Vorstellung Audi Q5
Audi verzichtet beim neuen Q5 auf größere Veränderungen beim Design und konzentriert sich eigenen Angaben nach auf innere Werte. Bei den Motoren dürfte Audi seine Karten noch nicht komplett offengelegt haben - alles andere wäre überraschend
Ingolstadt, 29. September 2016 – Wir haben Audis Mut schon bei der Einführung der aktuellen Ausgaben von A4 und A5 bewundert: Komplett neue Modelle formal derart nah an den Vorgängern zu platzieren, zeugt von Selbstbewusstsein. Ob dieses gesund ist, werden die Zulassungszahlen zeigen. Bei Audi scheint man vom eingeschlagenen Weg jedenfalls überzeugt zu sein, wobei die zeitliche Distanz zwischen A4 und Q5 für eine Kurskorrektur beim Design ohnehin zu kurz gewesen wäre. Und so gleicht der neue Audi Q5 seinem Vorgänger doch ziemlich, wobei sich die Marke beeilt, den technischen Fortschritt zu betonen. Doch der fällt gerade im Antriebsbereich bislang recht überschaubar aus.
Minimal länger
Die äußeren Abmessungen bleiben fast gleich. Am meisten legt der Q5 in der Länge zu. Mit nun 4,66 Metern ist er ein paar Zentimeter länger als der Vorgänger, bleibt aber sieben Zentimeter kürzer als ein A4 Avant. Der Radstand ist mit 2,82 m bei Q5 und A4 identisch. Das SUV wird durch eine höhere Sitzposition vermutlich trotzdem etwas mehr Platz bieten, ohne auch nur ansatzweise an jene Weite anzuknüpfen, die ein Skoda Superb [1] mit einem Radstand von 2,84 Metern bietet. Auch der Skoda Kodiaq [2] dürfte für Menschen, die viel Platz im Auto haben wollen, ein besseres Angebot sein. Zumindest den A4 Avant überbietet der neue Q5 beim Kofferraumvolumen: 505 Liter stehen 550 im Q5 gegenüber.
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Nun ist ein ausuferndes Platzangebot nicht unbedingt das, womit sich die selbsternannte Premiumliga von den vermeintlichen Volksmodellen absetzen will. Der Q5 muss andere Qualitäten aufbieten, nicht zuletzt, um die gehobenen Preisvorstellungen wenigstens ansatzweise irgendwie zu rechtfertigen. Wie im neuen A4 soll das unter anderem durch besonders feine Materialien im Innenraum gelingen – Audi hat sich da in den vergangenen Jahren hervorgetan.
Kreative Liste
Natürlich bekommt der Q5 alle neuzeitlichen Segnungen mit auf den Weg, die schon den A4 begleiten. Dazu gehört ein Navigationssystem, das via LTE Verkehrsdaten in Echtzeit liefern kann – so weit ist man im Konzern längst noch nicht an jeder Stelle. Auch ein Wlan-Netzwerk kann eingerichtet werden. Als Ersatz für ein klassisches Kombiinstrument ist an dessen Stelle ein Display im Angebot, das sich in engen Grenzen konfigurieren lässt. All diese feinen Dinge gibt es freilich nur dann zusätzlich als Extra, wenn der Kunde in das teuerste Navigationssystem investiert, was wohl, ähnlich wie im A4, rund 3000 Euro mehr bedeutet. Nur das Head-up-Display gibt es auch in Verbindung mit dem kleineren Navi. Eine gewisse eigennützige Kreativität kann man Audi bei der Erstellung von Aufpreislisten ohnehin nicht absprechen. Für den Q5 gibt es eine solche noch nicht, und so besteht noch die Hoffnung, dass hier, anders als im A4, zumindest Lederlenkrad und Tempomat ohne Aufpreis eingebaut werden.
Über einen weiteren Fortschritt können wir nur spekulieren, aber sollte der Marke beim Geräuschkomfort im Q5 ein ähnlich großer Schritt wie im A4 gelingen, hätte das SUV sicher einen Mehrwert gegenüber dem gewiss nicht lautstarken Vorgänger. Die Konkurrenz hat freilich vorgearbeitet, wie ein Mercedes GLC kürzlich bewies [5]. Fortschritte in dieser Hinsicht sind stets willkommen.
