Vorstellung: Opel Insignia
(Bild: Opel)
Opel verspricht, die zwei bekannten Hauptschwächen des bisherigen Insignia beseitigt zu haben. Nummer zwei wird deutlich leichter und soll mehr Platz bieten als sein erfolgreicher Vorgänger. Wir stellen das neue Flaggschiff der Marke vor
Kapitän, Admiral, Commodore – die glanzvollen Zeiten großer Opel-Modelle scheinen schon weit zurückzuliegen. In der gehobenen Mittelklasse ist die Marke gar nicht mehr vertreten, zumindest was den Anspruch betrifft. Denn mit einer Länge von rund 4,9 Metern ist der neue Insignia kaum noch kürzer als ein BMW 5er [1]. Nun stellt Opel den zweiten Insignia vor, und wie beim Astra wird schnell klar, dass die Entwickler an den Schwächen des Vorgängers gearbeitet haben.
Leichter
Dem noch aktuellen Opel Insignia, der 2008 vorgestellt wurde, warf man vor allem zwei Dinge vor. Ein zu hohes Gewicht und ein, angesichts der äußeren Abmessungen, spärliches Raumangebot. Opel will die Limousine um bis zu 175 kg erleichtert haben. Das wäre ein enormer Fortschritt, bei dem freilich zu beachten ist, dass es sich bei dieser Angabe um die maximale Gewichtseinsparung handelt. Doch selbst für den Fall, dass die durchschnittliche Einsparung nur bei 140 kg liegen sollte, wäre Opel hier viel gelungen. Allein die Rohkarosse sei rund 60 kg leichter als beim Vorgänger, vermeldet Opel im Begleitschreiben.
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Mehr Platz - nicht überall
Dabei geht die Ersparnis nicht mit geringeren Abmessungen einher. Der Fünftürer ist mit nun 4897 exakt 55 mm länger geworden. Der Radstand wuchs um 92 auf nun 2829 mm. Damit erreicht der Insignia fast das Format des Skoda Superb Combi [4], der zwischen den Achsen 2841 mm misst und als Referenz gelten darf, wenn es um Beinfreiheit hinten in dieser Klasse geht. Eine Enttäuschung ist aber das angegebene Kofferraumvolumen des Insignia Fließhecks: Mit 490 Litern bleibt er selbst hinter einem Mondeo Fließheck zurück, vom Superb ganz zu schweigen. Auch der Vorgänger war mit 530 Litern größer. Wir sind gespannt, wie sich der Kombi in dieser Hinsicht schlagen wird. Er dürfte seine Premiere spätestens auf der IAA 2017 haben, während der hier vorgestellte Fünftürer im Frühjahr zu den Händlern kommt.
Motoren
Spannend wird es bei den Motoren, zu denen Opel im aktuellen Beipackzettel kein Wort verliert. Zusammen mit dem Astra wurde ein neuer 1,4-Liter-Vierzylinder mit 150 PS vorgestellt – im Test [5] erwies sich dieser als nur durchschnittlich kräftig, aber sehr sparsam. Er wird in dieser Form nicht in den Insignia einziehen. Stattdessen kommt ein 1,4-Liter-Basisbenziner mit 140 PS und ein neuer 1,5-Liter-Motor mit 165 PS. Darüber wird es einen Zweiliter-Vierzylinder geben, der 250 PS leistet. Dazwischen ist noch Platz für ein oder auch zwei Benziner, den Opel mit Sicherheit füllen wird.
Bei den Dieselmotoren soll es zunächst bei zwei Maschinen mit 140 und 170 PS bleiben. Noch im Laufe des Jahres 2017 rechnen wir aber damit, dass Opel auch hier kräftig nachlegen wird. Es dürfte dafür eine Version mit rund 200 PS in Planung sein, um im Dienstwagenrennen rund um Autos wie dem BMW 320d, Volkswagens 190-PS-TDI oder auch dem 2,0-Liter-TDCi BiTurbo von Ford ein Wort mitreden zu können. Gerade in dieser Klasse hätte die neue Achtgang-Automatik gute Chancen auf eine große Nachfrage. Leider hat Opel sich entschlossen, sie zumindest vorerst nur zusammen mit dem ebenfalls neu entwickelten Allradantrieb anzubieten.
