Vorstellung: Skoda Kodiaq
Mit einem voluminösen Tiguan-Ableger will Skoda auf dem SUV-Markt mitmischen. Die Chancen dafür stehen gut, denn der Kodiaq wird sich beim Fahren wohl kaum eine Blöße geben und vermutlich deutlich günstiger als der kompakte VW Tiguan werden
Weiterstadt, 1. September 2016 – Die Sache mit dem Trommelwirbel ist gar nicht so einfach. Trommelt man zuviel, wird das Publikum schnell dessen überdrüssig. Ein vorzeitiges Erlahmen des Interesses droht auch, wenn nach viel Getöse und Rauch das Serienmodell dann nicht einmal halb so überraschend ist, wie es die Kreativabteilung im Vorfeld Glauben machen möchte. Der Skoda Kodiaq passt in dieses Schema ziemlich exakt: Probefahrt mit abgeklebten Vorserienmodellen, Skizzen, erste Details des Außendesigns, Bilder vom Innenraum und schließlich die Vorstellung – Skoda hat nichts ausgelassen, womit das ganze Spiel freilich noch nicht vorbei ist, denn weitere Informationen werden erst nach und nach gereicht. Und das alles für ein Auto, dessen Plattform schon auf dem Markt ist.
Es ist nun schon länger kein Geheimnis mehr, dass Volkswagen seinen SUV-Erfolg auf mehrere Marken verteilen will. So bekommt der Tiguan mindestens je einen Ableger von Seat und Skoda. Für den Seat Ateca ist die Rolle des Sportlers in diesem Trio gedacht, der Skoda Kodiaq wird mit 4,7 m deutlich größer. Genauso groß wird der VW Tiguan XL, der dann vor allem die US-Kundschaft begeistern soll. Dort darf ein Auto bekanntermaßen gern mal etwas üppiger sein als europäische Kunden das normalerweise mögen.
Vorstellung: Skoda Kodiaq (15 Bilder)

Innen groß
Skoda hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem mit einem Talent hervorgetan, nämlich aus den äußeren Abmessungen maximale Platzverhältnisse im Innenraum zu schaffen. Octavia und erst recht der Superb übertreffen in diesem Punkt viele Konkurrenten. Auch beim Kodiaq zeichnet sich das ab. Gegen Aufpreis wird es eine dritte Sitzreihe geben, wobei die Passagiere der zweiten Reihe über das Wohl und Wehe der Hinterbänkler entscheiden. Die mittlere Sitzbank lässt sich um 18 cm verschieben. Wird sie ganz nach hinten gerückt, dürfte die Beinfreiheit spärlich sein. Mit sieben Leuten besetzt, fällt auch der verbleibende Kofferraum knapp aus. Ganze 270 Liter bleiben dann, was kein Vorwurf ist: Auf 4,7 m Außenlänge lassen sich eben keine Platzverhältnisse eines Busses schaffen. Beschränkt man sich fünf Sitze, bleiben laut Skoda gewaltige 720 Liter übrig, wobei nicht verraten wird, in welcher Stellung die mittlere Sitzreihe dafür stehen muss. Mit dieser Angabe übertrifft der Kodiaq selbst den schon wirklich geräumigen Superb Combi. Maximal sollen es gar 2065 Liter sein – wer deutlich mehr braucht, muss in einen Transporter wechseln.
Bekommt, was VW zulässt
Natürlich wäre ein riesiges Platzangebot als alleiniges Kaufargument zwar nicht das schlechteste, doch für ein modernes Auto dann doch etwas zu wenig. Also bekommt der Kodiaq alles mit, was Volkswagen seiner Einstiegsmarke zugesteht. Dazu gehören je nach Ausstattung eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe, Drei-Zonen-Klimaautomatik, belüftete Sitze, adaptives Fahrwerk und diverse Assistenten, ohne die sich heute ein Auto mit diesem Anspruch angeblich nicht mehr vor die Kundschaft trauen darf. Abstandstempomat, Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarner und Assistenten für Notbremsung und Anhängermanöver – die vorläufige Liste macht deutlich, dass bei Volkswagen andere Marken für Innovationen in diesem Bereich zuständig sind. Im ersten Begleitschreiben ist weder von Head-up-Display, digitalen Kombiinstrument, LED-Scheinwerfern oder Gestensteuerung für die Unterhaltungselektronik die Rede. Möglicherweise wird hier aber flink nachgerüstet oder die Marke darf uns doch noch mit etwas überraschen.
Auf Überraschungen in Antriebsbereich braucht derweilen vorläufig niemand zu warten. Der Kodiaq bekommt die hinlänglich bekannte Kost, bestehend aus drei Benzinern und zwei Dieselmotoren. Gas oder Hybrid ist vorerst nicht vorgesehen, ja selbst die aktuellsten Ausbaustufen der Motoren werden im Kodiaq erst nachgereicht. Dazu gehören der neue 1,5-Liter-TSI und der 2.0 TSI mit 190 PS, der im A4 schon eingebaut wird. Fest gerechnet werden darf im Kodiaq allerdings mit stärkeren Maschinen. Dazu werden vermutlich der 220-PS-Benziner und der 2.0 TDI mit 240 PS gehören. Ihren Einsatz im Tiguan hatte VW erst kürzlich bestätigt.
Bekannte Motoren
Vorerst bekommt der Kodiaq nur die bekannten 1.4 TSI mit 125 und 150 PS, einen 2.0 TSI mit 180 PS und den beiden Dieselmotoren 2.0 TDI mit 150 und 190 PS. Die beiden letzteren dürften, inklusive SCR-Kat, in Europa einen Großteil der Bestellungen ausmachen. Die beiden stärksten Motoren werden nur mit Allradantrieb angeboten, bei den 150-PS-Modellen ist er gegen Zuzahlung zu haben – der Basisbenziner wird nur mit Frontantrieb zu haben sein. Doch das sich ausgerechnet für diesen ein Großteil der Kunden erwärmt, ist kaum zu erwarten. Ihn als Preislisten-Beschöniger zu bezeichnen, wäre etwas unfair, doch die meisten Kunden werden wohl zumindest 150 PS haben wollen.
Billiger als ein Tiguan?
Eine Preisliste gibt es noch nicht. Skoda verrät bislang nur, dass das Basismodell rund 25.000 Euro kosten soll. Damit bleibt er etwas unterhalb des Basismodells des Superb Combi. Interessanter jedoch ist das Verhältnis zum VW Tiguan. Auch wenn sich ohne Kenntnis der Serienausstattung ein direkter Preisvergleich verbietet: VW verlangt für den Basis-Tiguan inzwischen 25.975 Euro. Der Skoda würde für knapp 1000 Euro weniger deutlich mehr Auto bieten. Insofern sind die Hoffnungen der Skoda-Leute auf einen Erfolg sicher nicht ganz unbegründet. Der Kodiaq wird wohl seinen Weg machen und hätte das vermutlich auch ohne großen Trommelwirbel vor dem Start geschafft.
(mfz)