zurück zum Artikel

Rahmenlos

Florian Pillau
Mit einem komplett neuen Outfit und ohne Rahmen geht der Range Rover Sport in eine neue Ära.

Die ersten Meter im neuen Range Rover Sport verlaufen ausgesprochen spektakulär, aber im Schrittempo: Wir furten wir einen tiefen Bach und staunen, hätten wir doch solche Fähigkeiten vielleicht einem Defender zugetraut - nicht aber dem lifestyligen Luxusprodukt Range Rover Sport

Eastnor Castle (Großbritannien), 3. Juli 2013 – Die ersten Meter im neuen Range Rover Sport verlaufen ausgesprochen spektakulär, aber im Schrittempo. Auf Land Rovers legendärem Testgelände Eastnor Castle furten wir einen tiefen Bach. Eine Schafherde sieht uns dabei ziemlich gelangweilt zu. Wir dagegen staunen, hätten solche Fähigkeiten vielleicht einem Defender zugetraut - nicht aber dem lifestyligen Luxusprodukt Range Rover Sport. Wie wir sehen, gehört zum Glück auch heute noch ein Mindestmaß an Geländefähigkeit nach wie vor zum gut gepflegten Markenkern von Land Rover.

2005 wurde dem Range Rover der etwas zierlicher aussehende, aber bleischwere "Sport" an die Seite gestellt, 380.000 Fahrzeuge wurden bislang weltweit verkauft. Bisher war er eine Version des fast schon unerklärlich übergewichtigen Land Rover Discovery, ab jetzt ist seine technische Basis der Range Rover mit selbsttragender Aluminium-Karosserie. Der Verzicht auf den stählernen Leiterrahmen und der Leichtbau sollen bis zu 400 Kilogramm sparen. Absolut betrachtet ist das viel, in Geländewagen-Dimensionen ist es relativ wenig: Der neue Range Rover Sport wiegt immer noch über 2,1 Tonnen. Unterschätzen sollte man es aber auch nicht, denn beim ernstaften Geländefahren zählt - wie überall im Motorsport - jedes eingesparte Kilo.

Rahmenlos (0 Bilder) [1]

[2]

Laut Hersteller bleibt der "Sport" trotz gleicher technischer Basis eigenständig genug, drei Viertel seiner Bauteile sollen sich von denen des Range Rover unterscheiden. Dennoch müssen wir zweimal hinschauen, um beide Modelle auseinander zu halten. Der Range Rover Sport ist zwar 15 Zentimeter kürzer und fünf Zentimeter niedriger als der klassische Range. Keine Unterschiede gibt es aber bei Breite (1,98 Meter) und Radstand (2,92 Meter). Weitere Erkennungsmerkmale sind die Rückleuchten und die leicht protzig wirkenden Luftauslässe in der Motorhaube.

Steile Fensterflächen bieten gute Sicht, wie es sich zum Geländefahren gehört und viel Platz über der Frisur. Raum ist mehr als genug, auf Wunsch baut Land Rover eine versenkbare dritte Sitzreihe ein, weist aber darauf hin, dass sie eher für Kinder und Jugendliche geeignet ist. Der Acht-Zoll-Touchscreen ist serienmäßig, nicht aber das Display hinter dem Lenkrad, welches analoge Instrumente simuliert und zugleich Informationen wie die Navigation großformatig anzeigt. Auf der extrem breiten Mittelkonsole thront ein normaler Automatikwählhebel.

Alles Weitere ist aus dem "großen" Range bekannt: Die üppige Ledertapezierung sorgt gemeinsam mit Metall-Applikationen für ein sehr edles Ambiente, eine Steigerung zum nicht gerade spartanisch ausgestatteten Vorgänger.

Freunde des Selbstzünders können unter zwei Leistungsvarianten eines Dreiliter-V6 wählen. Der starke Diesel leistet 292 PS, 258 der schwächere. Ein Unterschied für den Stammtisch, denn beide Motoren bieten ein Drehmoment von 600 Nm. Die Achtgang-Wandlerautomatik hat den Selbstzünder sanft aber kontrolliert im Griff, für die leichte Anfahrgedenksekunde kann sie nichts. Beinahe Sportwagenqualitäten zeigt die Version mit Fünf-Liter-Kompressor-V8: Fauchend und grollend schiebt der Motor den Sport in nur 5,3 Sekunden auf Tempo 100, bei 250 km/h wird abgeregelt. Das 510 PS starke Aggregat ist das gleiche wie im Jaguar F-Type. Der Blick auf den Verbrauch zeigt aber, das dieser Sport-Range eher ein Fall für Scheichs oder Profifußballer ist. Innerorts werden bereits laut Prospekt saftige 18,3 Liter fällig.

