Wahlbeobachter bei den US-PrÀsidentschaftswahlen in der Hightech-Falle
Vor den elektronischen Wahlmaschinen in den USA mĂŒssen die OSZE-Abgesandten, die die PrĂ€sidentschaftswahlen am 2. November beobachten, passen.
Die von der Organisation fĂŒr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE [1]) zu den US-PrĂ€sidentschaftswahlen am 2. November entsandte internationale Wahlbeobachtungskommission [2] hat keine Möglichkeit, die korrekte StimmauszĂ€hlung der elektronischen Wahlmaschinen zu ĂŒberprĂŒfen, an denen diesmal schon rund ein Drittel der WĂ€hler ihr Votum abgibt. "Dies mĂŒssen staatlich anerkannte und lizenzierte PrĂŒfstellen tun", erklĂ€rt die Leiterin der OSZE-Kommission, die Schweizer NationalrĂ€tin Barbara Haering, in einem Interview mit c't, das in der aktuellen Ausgabe 23/04 erscheint.
Die OSZE, zu deren 55 Mitgliedsstaaten auch die USA und Kanada gehören, verfĂŒge nicht ĂŒber das entsprechende Computer-Know-how: "Wir hĂ€tten als internationale politische Organisation nie die Möglichkeit, Software selbst zu analysieren." LĂ€nder, die elektronische Wahlmaschinen einsetzen, stĂŒnden selbst in der Verantwortung, durch staatlich lizenzierte Zertifizierungsstellen fĂŒr die unabhĂ€ngige ĂberprĂŒfung der sich stĂ€ndig weiterentwickelnden Hard- und Software Sorge zu tragen.
In den USA gingen die Hersteller von Wahlcomputern bislang recht lax mit den Zulassunganforderungen um. Bei den Vorwahlen im FrĂŒhjahr musste Diebold als einer der gröĂten in der Branche zugeben [3], in 17 kalifornischen Wahlbezirken nicht-zertifizierte Software eingesetzt zu haben -- ebenso wie Election Systems & Software in 41 Counties des Staates Indiana. Unter dem Druck der Ăffentlichkeit hatte daraufhin der kalifornische Innenminister Kevin Shelley im April den Einsatz der rund 14.000 Touchscreen-Systeme bei der PrĂ€sidentschaftswahl untersagt [4], die vier Landkreise bereits angeschafft hatten.
Der Verlauf der Wahlen am 2. November wird erstmals von einer internationalen Kommission offiziell beobachtet, unter anderem auf Einladung des US-AuĂenministeriums. In ihrem Bericht will die rund 100-köpfige OSZE-Delegation Aussagen zur Wahlkampagne, den Zugang der Kandidaten zu den Medien, zur Registrierung der WĂ€hler, der Identifikation der Stimmberechtigten am Wahltag sowie zu den Wahlverfahren und zur AuszĂ€hlung machen.
Das vollstÀndige Interview mit der OSZE-Delegationsleiterin Barbara Haering erscheint zusammen mit dem Report zum E-Voting bei den US-PrÀsidentschaftswahlen in der neuen Ausgabe von c't [5] (ab Montag, den 1. November im Handel): (jk [6])
- E-Voting -- ein Spiel mit dem Feuer, Elektronische Wahlsysteme bei den US-PrÀsidentschaftswahlen 2004, c't 23/04, S. 100
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-111942
Links in diesem Artikel:
[1] http://www.osce.org
[2] https://www.heise.de/news/OSZE-ueberwacht-Praesidentschaftswahlen-in-den-USA-105995.html
[3] https://www.heise.de/news/Diebold-wegen-Wahlmaschinen-in-Kalifornien-kritisiert-97433.html
[4] https://www.heise.de/news/Schlappe-fuer-Wahlmaschinen-Hersteller-98005.html
[5] http://www.heise.de/ct
[6] mailto:jk@heise.de
Copyright © 2004 Heise Medien