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Weltklimagipfel lÀutet Abschied von der Kohleverbrennung ein

(Bild: BoJack/Shutterstock.com)

Nach zwei Wochen zÀhen Verhandelns ist die Weltklimakonferenz nun vorbei. Greta Thunberg Àtzt: "Blah, blah, blah". Andere sehen aber auch Fortschritte.

Die UN-Klimakonferenz in Schottland hat mit einem als historisch gefeierten Beschluss den weltweiten Abschied von der Kohleverbrennung eingelĂ€utet. Erstmals in der Geschichte der Weltklimagipfel gab es dafĂŒr einen Konsens unter den rund 200 Staaten. Der am Samstagabend nach leidenschaftlichen Diskussionen gebilligte "Klimapakt von Glasgow" enthĂ€lt zudem die Forderung, "ineffiziente" Subventionen fĂŒr Öl, Gas und Kohle zu streichen. Die Formulierung wurde allerdings in letzter Minute auf Druck Chinas und Indiens abgeschwĂ€cht.

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) lobte den Deal dennoch. "Das fossile Zeitalter geht zu Ende, die Energiewende wird weltweit zum Leitbild", sagte sie. Der US-Klimabeauftragte John Kerry sagte, in Verhandlungen dĂŒrfe das vermeintlich Perfekte nie dem Guten im Wege stehen. "Und das hier ist gut."

Die weltweit bekannteste Klimaaktivistin Greta Thunberg zog hingegen eine vernichtende Bilanz des auch als COP26 bezeichneten Gipfels. "Die COP26 ist vorbei. Hier ist eine kurze Zusammenfassung: Blah, blah, blah", twitterte die Schwedin. Sie war zur Halbzeit des Gipfels zusammen mit Zehntausenden Demonstranten auf die Straße gegangen und dann abgereist.

Auch der GeneralsekretĂ€r der Vereinten Nationen, AntĂłnio Guterres, Ă€ußerte sich ernĂŒchtert. "Es ist ein wichtiger Schritt, aber es ist nicht genug. Es ist Zeit, in den Notfallmodus zu gehen." Die Mammutkonferenz mit 40.000 registrierten Teilnehmern sollte eigentlich schon am Freitag enden, wurde aber wegen stundenlanger Debatten bis in die spĂ€ten Stunden des Samstags verlĂ€ngert.

Die wichtigsten BeschlĂŒsse im Überblick:

EU-Kommissar Frans Timmermans ließ im Plenum seinem Frust freien Lauf, dass die Forderung zum Kohleausstieg auf Druck Chinas und Indiens noch abgeschwĂ€cht wurde. Statt von einem Ausstieg (phase-out) ist auf Druck der stark von Kohle abhĂ€ngigen Staaten China und Indien nun nur noch von einem schrittweisen Abbau (phase-down) die Rede. Damit bleibt offen, ob beide Staaten jemals komplett auf Kohlestrom verzichten wollen.

Als sich mehrere Staaten bitterlich ĂŒber die VerwĂ€sserung kurz vor der Schlussabstimmung beschwerten, kĂ€mpfte der britische COP26-PrĂ€sident Alok Sharma mit den TrĂ€nen. "Ich bitte um Verzeihung fĂŒr die Art, wie das gelaufen ist", sagte der Gastgeber. Er fĂŒgte an: "Es ist auch von elementarer Bedeutung, dass wir dieses Paket schĂŒtzen." Bundesumweltministerin Schulze pflichtete ihm bei und erklĂ€rte, mit dem Beschluss zur Kohle sei "etwas wirklich Weltbewegendes gelungen".

In der AbschlusserklĂ€rung bekennen sich die LĂ€nder gemeinsam zu dem Ziel, die ErderwĂ€rmung bei 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu stoppen. Dazu sollen sie bis Ende 2022 ihre bislang unzureichenden KlimaschutzplĂ€ne fĂŒr dieses Jahrzehnt nachschĂ€rfen. Das ist drei Jahre frĂŒher als bislang vorgesehen. In der ErklĂ€rung wird zudem festgehalten, dass der Ausstoß klimaschĂ€dlicher Treibhausgase weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent sinken muss, wenn das 1,5-Grad-Limit erreichbar [1] bleiben soll.

Zugesagt wurden auch mehr Finanzhilfen fĂŒr arme Staaten, damit diese sich an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Zig Millionen Menschen sind schon jetzt hĂ€ufiger mit DĂŒrren, Hitzewellen, StĂŒrmen und Überschwemmungen konfrontiert, weil sich die Erderhitzung beschleunigt. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 verdoppelt werden, also von aktuell jĂ€hrlich rund 20 auf dann 40 Milliarden US-Dollar (etwa 35 Milliarden Euro.)

Erstmals wird auch die jahrelange Forderung armer Staaten aufgegriffen, einen Geldtopf fĂŒr Hilfen bei SchĂ€den und Verlusten einzurichten. Gemeint sind etwa Zerstörungen oder erzwungene Umsiedlungen nach DĂŒrren, Sturmfluten oder WirbelstĂŒrmen. Die Staaten werden aufgefordert, dafĂŒr Geld einzuzahlen. Konkrete Summen dafĂŒr werden aber nicht genannt. Es soll nur "technische UnterstĂŒtzung" nach Schadensereignissen bereitstehen, aber nicht der komplette Schaden beglichen werden.

Der Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig nannte es "schon bitter, dass wieder einmal die von der Klimakrise besonders betroffenen, Ă€rmeren LĂ€nder des Globalen SĂŒdens an den Rand gedrĂ€ngt wurden". Genauso bewertet es Entwicklungsminister Gerd MĂŒller (CSU): "Aus Sicht der EntwicklungslĂ€nder sind die Ergebnisse absolut unzureichend, zu kleinteilig und zu langsam", sagte er der Funke-Mediengruppe.

UmweltstaatssekretĂ€r Jochen Flasbarth lobte die BeschlĂŒsse zum sogenannten Regelbuch des Pariser Klimaabkommens, wo seit Jahren noch Punkte offen waren. Man habe von Anfang an das Ziel gehabt, das "Geröll der Rechtsverhandlungen" aus dem Weg zu rĂ€umen. "Das ist alles gelungen", sagte Flasbarth. Geregelt wurde etwa, dass kĂŒnftig Klimaschutzziele fĂŒr fĂŒnf Jahre vorgelegt werden und nach einheitlichen Standards berichtet wird. Bei der Frage, wie kĂŒnftig Emissionsminderungen zwischen Staaten gehandelt werden können, gab es ebenfalls eine Einigung. Dabei ist es laut Flasbarth gelungen, Schlupflöcher auszuschließen.

Den Samstag ĂŒber hatten stundenlange, hitzige Debatten die Beratungen verzögert. Politiker standen dicht zusammen, gestikulierten wild und diskutierten. Timmermans umgarnte die Delegierten schließlich: "Ich flehe euch an, nehmt diesen Text an."

Greenpeace-Chef Kaiser sieht nach Glasgow nun die geplante Ampel-Koalition im Bund in der Pflicht, Sofortmaßnahmen zu ergreifen. "So ist der Kohleausstieg bis 2030 zwingend notwendig. Ab heute dĂŒrfen unsere Steuergelder nicht mehr fĂŒr Kohle, Öl und Gas eingesetzt werden."

Der nĂ€chste Gipfel, die COP27, findet im November 2022 in Ägypten statt.

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(tiw [3])


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