Alternativen gesucht
Was derzeit noch gänzlich fehlt, sind Alternativen zu den konventionellen Antrieben. Ob es den Insignia auch mit Hybrid- oder gar Elektroantrieb geben wird, ist noch geheim. Wir rechnen zumindest mit einem Plug-in-Hybrid – alles andere wäre in der aktuellen Situation eine echte Überraschung. Gerade Opel hat sich in der Vergangenheit viel Mühe gegeben, Auto- und Erdgas [6] anzupreisen, doch auf große Gegenliebe stieß der Hersteller damit nicht. Ob man von den Bemühungen nun absieht?
Matrixlicht verbessert
Etwas großzügiger sieht es mit Informationen zu den neuesten Helfern aus. Opel hat sein Matrixlicht gegenüber dem Astra weiterentwickelt. Es hat nun 32 in Reihe angeordnete LED-Elemente – doppelt so viel wie im Astra. Dort hat uns die Lichtausbeute schon gut gefallen, verbesserungswürdig erschien aber jene Funktion, die eine Blendung von anderen Verkehrsteilnehmern verhindern sollte. Genau in diesem Punkt sind aber rasche Fortschritte zu erwarten.
Neu im Insignia ist ein Head-up-Display, welches seine Informationen direkt in die Frontscheibe spiegelt. Opel hat hier den teureren, aber besseren Weg gewählt. VW spiegelt seine Informationen im Passat auf eine kleine Scheibe oben auf dem Armaturenbrett. An anderer Stelle ist VW einen kleinen Schritt weiter: Wie bisher schon wird es auch im Insignia optional einen großen Bildschirm im Kombiinstrument geben. Auf dem werden allerdings nicht alle Instrumente dargestellt – ein Teil bleibt mit richtigen Zeigern bestehen.
An jeder der vier Fahrzeugseiten gibt es eine Kamera. Damit kann man den Insignia beim Parken aus einer virtuellen Vogelperspektive betrachten. Das gibt es bei anderen Herstellern schon länger und erleichtert das Rangieren unter Umständen sehr. Beim Ausparken soll ein weiterer Assistent vor Querverkehr warnen. Natürlich wird es im Insignia einen Abstandstempomaten geben, wobei Opel noch nicht verrät, bis zu welchem Tempo der funktioniert. In dieser Hinsicht gibt es erhebliche Unterschiede. Der Spurhalteassistent kann nun auch gegenlenken, wenn er der Auffassung ist, der Wagen hätte eine Kurskorrektur nötig.
Aktuell sehr günstig
Als Fünftürer ist der Insignia in der Ausstattung „Business Edition“ derzeit offiziell ab 24.995 Euro zu haben. Dazu reicht Opel eine umfangreiche Ausstattung inklusive Klimaautomatik, Einparkhilfe, Navigationssystem und den guten AGR-Sitzen – ein faires Angebot möchte man meinen. Doch im Netz wird der noch aktuelle Insignia derzeit zum Teil für unter 20.000 Euro [7] angeboten.
Damit dürfte es demnächst vorbei sein, denn an dem aktuellen Rabattniveau kann Opel kein Interesse haben. Schließlich kann das Ziel nur lauten, an die glanzvollen Zeiten von einst anzuschließen. Wobei: So lang, wie manch einer vielleicht meint, sind die gar nicht her. Immerhin hat Opel nach eigenem Bekunden vom ersten Insignia trotz der bekannten Schwächen rund 900.000 Stück verkauft. Einige Hersteller wären wohl froh, in dieser Klasse solche Zahlen vorweisen zu können. (mfz [8])
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[4] https://www.heise.de/news/Im-Test-Skoda-Superb-Combi-1-4-TSI-ACT-3305923.html
[5] https://www.heise.de/tests/Test-Opel-Astra-Sports-Tourer-1-4T-3262388.html
[6] https://www.heise.de/news/Kontroverse-ueber-Kraftstoffe-Wie-sauber-ist-Erdgas-3150215.html
[7] https://www.autoscout24.de/ergebnisse?mmvmk0=54&mmvmd0=19101&mmvco=1&ctf=2&pricefrom=500&priceto=20000&fregfrom=2016&powertype=kw&cy=D&atype=C&offer=N&offer=S&ustate=N%2CU&sort=price&desc=0
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