Werbeboykott gegen YouTube weitet sich aus
(Bild: thetimes.co.uk)
Nach europÀischen Unternehmen und Organisationen wie der BBC haben nun auch US-Konzerne ihre Marketingkampagnen auf YouTube gestoppt. Grund: Ihre Werbung erschien neben Videos von Extremisten.
Trotz Googles BemĂŒhungen die eigenen Anzeigenkunden [1] zu beruhigen, weitet sich der Boykott gegen die Videoplattform YouTube aus. Wie die britische Zeitung The Times berichtet [2], haben nun mit AT&T, Verizon und dem Pharma-Konzern Johnson & Johnson mehrere der gröĂten Werbekunden ihre Kampagnen mit sofortiger Wirkung von der Plattform zurĂŒckgezogen.
Salafistische Prediger und US-Neonazis
Grund fĂŒr den Streit: In Videos mit Hassbotschaften erscheint Werbung bekannter Marken. So erschien Verizon-Werbung in YouTube-Videos des Ă€gyptischen salafistischen Predigers Wagdy Ghoneim, der bereits 2009 von GroĂbritannien mit einem Einreiseverbot belegt wurde, weil er den Terrorismus verherrlicht haben soll. Werbung fĂŒr verschiedene Marken fand sich auch in den Videos anderer extremistischer Gruppen â von der Animal Liberation Front bis hin zum US-Neonazi David Duke.
FĂŒr Google ist dieser Boykott finanziell schmerzhaft: Allein Verizon gibt laut dem britischen Blatt pro Jahr 2,5 Milliarden US-Dollar (zirka 2,3 Milliarden Euro) fĂŒr Werbung aus. AT&T zog sich zudem nicht nur von YouTube zurĂŒck, sondern pausiert seine Display-Werbung auf allen Google-Plattformen. Schon zuvor hatten laut Medienberichten 250 andere Marken und Institutionen ihre Kampagnen gestoppt, darunter die britische Regierung, die BBC und Tesco.
Schadenbegrenzung kommt nicht gut an
Wie lange der Ausstand dauern soll, ist noch unklar. So verlangen Werbetreibende absolute Sicherheit vor solchen imageschĂ€dlichen Werbeplatzierungen. Google hingegen redet das Problem klein und verspricht bisher nur graduelle Verbesserungen. So will der Konzern mehr Mitarbeiter einstellen, die Videos einstufen [3] sollen, und den Werbekunden einen direkten Kanal fĂŒr Beschwerden geben. Brisant: Nachdem die Kritik an Google in GroĂbritannien Schlagzeilen machte, verzichtete der Konzern laut Times zwar bei einigen der kritisierten Videos auf Werbeeinblendungen, lieĂ die Vermarktung aber in den USA aktiviert.
Kernproblem: WĂ€hrend Werber bei klassischen Medien noch direkt Anzeigen in bestimmten Zeitungen oder TV-Sendungen buchten, werden auf YouTube und vielen anderen WerbemĂ€rkten vorwiegend Zielgruppen gehandelt. Das bedeutet: Wenn ein Markenhersteller beispielsweise MĂ€nner zwischen 18 und 24 Jahren mit Interesse fĂŒr Technik adressiert, wird die Werbung zum Teil ohne RĂŒcksicht auf den Inhalt der aufgerufenen Inhalte ausgespielt. Redaktionelle Onlinemedien haben die Möglichkeit, hĂ€ndisch fĂŒr Werbung ungeeignete Inhalte wie Katastrophenberichterstattung von der Werbevermarktung auszuschlieĂen â doch Google tut sich angesichts der Masse von Videos schwer. So betonte der Google-Manager Peter Barron, dass jede Minute 400 Stunden Videomaterial auf YouTube hochgeladen werden, was eine komplette Vorab-PrĂŒfung unmöglich mache.
Werbekunden fordern hartes Durchgreifen
Die werbetreibende Industrie will das Argument nicht akzeptieren. So vergleicht Stephan Loerke, Chef der World Federation Of Advertisers (WFA) auf Anfrage von heise online die fehlplatzierte Werbung mit dem grassierenden Klickbetrug. "Es ist egal ob eine Werbung von einem Bot abgerufen wird oder von einem Menschen, wenn sie neben gĂ€nzlich ungeeigneten Inhalten erscheint", erklĂ€rt Loerke. "Die anderen Teilnehmer des Werbemarktes profitieren, wĂ€hrend der Markeneigner draufzahlt." Deshalb seien von Google wesentlich stĂ€rkere BemĂŒhungen zu erwarten, solche Werbeeinblendungen zu unterbinden. Ungeachtet der aktuellen VorfĂ€lle ziehen sich laut Loerke immer mehr Werbekunden von breiten programmatischen MarktplĂ€tzen zurĂŒck und setzen lieber auf geschlossene Plattformen, die gröĂere Sicherheit anbieten. (anw [4])
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[2] http://www.thetimes.co.uk/article/top-brands-pull-google-adverts-in-protest-at-links-with-hate-videos-5f5sfrcjw
[3] https://www.heise.de/news/Britischer-Werbeboykott-gegen-YouTube-Google-verspricht-Nachbesserungen-3660643.html
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