Benziner und Diesel
Unterstützt werden könnte dies durch neue Antriebe, doch vorerst bleibt es bei Verbrennungsmotoren, die aus dem A4 schon bekannt sind. Zum Start des Verkaufs hat Audi drei Diesel und einen Benziner anzubieten. Letzter ist ein Vierzylinder mit 252 PS, der wohl nur eine Nebenrolle spielen wird. Es ist noch nicht offiziell, doch noch im Jahr 2017 wird Audi wohl den Zweiliter-Benziner mit 190 PS [6] in das Q5-Programm aufnehmen. Möglich wäre natürlich auch der Einsatz des neuen 1,5-Liter-TSI von VW, dann mit Zylinderabschaltung und 150 PS. Audi wird diese Option sicher haben, die Frage ist, ob eine relevante Anzahl von Kunden das nachfragt.
Bis auf weiteres rechnet man in Ingolstadt aber damit, dass die Dieselmotoren im Fokus des Interesses stehen. Sie alle bekommen ganz sicher einen SCR-Kat, ein Image-Desaster wie kürzlich beim Seat Ateca wird sich bei Volkswagen vermutlich nicht wiederholen. Die vorläufige Basis ist ein 2.0 TDI mit 190 PS, mehr Laufkultur versprechen die beiden Dreiliter-Sechszylinder mit 218 und 272 PS. Gerade mit der schwächeren Ausbaustufe hat Audi damit eine Aufstiegsmöglichkeit vom Vierzylinder im Sortiment, die sich die direkte Konkurrenz spart. Dort gibt es in dieser Klasse nur Vierzylinder. Noch im Sommer 2017 wird es einen Diesel mit 150 PS geben.
Alternativlos
Was vorerst noch fehlt, sind Alternativen zu den Verbrennern. Wir rechnen mit mindestens einem Hybridantrieb, auch wenn Audi dazu bislang beharrlich schweigt. Es wird vermutlich keine Neukonstruktion mehr erscheinen, bei der nicht spätestens mittelfristig eine solche Option fest eingeplant ist. Relativ schnell gehen könnte es mit einem Erdgas-Modell. Im A4 kommt noch in diesem Jahr eine bivalente Version mit 170 PS [7]. Die wird bei Bedarf sicher auch in den Q5 passen, wenn die Kunden ihre Zuneigung zu diesem Kraftstoff doch noch entdecken sollten.
Alle Modelle, die ab dem Start angeboten werden, haben einen Allradantrieb. Es bleibt dabei, dass vorrangig die Vorderräder angetrieben werden, jene hinten werden nur bei Bedarf mit Antriebskräften belastet. Der geplante 150-PS-Diesel und der Benziner mit 190 PS kommen möglicherweise alternativ auch mit Frontantrieb auf den Markt.
Die beiden Vierzylinder sind serienmäßig an ein manuelles Sechsgang-Getriebe gebunden, gegen eine kräftige Zuzahlung gibt es ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen, das in den Sechszylindern ohne Aufpreis zur Seite gestellt wird.
Furchtlose Verweigerung
Die aktuelle Preisliste beginnt bei 37.400 Euro für den 2.0 TDI mit 150 PS. Der Neue wird mit diesem Motor sicher nicht günstiger, wir rechnen mit rund 38.000 Euro für einen Basis-Q5 ohne weitere Sonderausstattung. Mit etwas Farbe, größeren Rädern und ein paar Extras, die sich beim Weiterreichen als beschleunigend erwiesen haben, sind 45.000 Euro schnell erreicht bzw. natürlich auch überschritten. Die Kunden haben das in der Vergangenheit akzeptiert, der bisherige Q5 hat sich hervorragend verkauft. Die Frage ist, wie sich Audis furchtlose Verweigerung hinsichtlich größerer Veränderungen beim Design auswirken. Immerhin hat sich die Welt seit der Vorstellung des ersten Q5 im Jahre 2008 verändert, und mit ihr das Konkurrenzumfeld. Einfacher wird es für Audi also sicher nicht, zumal mit dem neuen BMW X3 im nächsten Jahr ein Konkurrent mitmischt, der bei der äußeren Gestaltung sicher frischere Akzente setzen wird. (mfz [8])
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[2] https://www.heise.de/news/Vorstellung-Skoda-Kodiaq-3312040.html
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4743114.html?back=3335974;back=3335974
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/4743114.html?back=3335974;back=3335974
[5] https://www.heise.de/news/Im-Test-Mercedes-GLC-250-3239842.html
[6] https://www.heise.de/news/Audis-neue-Effizienzversion-des-2-0-TFSI-2637323.html
[7] https://www.heise.de/news/Audi-A4-g-tron-Erdgas-als-Diesel-Alternative-2844970.html
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