EU-Verfahren gegen Apple: Erweiterte Beschwerde der Kommission erwartet
(Bild: Shutterstock/carballo)
Die EU-Kommission stört sich offenbar an weiteren App-Store-Regeln. Nach Ansicht der Wettbewerbsaufsicht benachteiligt Apple andere Musik-Streaming-Dienste.
Im Kartellverfahren gegen die App-Store-Regeln will die EU-Kommission einem Bericht zufolge weitere Vorwürfe gegen Apple erheben. Im Laufe der kommenden Wochen werde die Kommission zusätzliche Beschwerdepunkte wegen Wettbewerbsverzerrung bei Musik-Streaming an Apple übermitteln, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Montag unter Berufung auf eine informierte Person.
Unfairer Wettbewerb im App-Store
Eine Ergänzung der Vorwürfe in einem laufenden Verfahren deutet gewöhnlich darauf hin, dass die Kommission im Laufe der Untersuchung neue Beweise sammel konnte, wie Reuters erläutert [1]. Was für Beschwerdepunkte die Kommission vorbereitet, ist bisher nicht bekannt; weder die EU-Kommission noch Apple kommentierten den Bericht gegenüber der Nachrichtenagentur.
Die EU-Kommission hat Apple vor einem Jahr unfairen Wettbewerb vorgeworfen [2]: Der Konzern habe ein Monopol beim iPhone-App-Vertrieb [3] und nutze seine Machtposition, um Wettbewerber im Markt fĂĽr Musik-Streaming zu benachteiligen. Das Verfahren geht unter anderem auf eine Beschwerde des Streaming-MarktfĂĽhrers Spotify zurĂĽck.
Die Regulierer störten sich besonders an Apples Vorgabe, dass digitale Inhalte ausschließlich über Apples In-App-Kaufschnittstelle angeboten werden dürfen – und Apple so zugleich bis zu 30 Prozent Provision einbehält. Das sorge letztlich für höhere Preise, weil manche Anbieter die Provision an den Endkunden weitergeben.
Apple untersagt es App-Anbietern außerdem, auf günstigere Optionen zu verweisen, auch das wurde von der EU-Kommission bemängelt. Apple benachteilige so Musik-Dienste erheblich – zum Vorteil des eigenen Streaming-Dienstes.
Apple lockert manche Vorgaben
Bei einigen der beanstandeten Regeln ist Apple inzwischen bereits zurückgerudert: So dürfen App-Anbieter ihre Kunden etwa per E-Mail auf Aktionen hinweisen. Bestimmte Apps – darunter auch Spotify – dürfen bald erstmals einen Link zur Account-Verwaltung in ihre App integrieren [4]. Auch für die Integration externer Bezahldienste hat Apple bereits Schnittstellen vorbereitet, pocht dabei aber weiterhin auf eine Provision, die bei jedem Verkauf fällig wird.
Parallel laufen weitere Untersuchungen der EU-Kommission gegen Apple, unter anderem in Hinblick auf die abgeschottete NFC-Schnittstelle des iPhones. Mit dem Gesetz für digitale Märke (Digital Markets Act – DMA) wollen die Regulierer bestimmte Vorgaben für Gatekeeper gesetzlich verankern, Apple drohen damit einschneidende Änderungen für App Store und iOS.
(lbe [6])
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[1] https://www.reuters.com/technology/exclusive-eu-regulators-send-extra-antitrust-charge-apple-music-streaming-probe-2022-04-11/
[2] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-Apple-verzerrt-den-Wettbewerb-bei-Streaming-Abos-6033137.html
[3] https://www.heise.de/news/EU-Wettbewerbskommissarin-zum-App-Store-Apple-hat-ein-Monopol-6034713.html
[4] https://www.heise.de/news/Externer-Link-erlaubt-Apple-lockert-Vorgaben-fuer-Netflix-Co-minimal-6659030.html
[5] https://www.heise.de/mac-and-i
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