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Windows-API-Nachbau Wine 4.0 unterstützt Direct3D 12 und Vulkan

Matthias Parbel
Wine 3.0 bringt Unterstützung für Direct3D 11 auf Linux

(Bild: Pixabay)

Mit Wine lassen sich Windows-Programme auf Linux, macOS und Android ausführen und in der neuen Version 4.0 auch mit HID Game Controllern steuern.

Als Windows-Kompatibilitäts-Layer für Linux, macOS und Android beherrscht Wine 4.0 offiziell Direct3D 12 und unterstützt die neuesten Vulkan Graphics APIs. Seit Veröffentlichung des letzten Major Release Wine 3.0 [1] ist rund ein Jahr vergangen, in dem die Macher von Wine nach eigener Aussage über 6000 Fehlerbereinigungen, Verbesserungen und neue Funktion in den Kompatibilitäts-Layer eingearbeitet haben. Neben der erweiterten Grafikschnittstellenunterstützung schließen die Neuerungen auch Game Controller sowie High-DPI unter Android ein.

Die initiale Einbindung von Direct3D 12 erfolgt über die vkd3d-Library und setzt eine Vulkan-kompatible Grafikkarte voraus. Die Funktion Multi-Threaded Command Stream ist nun standardmäßig aktiviert und OpenGL Core Contexts kommen automatisch zum Einsatz, sofern sie verfügbar sind. Während sie in früheren Wine-Versionen auf AMD- und Intel-Grafikkarten sowie Direct3D 10 und 11 beschränkt blieben, lassen sie sich ab Wine 4.0 sowohl mit beliebigen Grafikkarten wie auch sämtlichen Direct3D-Versionen vor D3D 12 nutzen. Darüber hinaus haben die Wine-Entwickler den verfügbaren Funktionsumfang von Direct3D 10 und 11 erweitert – unter anderen um Multi-sample Textures und Views, Per-sample Fragment Shading sowie Unterstützung für 1D-Texturen.

Via XInput und die Raw Input APIs unterstützt Wine nun auch HID Game Controller. Für den Einsatz von SDL Game Controllern haben die Macher hinter dem Windows-Kompatibilitäts-Layer zudem einen SDL-Treiber ergänzt, der sich über das HID-Interface einbinden lässt. Für die erweiterte Grafikunterstützung ab Android 8 steht eine neue Version der Graphics Buffer Allocator API zur Verfügung. Das Setzen des Mauszeigers via API ist nun ab Android 7 möglich.

Die Verbesserungen der Entwicklerwerkzeuge in Wine 4.0 betreffen vor allem winegcc. Damit lassen sich nun auch native Subsystem Libraries bauen. Außerdem verwendet winegcc eine optimierte Heuristik, um das passende Lib-Verzeichnisse für eine 32/64-Bit-Cross-Kompilierung zu finden. Mit winedgb können Entwickler jetzt auch Prozesse des Windows-Subsystems WOW64 (Windows-On-Windows 64-bit) debuggen. Mit der Option -mfpu lässt sich in winebuild die FPU-Architektur auf ARM-Plattformen spezifizieren.

Eine vollständige Liste aller weiteren Änderungen in Wine 4.0 findet sich im Changelog auf der Projektseite [2] der Entwickler. Der Sourcecode steht bereits zum Download bereit [3], Binary Packages sind laut Ankündigung in Vorbereitung. (map [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4285410

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Wine-3-0-bringt-Unterstuetzung-fuer-Direct3D-11-auf-Linux-3946957.html
[2] https://www.winehq.org/announce/4.0
[3] https://dl.winehq.org/wine/source/4.0/wine-4.0.tar.xz
[4] mailto:map@ix.de