Wieder schlechte Nachrichten von Ericsson
Der Telekommunikations- und NetzwerkausrĂŒster enttĂ€uscht die Investoren erneut: Man sehe sich auch im kommenden Jahr mit den gleichen Bedingungen auf dem Netzwerkmarkt konfrontiert, die das Unternehmen zu seiner verhalteneren EinschĂ€tzung bewogen habe.
Der Telekommunikations- und NetzwerkausrĂŒster Ericsson [1] hat die Investoren erneut enttĂ€uscht. Bereits Mitte Oktober hatte Ericsson mit einer Gewinnwarnung die Börse schockiert [2], anschlieĂend Ende Oktober fĂŒr das dritte Quartal tatsĂ€chlich einen GewinnrĂŒckgang um 36 Prozent gemeldet und den Finanzvorstand ausgetauscht [3]. Nach diesen schwachen Zahlen fĂŒr das dritte GeschĂ€ftsqquartal erwarten die Schweden im laufenden vierten Quartal lediglich einen Umsatz am unteren Ende der bisherigen Prognose. Bei der Vorlage der Zahlen fĂŒr das dritte Quartal hatte sich Ericsson noch positiv gestimmt gegeben, seine Prognose fĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr bekrĂ€ftigt und verkĂŒndet, der Markt fĂŒr mobile Infrastruktur solle um rund fĂŒnf Prozent wachsen.
Nun möchte Ericsson sich fĂŒr das laufende Quartal nicht mehr ganz so zuversichtlich zeigen, auĂerdem sehe man sich auch im kommenden Jahr mit den gleichen Bedingungen auf dem Netzwerkmarkt konfrontiert, die das Unternehmen zu seiner verhalteneren EinschĂ€tzung bewogen habe. Neben politischen UnwĂ€gbarkeiten in einigen SchwellenlĂ€ndern verschĂ€rfe sich auch die Marktsituation in Europa und den USA, geht aus einer am Dienstag veröffentlichten AnalystenprĂ€sentation [4] (PDF-Datei) hervor. DarĂŒber hinaus belaste der schwache Dollar das GeschĂ€ft. Bisher hatte das schwedische Unternehmen mit einem Quartalsumsatz zwischen 53 und 60 Milliarden Schwedischen Kronen (umgerechnet 5,7 bis 6,5 Milliarden Euro) gerechnet. Die operative Marge sollte bei um die 15 Prozent liegen, zumindest daran hĂ€lt das Unternehmen auch weiter fest. FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte 2008 stellte Unternehmenschef Carl-Henric Svanberg eine Erhöhung in Aussicht.
Svanberg hatte bislang die schwache Entwicklung mit weniger AuftrĂ€gen in den SchlĂŒsselmĂ€rkten Westeuropa, China und Nordamerika und schlechter als erwartet laufende GeschĂ€fte mit Erweiterungen bestehender Netzwerke begrĂŒndet. Besonders in diesem Bereich aber sind die Gewinnmargen besonders hoch. Bei der Installation neuer Netzwerke tobt dagegen ein heftiger Konkurrenzkampf, da die Auftragsvergabe fĂŒr neue Infrastruktur eines Fest- oder Mobilfunknetzes als Basis fĂŒr kĂŒnftige lukrative GeschĂ€fte bei Wartung, AufrĂŒstung und Ausbau des jeweiligen Netzes gesehen wird. Dieser harte Wettbewerb drĂŒckt die Preise und die Gewinne der AusrĂŒster bei Neuinstallationen.
Nach den schlechten GeschĂ€ftszahlen fĂŒr das dritte Quartal war der Kurs der Ericsson-Aktie um rund ein Drittel eingebrochen. Mit den Kursverlusten vom gestrigen Dienstag bĂŒĂte Ericsson seit Mitte Oktober knapp 40 Prozent seines Börsenwertes oder rund 160 Milliarden schwedische Kronen (17 Milliarden Euro) ein. Am heutigen Mittwoch sackte der Kurs der Ericsson-Aktie an den Börsen in Frankfurt und Stockholm weiter ab. Analysten hatten laut dpa im Oktober nicht nur von einer verklausulierten Gewinnwarnung fĂŒr das kommende Jahr, sondern auch von einem Vertrauensverlust fĂŒr das Management gesprochen. Denn noch kurz zuvor hatte Svanberg von einem "guten" Quartalsverlauf gesprochen. Ein Analyst hatte mindestens Dummheit, wenn nicht gar bösen Willen unterstellt. (jk [5])
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[2] https://www.heise.de/news/Ericsson-warnt-vor-schlechter-als-erwartet-laufenden-Geschaeften-185417.html
[3] https://www.heise.de/news/Ericsson-beruft-nach-Gewinneinbruch-neuen-Finanzvorstand-189094.html
[4] http://www.ericsson.com/ericsson/investors/events/2007/doc/management_briefing_nov20.pdf
[5] mailto:jk@heise.de
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