Werbung in Wikipedia: Agentur dementiert Werbe-Artikel und Sockenpuppen-Netzwerk
Die wegen bezahlter Wikipedia-Einträge ins Kreuzfeuer geratene Agentur Wiki-PR hat dementiert, gezielt gegen die Regeln der Online-Enzyklopädie verstoßen zu haben. Statements von ehemaligen Kunden und Mitarbeitern zeichnen allerdings ein anderes Bild.
Die wegen bezahlter Wikipedia-Einträge [1] ins Kreuzfeuer geratene Agentur Wiki-PR [2] hat dementiert, gezielt gegen die Regeln der Online-Enzyklopädie verstoßen zu haben. Statements von ehemaligen Kunden und Mitarbeitern zeichnen allerdings ein anderes Bild.
"Das 'PR' in 'Wiki-PR' ist eine falsche Bezeichnung", erklärte [3] der Agenturchef Jordan French gegenüber der Washington Times [4]. "Wir sind ein Unternehmen, das Artikel recherchiert und umsetzt." Dabei halte sich das Unternehmen durchgängig an die Regeln der Online-Enzyklopädie. French räumt ein, dass seine Angestellte zuweilen die Relevanz-Anforderungen an Wikipedia-Artikel falsch interpretiert haben.
Den Aufbau eines Netzwerkes von Fake-Accounts [5] dementiert er aber. Im Rahmen der Ermittlungen des Sockenpuppen [6]-Netzwerkes seien viele Artikel ins Visier geraten, an denen seine Firma nicht mitgewirkt haben. Inzwischen haben die Wikipedia-Administratoren 322 Accounts als Teil des Netzwerkes identifiziert, weitere 89 sind verdächtig. Sie gelten [7] allerdings nicht mehr als "sock puppets" – also Fake-Acounts eines Nutzers oder einer Firma –. Sie wurden stattdessen zu "meat puppets" umdeklariert – Nutzer, die sich außerhalb der Wikipedia koordinieren, um die Online-Enzyklopädie zu beeinflussen.
Dass Wiki-PR lediglich an qualitativer Mitarbeit interessiert war, steht entgegen der Statements, die Daily Dot [8] und Vice [9] gesammelt haben. Neben dem simplen Schreiben von enzyklopädischen wirkenden Artikeln habe demnach Wiki-PR auch gezielt falsche oder irreführende Quellenbelege eingesetzt, um Artikel aufzuwerten. Klienten seien per Spam-Mails geworben worden.
Inzwischen hat sich auch die Chefin der Wikimedia Foundation eingeschaltet. In einem Statement [10] erklärt Sue Gardner: "Die Wikimedia Foundation nimmt das Thema sehr ernst und verfolgt die Ereignisse genau." Konkrete Schritte stellte Gardner allerdings nicht in Aussicht.
Siehe dazu auch:
(jk [12])
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[1] https://www.heise.de/news/Werbung-in-Wikipedia-Angriff-der-Sockenpuppen-1977202.html
[2] http://wiki-pr.com/
[3] http://www.washingtontimes.com/news/2013/oct/21/money-to-pr-firm-can-buy-good-image-on-wikipedia/
[4] http://www.washingtontimes.com/
[5] https://www.heise.de/news/Werbung-in-Wikipedia-Angriff-der-Sockenpuppen-1977202.html
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Sockenpuppe_%28Netzkultur%29
[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia%3ASockpuppet_investigations/Morning277
[8] http://www.dailydot.com/lifestyle/wikipedia-sockpuppet-investigation-largest-network-history-wiki-pr/
[9] http://www.vice.com/en_uk/read/is-the-pr-industry-buying-influence-over-wikipedia
[10] http://blog.wikimedia.org/2013/10/21/sue-gardner-response-paid-advocacy-editing/
[11] https://www.heise.de/news/Werbung-in-Wikipedia-Angriff-der-Sockenpuppen-1977202.html
[12] mailto:jk@heise.de
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