Angesichts der adaptiven Fahrwerkssteuerung mit stufenlos verstellbaren Dämpfern und des hohen Komforts beim Vorgänger verwundert das straffe Abrollverhalten. Schlaglöcher werden unangenehm trocken an die Insassen übermittelt. Aber das ist wohl der Preis für die Fahrdynamik auf der Straße: Durchaus beeindruckend wendig nimmt das 2,1-Tonnen-Gefährt die Kurven, und auch die Wankneigungskontrolle macht ihre Arbeit sehr gut.

Schon ab Werk sind diverse Offroad-Features an Bord, natürlich ein permanenter Allradantrieb, aber auch eine automatische Niveauregulierung und eine Bergabfahrhilfe. Das Verteilergetriebe bringt per Planetenradsatz die Kraft im fahrdynamisch-asymmetrischen Verhältnis 42 zu 58 an die Vorder- und Hinterachse.In Verbindung mit dem weit gespreizten Getriebe und dem Wandler mit etwa dreifacher Drehmomentüberhöhung kann der Sport damit schon besser klettern als die meisten Kunden sich trauen würden.

Ernsthaft geländetauglich macht ihn für 4300 Euro Aufpreis das so genannte "On-/Offroadpaket". Es umfasst ein zweistufiges Verteilergetriebe und eine elektronisch gesteuerte hintere Differenzialsperre. Als Erstes legen wir das Fahrzeug per Knopfdruck höher, die Offroad-Bodenfreiheit beträgt sehr gute 26,5 Zentimeter, die Böschungswinkel vorne und hinten liegen jeweils bei 31 Grad. Dann aktivieren wir die Geländeübersetzung und wählen per Drehknopf das zum Gelände passende Programm für die Traktionskontrolle.

So konfiguriert, steigt manmit dem Auto mühelos Steilhänge hinauf und klettert von dort wieder hinab. Nur die enorme Breite verlangt kundiges Rangieren, der einzige Schwachpunkt für den Range Rover Sport im Gelände. Absolut zu empfehlen ist daher das optionale Rundum-Kamerasystem, welches uns anzeigt, wie viel Platz links und rechts noch bleibt.

Auf dem Monitor in der Mittelkonsole stellt eine 4x4-Ansicht den Einschlag der Räder und die Verschränkung der Achsen dar. Sie beträgt trotz Einzelradaufhängung übrigens beeindruckende 54,6 Zentimeter, was dank der überkreuz vernetzten Luftfedern auch richtig in Traktion umgesetzt werden kann, weil jedes Rad noch lange Kraft übertragen kann, bevor es zu stark entlastet wird. Das ist die wichtigste technische Alleinstellung gegenüber anderen Geländewagen. Auch auf dem Bildschirm angezeigt wird, welches Differenzial wann gesperrt wird - falls es denn überhaupt nötig wird.

Gar nicht mehr so absurd finden wir angesichts der enormen Geländegängigkeit die aufpreispflichtigen Sensoren in den Außenspiegeln für die Wassertiefe. Sie zeigen auf dem Monitor, ob die phänomenale Wattiefe von 85 Zentimeter erreicht ist. Einziger Kritikpunkt: Die serienmäßigen, viel zu großen 20-Zoll-Felgen. Sie erzwingen eine fürs Gelände zu geringe Flankenhöhe der Reifen und schränken die Auswahl unter verschiedenen Geländereifentypen ein. Wir hoffen daher, dass der Zubehörmarkt bald Alternativen schaffen wird.

Am 20. September 2013 rollt der neue Range Rover Sport zu den Händlern. Die Preise beginnen bei 59.600 Euro, der SDV6 genannte Diesel mit 292 PS kostet mindestens 69.500 Euro. Zum Vergleich: Der große Range Rover startet mit dem 258-PS-Selbstzünder bei 89.100 Euro. Basisausführung des SDV6 ist die SE-Version. Hier sind Ledersitze, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und ein Navigationssystem mit Festplatte inklusive. Doch die Aufpreisliste ist üppig: 22-Zoll-Alufelgen, Holzdekor, ein Soundsystem mit 23 Lautsprechern, ein Einparkassistent oder Vierzonen-Klimaregelung stehen unter anderem zur Wahl.

