Vodafone schließt Übernahme von Kabel Deutschland ab
Der britische Telecom-Riese hält inzwischen über drei Viertel der Anteile an Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber. Doch es bleibt spannend: Der Markt ist in Bewegung.
Vodafone hat die Übernahme [1] des deutschen Kabelnetzbetreibers Kabel Deutschland (KD) unter Dach und Fach gebracht. Vodafone halte über eine deutsche Tochtergesellschaft nun 76,6 Prozent der KD-Anteile, teilte der britische Mobilfunkkonzern am Montag mit. Die Briten hatten im Juni 87 Euro pro Aktie geboten und bis Ende September bereits drei Viertel der Anteile gekauft [2]. Die Übernahme wird mit insgesamt 10,7 Milliarden Euro bewertet.
Mit der Übernahme baut Vodafone sein Festnetzgeschäft aus. Die Briten hatten 2008 bereits den deutschen Festnetzbetreiber Arcor übernommen [3] und die Marke anschließend verschwinden [4] lassen. Zu dieser Zeit machte auch ein angebliches Interesse an Kabel Deutschland [5] erstmals die Runde und tauchte danach immer mal wieder in den Schlagzeilen auf.
Nun soll der Kabelriese eine eigenständige Gesellschaft innerhalb der Vodafone-Gruppe bleiben. Das Management von Kabel Deutschland soll künftig für das gesamte Privatkunden-Festnetzgeschäft beider Unternehmen in Deutschland zuständig sein. Die europäischen Kartellaufseher haben dem Deal bereits zugestimmt [6].
Mit der Expansion in Deutschland zieht sich Vodafone vom US-Markt zurück. Die Briten verkaufen [7] ihre Beteiligung am US-Mobilfunker Verizon Wireless an den Ex-Partner Verizon. Das dürfte rund 100 Milliarden Euro in die Kasse spülen. Vodafone war mit 45 Prozent an dem US-Mobilfunker beteiligt. Die zwei Partner hatten Verizon Wireless im Jahr 2000 als Joint Venture gegründet und zum führenden US-Mobilfunkanbieter mit derzeit rund 100 Millionen Kunden ausgebaut.
In Deutschland hat es Vodafone nun mit zwei Riesen zu tun: Der Deutschen Telekom und dem durch das Zusammengehen von O2 und E-Plus [8] entstehenden Mobilfunk-Marktführer. Die Telefónica-Tochter O2 bringt ihr Festnetzgeschäft in diese Ehe mit. Auf dem deutschen Markt gibt es damit künftig drei integrierte Netzbetreiber.
Und ein paar Kabelnetzbetreiber: Auch Liberty Global, die US-Mutter von Unitymedia und Kabel BW [9], hatte ein Gebot für Kabel Deutschland [10] angekündigt, woraufhin Vodafone sein Angebot nachbesserte [11]. Liberty hat derzeit allerdings ganz andere Probleme: Im August erklärte ein deutsches Gericht die 2011 vom Bundeskartellamt erteilte Genehmigung [12] der Übernahme von Kabel-BW nachträglich für ungültig. Das noch nicht abgeschlossene Verfahren dürfte die Branche noch eine Weile beschäftigen. (vbr [13])
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[2] https://www.heise.de/news/Vodafone-bei-Uebernahme-von-Kabel-Deutschland-am-Ziel-1955866.html
[3] https://www.heise.de/news/Vodafone-schliesst-Arcor-uebernahme-ab-Update-208615.html
[4] https://www.heise.de/news/Arcor-verschwindet-vom-Markt-218955.html
[5] https://www.heise.de/news/Vodafone-interessiert-sich-fuer-Kabel-Deutschland-218593.html
[6] https://www.heise.de/news/EU-stimmt-zu-Vodafone-darf-Kabel-Deutschland-uebernehmen-1963737.html
[7] https://www.heise.de/news/Vodafone-verkauft-Beteiligung-an-Verizon-Wireless-1947098.html
[8] https://www.heise.de/news/KPN-Aktionaere-machen-Weg-frei-fuer-den-Verkauf-von-E-Plus-1971921.html
[9] https://www.heise.de/news/Kabel-BW-kommt-in-US-Obhut-1212151.html
[10] https://www.heise.de/news/Bieterstreit-um-Kabel-Deutschland-1891747.html
[11] https://www.heise.de/news/Vodafone-bessert-Angebot-fuer-Kabel-Deutschland-nach-1892749.html
[12] https://www.heise.de/news/Bericht-Unitymedia-darf-Kabel-BW-uebernehmen-1394761.html
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