Wertverlust mit Ansage
In den USA kostet der Chevrolet Volt rund 41.000 Dollar, das ist selbst GM zu viel. Die zweite Generation könnte deutlich günstiger werden, wie ein GM-Sprecher in den US-Medien zitiert wird
- Gernot Goppelt
Hannover, 4. Februar 2011 – Seit Dezember 2010 wird der Chevrolet Volt verkauft und GM scheint bisher zufrieden mit den Ergebnissen zu sein. 326 Fahrzeuge im Dezember, 321 im Januar, das ist nicht schlecht für den Anfang, obwohl schon 2011 insgesamt 25.000 Exemplare des Range-Extender-Hybrids gebaut werden sollen, heißt es bei DailyTech.
Teuer wie zwei
Doch kaum da die ersten Volts bei ihren Kunden gelandet sind, wird GM-Sprecher Rob Peterson in den US-Medien mit der Aussage zitiert, der nächste Chevrolet Volt könnte 7500 Dollar billiger werden. Das aktuelle Modell kostet 41.000 Dollar (derzeit knapp 30.000 Euro) – ein Preisschild, das man in Nordamerika sonst nur bei europäischen Luxuslimousinen findet. Selbst die amerikanische Version des VW Passat, die seit einigen Tagen in Chattanooga gebaut wird und weit mehr Platz als der Volt zu bieten hat, ist in guter Ausstattung locker für unter 20.000 Dollar zu haben.
Wertverlust mit Ansage (4 Bilder)

Ausflug in die Berge sind wohl nicht die Domäne des Chevrolet Volt - mit seinem Range-Extender-Antrieb bleibt er aber wenigstens nicht liegen.
Was reitet einen Unternehmenssprecher, so offen zu sagen, dass das derzeitige Angebot eigentlich zu teuer ist? GM kann den Wagen derzeit noch nicht einmal in allen US-Staaten liefern, erst im vierten Quartal soll der Volt in allen 50 US-Staaten verfügbar sein – das heißt "schon", wenn es nach GM-Diktion geht, denn ursprünglich sei die volle Marktabdeckung erst ein halbes Jahr später geplant gewesen.
Aufwendige Technik
Die Preisgestaltung des Volt ist schwierig. Einerseits braucht GM hohe Stückzahlen, damit er sich rentiert, sollte man meinen. Andererseits ist das bei diesem Preis kaum möglich – da helfen auch 7500 Dollar staatliche Prämie kaum. GM hat beim Volt einen technischen Ansatz gewählt, der zwar vorhandene Komponenten nutzt, aber ziemlich aufwendig wirkt. Der Verbrennungsmotor zum Beispiel ist ein vollwertiger Antriebsmotor, der nicht speziell auf einen Range-Extender-Betrieb ausgelegt ist. Die Batterie ist mit einem Energieinhalt von 16 kWh zwar kleiner als bei einigen reinen Elektroautos, wirkt aber angesichts der elektrischen Reichweite von etwa 65 Kilometer vergleichsweise üppig dimensioniert – und ist somit teuer.
Es ist naheliegend, dass GM längst daran arbeitet, die Gesamtabstimmung für die nächste Generation anders auszutarieren, etwa durch auf bestimmte Betriebszustände optimierte Verbrennungsmotoren, die günstiger gefertigt werden können und weniger wiegen – oder durch verbesserte Betriebsstrategien, die den Stromverbrauch und somit die Batteriegröße verringern. Vielleicht werden auch in einigen Jahren die Preise für Lithium-Ionen-Batterien und Elektronikkomponenten sinken, obwohl dies aufgrund der Entwicklungen im Rohstoffmarkt nicht ohne Weiteres vorausgesetzt werden kann.
Laut DailyTech rechnet GM-Sprecher Rob Peterson mit einem Effekt, der gerade bei elektronischen Produkten gut bekannt ist: "Wie bei jeder neuen Technik – ob Plasma-TV oder Mobiltelefon – sinken die Produktionskosten mir den Erfahrungen, die man mit jeder neuen Generation gewinnt. Wir glauben (beim Volt) an ähnliche Kosteneinsparungen, durch Entwicklungsfortschritte ebenso wie durch sinkende Produktionskosten."
Fortschritt und Wertverfall
Aber warum erzählt er uns das? Wenn man ein teures Handy für 300 Euro ersteht und fünf Jahre später ein weit besseres Gerät ein Drittel kostet, tut das vielleicht nicht allzu sehr weh. Doch von einem Auto erwarten die Menschen, dass sie es auch nach fünf Jahren noch für einen ordentlichen Preis verkaufen können. Das Zitat von Peterson macht auf ein weiteres Dilemma der Elektromobilität aufmerksam – einen möglicherweise rapiden Wertverfall, der für die meisten Kunden eigentlich völlig inakzeptabel ist.
Feldtest im Markt
Da fragt man sich, ob man nicht lieber auf die nächste Generation wartet, oder die übernächste. Der GM-Sprecher dürfte sich allerdings kaum verplappert haben, um dies zu provozieren. Der Volt wird im realen Betrieb GM schnell zeigen, was die Kunden wirklich wollen, ob ihnen 65 Kilometer Reichweite genügen oder sogar weniger – ein wertvoller Feldtest mit zahlenden Kunden. Vielleicht ist GM gar nicht so erpicht darauf, den ersten Volt in allzu großen Stückzahlen zu verkaufen. 41.000 Dollar stehen auch für ein Kostenproblem. Zwei einfache Vergleichszahlen: Der Nissan Leaf, ein reines Elektroauto, kostet in den USA knapp 33.000 Dollar, der bewährte Toyota Prius etwas über 23.000 Dollar. (ggo)