Warten auf info- und biz-Domains
Nur noch bis Freitag lÀuft eine siebentÀgige Einspruchsfrist zu den Ende vergangener Woche geschlossenen VertrÀgen mit zwei der sieben neuen Registries.
Nur noch bis Freitag lĂ€uft eine siebentĂ€gige Einspruchsfrist fĂŒr die Direktoren der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) zu den Ende vergangener Woche geschlossenen VertrĂ€gen mit zwei der sieben neuen Registries. AnschlieĂend muss noch das US-Department of Commerce (DoC) seinen Segen dazu geben. Das könnte einige Zeit dauern, da man sich dort zunĂ€chst einmal mit den umstrittenen NeuvertrĂ€gen [1] zwischen ICANN und com-Registryprovider VeriSign/NSI beschĂ€ftigen muĂ. Erst in der vergangenen Woche verlĂ€ngerte das DoC die Frist fĂŒr seine Entscheidung bis Mitte Mai.
Die VertrĂ€ge mit dem Afilias-Konsortium â das fĂŒr zunĂ€chst sechs Jahre .info betreibt â und Neulevel, das mit .biz eine Alternative zu com-Adressen bieten will, wurden ebenso wie die VeriSign-VertrĂ€ge im wesentlichen vom hauptamtlichen BĂŒro der ICANN ausgehandelt. Zahlreichen Beobachtern und auch einzelnen Direktoren erscheint die Frist fĂŒr eine sinnvolle Durchsicht der zahlreichen technischen und betriebswirtschaftlichen Anhangsdokumente als zu knapp bemessen.
Auf kritische Punkte machten Anfang der Woche etwa Vertreter von Registrar-Unternehmen aufmerksam. So halte sich Neulevel nicht an das im Antragsverfahren im vergangenen Jahr vorgestellte Konzept, nach dem es als neutrale Registry fungiere. FĂŒr die Eintragung von AdressansprĂŒchen von Markenrechtsinhabern in der sogenannten Sunrise-Phase verlangt Neulevel 90 US-Dollar, die Registrare erhalten von dieser von der Registry festgelegten Summe aber nur 10 Dollar. "Ich denke, ICANN muĂ sich nochmals sehr genau die ursprĂŒnglichen VorschlĂ€ge anschauen, die vom Direktorium verabschiedet wurden. Die vorgelegten VertrĂ€ge widersprechen diesen VorschlĂ€gen," schreibt Leah Gallegos im offenen Forum auf der ICANN-Seite. Gallegos, PrĂ€sidentin des AtlanticRoot Network, das bereits eine alternative Rootzone fĂŒr .biz betreibt, trat kĂŒrzlich vor einem KongressausschuĂ auf, der die Auswahl der neuen TLDs kritisch unter die Lupe nahm.
ICANN-Direktor Karl Auerbach bezeichnete es inzwischen als Fehler, dass er mit der Mehrheit der Direktoren dafĂŒr gestimmt habe, die Vertragsverhandlungen komplett in die HĂ€nde des BĂŒros zu geben. Bei dieser Abstimmung stand nur der kleinste Teil der VertrĂ€ge fest. "Jetzt kommt man sich wieder ein wenig so vor, als stĂŒnde Louis Touton mit dem Maschinengewehr vor einem und fordere eine schnelle Unterschrift," sagt auch Andy MĂŒller-Maguhn, einer der beiden deutschen ICANN-Direktoren. MĂŒller-Maguhn will auf jeden Fall bis Ende der Woche dem ICANN-BĂŒro seine EinwĂ€nde ĂŒbermitteln.
Kritisch wurde etwa vom amerikanischen Juristen und ICANN-Kenner Bret Fausett angemerkt, dass sich sowohl Afilias als auch Neulevel Vertraulichkeit bei der Offenlegung bestimmter Statistiken zur Entwicklung von Registrierzahlen und Marketing-Ausgaben zusichern lieĂen. Die Idee, anhand der Startphase der neuen Registries Anforderungen fĂŒr weitere Auswahlverfahren zu gewinnen, werde dadurch konterkariert. Eine böse Satire zu den Entscheidungsprozessen im ICANN-Vorstand macht derweil die Runde im Netz [2].
In einem nĂ€chsten Schritt werden wohl die VertrĂ€ge fĂŒr name und pro unter Dach und Fach gebracht, noch etwas lĂ€nger könnte es mit museum, coop, und aero dauern. FĂŒr einen Registry-Eintrag berechnet Afilias den Registraren maximal 5,75 US-Dollar, Neulevel 5,30 US-Dollar. Damit liegen sie leicht unter dem bisherigen Einkaufspreis fĂŒr com, net und org. (Monika Ermert / (em)
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[1] https://www.heise.de/news/com-Deal-zwischen-NSI-und-ICANN-unter-Zeitdruck-36206.html
[2] http://www.paradigm.nu/icann/icannstage.html
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