Echte Konkurrenz kennt der Range Rover nicht - kein anderes Fahrzeug in seiner Klasse kann nur annähernd das Gleiche, kein Wettbewerber ist auch nur ansatzweise so distinguiert. Aber bitte: Der neue BMW X5 xDrive40d mit 313 PS startet Ende 2013 bei 65.800 Euro, ein Porsche Cayenne Diesel mit "nur" 245 PS kostet mindestens 61.976 Euro.

Bis zu den ersten Auslieferungen im September arbeiten die Briten am Verbrauch: Ende 2013 wird ein Diesel-Hybrid bestellbar sein, während sich der Vertrieb einen Vierzylinder-Diesel wünscht, um den Verbrauchsvorteil der Alu-Bauweise noch besser ausspielen zu können.

Modell Range Rover Sport 3.0 SDV6
Motorart Diesel mit Common-Rail-Einspritzung
Zylinder 6
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 2993
Leistung in PS 292
Leistung in kW 215
bei U/min 4000
Drehmoment in Nm 600
bei U/min 2000
Antrieb Allradantrieb permanent mit Mitteldifferenzial
Gänge 8
Getriebe Automatik
Spurweite vorn in mm 1690
Spurweite hinten in mm 1685
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung
Radaufhängung hinten Mehrlenker-Hinterachse
Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet
Bremsen hinten Scheiben innenbelüftet
Wendekreis in m 12,6
Räder, Reifen vorn 255/55 R20
Räder, Reifen hinten 255/55 R20
Lenkung elektromechanische Servolenkung
Böschungswinkel vorn in Grad 31 (Offroad-Niveau)
Böschungswinkel hinten in Grad 30,9 (Offroad-Niveau)
Rampenwinkel in Grad 24,6 (Offroad-Niveau)
Wattiefe in mm 850
Bodenfreiheit in mm 265 (Offroad-Niveau)
Länge in mm 4850
Breite in mm 1983
Höhe in mm 1780
Radstand in mm 2923
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 2115
Kofferraumvolumen in Liter 784
Anhängelast, gebremst in kg 3500
Dachlast in kg 100
Tankinhalt in Liter 77
Kraftstoffart Diesel
Höchstgeschwindigkeit in km/h 210
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 7,2
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 7,5
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 8,7
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 6,8
CO2-Emission in g/km 199
Schadstoffklasse Euro 5
Autonews Datenblatt-ID 34274
Lederausstattung Serie
Modell Range Rover Sport 3.0 SDV6 SE
Währung Euro
MP3 Serie
Automatikgetriebe Serie
LCD-Instrumentendisplay 700
zusätzliche Sitzreihe im Fond 1700
Wattiefen-Sensor 350
Surround-Kamerasystem 1220
Soundsystem mit 1.700 Watt und 23 Lautsprechern 6200 (ab HSE)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer)
HSE 75.200
HSE Dynamic 77.700
Autobiography Dynamic 88.700
HSE 75.200
HSE Dynamic 77.700
Autobiography Dynamic 88.700
Xenon-Scheinwerfer 1110
LCD-Instrumentendisplay 700
zusätzliche Sitzreihe im Fond 1700
Wattiefen-Sensor 350
Surround-Kamerasystem 1220
Soundsystem mit 1.700 Watt und 23 Lautsprechern 6200 (ab HSE)
Schiebedach 1900 (Panoramadach)
Kopfairbags hinten Serie
Tempomat Serie
Klimaautomatik Serie (Zwei-Zonen)
Navigationssystem Serie
Leichtmetallfelgen Serie (20 Zoll)
HSE 75.200
HSE Dynamic 77.700
Autobiography Dynamic 88.700
LCD-Instrumentendisplay 700
zusätzliche Sitzreihe im Fond 1700
Wattiefen-Sensor 350
Surround-Kamerasystem 1220
Soundsystem mit 1.700 Watt und 23 Lautsprechern 6200 (ab HSE)
Nebelscheinwerfer Serie
LCD-Instrumentendisplay 700
zusätzliche Sitzreihe im Fond 1700
Wattiefen-Sensor 350
Surround-Kamerasystem 1220
Soundsystem mit 1.700 Watt und 23 Lautsprechern 6200 (ab HSE)
Metallic-Lackierung 1100
LCD-Instrumentendisplay 700
zusätzliche Sitzreihe im Fond 1700
Wattiefen-Sensor 350
Surround-Kamerasystem 1220
Soundsystem mit 1.700 Watt und 23 Lautsprechern 6200 (ab HSE)
Grundpreis 69.500

(fpi [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1910611

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/bilderstrecke/4736884.html?back=1910611;back=1910611
[2] https://www.heise.de/bilderstrecke/4736884.html?back=1910611;back=1910611
[3] mailto:fpi@heise.de