getriebes ist, wie zum Beispiel beim Toyota Prius, wird man zunĂ€chst meist nur geringfĂŒgig modifizierte Standardgetriebe einsetzen. In Zukunft werden jedoch vermehrt speziell konzipierte Getriebe auf den Markt kommen, die in der Regel kein Anfahrelement mehr enthalten, möglicherweise eine geringere Spreizung und weniger Schaltstufen haben und auf den RĂŒckwĂ€rtsgang verzichten. Getriebehersteller können dadurch eine neue Rolle als Modullieferanten von E-Motor und Getriebe spielen.

Der Getriebetyp kann ebenso ein Stirnradgetriebe in Ein- oder Zweikupplungsbauweise sein wie ein Planetengetriebe. Vorzugsweise sollte das Getriebe automatisiert sein, da nur so, in Verbindung mit einer elektronischen Steuerung, das komplizierte Zusammenspiel der zwei Antriebseinheiten und damit die volle LeistungsfÀhigkeit des Antriebs dargestellt werden kann.

Hybridfahrzeuge von allen Automarken
Noch bieten vor allem japanische Unternehmen Hybridfahrzeuge an. Doch die gesamte Automobilindustrie arbeitet intensiv an der Entwicklung von Serienlösungen. In den kommenden Jahren werden alle Automarken mit Hybridfahrzeugen auf dem Markt vertreten sein. Die Full-Hybrid-Versionen sind in der Regel den großen Limousinen und SUVs vorbehalten, wĂ€hrend die kleineren Fahrzeuge mit Micro- oder Mild-Hybrid-Lösungen starten werden.

Der Otto-Hybrid wird schon aus KostengrĂŒnden die vorherrschende Variante sein. Insbesondere im US-amerikanischen Markt, wo gleichzeitig und durchaus konkurrierend die EinfĂŒhrung von Diesel-Pkw beginnt, ist in absehbarer Zeit mit einem Dieselhybrid nicht zu rechnen. Anders in Europa: Hier arbeiten Automobilfirmen ernsthaft an der Entwicklung von Dieselhybridfahrzeugen [3, 4, 5].

Über die zu erwartenden StĂŒckzahlen fĂŒr die nĂ€chsten Jahre liegen keine verlĂ€sslichen Daten vor. Die Automobilhersteller antworten sehr zögerlich und sprechen davon, alle Szenarien von einer Randerscheinung bis hin zu einer Marktdurchdringung von 50 Prozent zu betrachten. Etwas konkreter wurde Prof. Ferdinand Dudenhöffer [6]: Er prognostiziert fĂŒr den US-amerikanischen Markt 3,0 Mio. Hybridfahrzeuge im Jahre 2015, was einem Marktanteil von annĂ€hernd 18 Prozent entspricht.

Schritte in die richtige Richtung
Der Hybridantrieb ist sicher nicht die einzige Lösung der durch Kraftfahrzeuge verursachten Umweltprobleme. Er ist aber vielleicht der erste Schritt in eine neue Richtung. Der Elektroantrieb wird in ferner Zukunft sicher eine grĂ¶ĂŸere Rolle spielen, wenn die Brennstoffzelle die grĂ¶ĂŸte SchwĂ€che der heutigen Elektrofahrzeuge, den Energiespeicher, weitgehend ersetzt. Bis dahin wird man mit den heutigen und zukĂŒnftigen Hybridfahrzeugen so viel Erfahrung gesammelt haben, dass die benötigten elektrischen Bauteile im „Automobil-Standard“ vorliegen und auch der Umgang mit hohen Spannungen kein unlösbares Problem mehr ist.

Doch auch bis dahin können die Hybridfahrzeuge einen Beitrag fĂŒr umweltschonenderes Autofahren leisten. Richtig ausgefĂŒhrt haben sie einen Verbrauchsvorteil gegenĂŒber dem konventionellen Fahrzeug, der in Anbetracht stĂ€ndig steigender Kraftstoffpreise und schĂ€rferer CO2-Anforderungen immer entscheidender wird. Die Hybridtechnik ist keine Konkurrenz fĂŒr den Verbrennungsmotor, sie fordert jedoch neue AnsĂ€tze und neue Wege in seiner Entwicklung. Die Hybridtechnik macht den Weg frei fĂŒr mehr Elektrifizierung im Auto. Auch das nahezu konventionell motorisierte Fahrzeug profitiert mit einem hocheffizienten Generator und einer weiterentwickelten Starterbatterie von den Fortschritten der Hybridentwicklung.

Ein guter Hybrid braucht Zeit
Eine Hybridisierung verĂ€ndert die gesamte Fahrzeugentwicklung, weil sie in vielen Details Änderungen und Anpassungen am Fahrzeug erfordert. Ein neues Hybridfahrzeug wird die Kunden auf lĂ€ngere Sicht nur ĂŒberzeugen können, wenn die technischen Anforderungen und Möglichkeiten kompromisslos umgesetzt werden – und das kostet Zeit. So lĂ€sst sich der Vorsprung von Toyota erklĂ€ren, aber auch die scheinbare Zögerlichkeit der EuropĂ€er. Ein Hybridfahrzeug lĂ€sst sich nicht schnell nebenher entwickeln – umso spannender ist es, welche Hybridkonzepte von europĂ€ischen Herstellern zu erwarten sind.

Literatur
[1] Pischinger, S. et al: Optimierte Auslegung von Ottomotoren in Hybrid-AntriebsstrÀngen. In: MTZ 7-8/2007
[2] Voß, B. et al: Anforderungen an die Serienentwicklung von Hybridfahrzeugen. In: ATZ 6/2006 und 7-8/2006
[3] Predelli, O. et al: Auslegung von Dieselmotorsteuerungen in Pkw-Hybridantrieben. Tagung „Hybridfahrzeuge und Energiemanagement“. Braunschweig, 14. und 15.02.2007
[4] Blumenröder, K. et al: Dieselmotor und Hybrid: Widerspruch oder sinnvolle Alternative? 28. Internationales Wiener Motorensymposium. 26. – 27. April 2007
[5] Nietschke, W: Interview: Kommt der Diesel-Hybrid? [3] In: heise Autos, Juni 2007
[6] Dudenhöffer, F.: Die Marktentwicklung von Hybrid-Fahrzeugkonzepten. In: ATZ 04/2005

(Dr. Burghard Voß, IAV GmbH) (ggo [4])


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[3] http://www.heise.de/autos/artikel/s/4032/0
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