Vivendi lÀsst sich nur mit radikalen Schnitten retten
Innerhalb von 18 Monaten will sich Vivendi von Beteiligungen und Vermögenswerten in Höhe von mindestens 12 Milliarden Euro trennen.
Die Rettung des hochverschuldeten Medienkonzerns Vivendi Universal [1] ist nur mit radikalen Einschnitten und MilliardenverkĂ€ufen von Beteiligungen möglich. Das kĂŒndigte der neue Vorstandschef [2] Jean-RenĂ© Fourtou am Mittwoch in Paris an. Innerhalb von 18 Monaten werde sich Vivendi von Beteiligungen und Vermögenswerten in Höhe von mindestens 12 Milliarden Euro trennen. Bislang wollte der Konzern innerhalb von zwei Jahren durch AnteilsverkĂ€ufe 10 Milliarden Euro erzielen.
Der Vertrag ĂŒber den Verkauf des italienischen Bezahlfernsehsenders Telepiu an die News Corp des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch sei am Mittwoch unterschrieben worden, sagte Fourtou. "Das bringt uns eine Milliarde Euro".
"Wir werden uns von dem gesamten Verlagswesen trennen und wollen uns auf das Fernseh, Film- und MusikgeschĂ€ft konzentrieren." Entgegen anders lautender Spekulationen prĂŒft Vivendi doch den Verkauf [3] der profitablen Telefonsparte Cegetel. Vivendi wĂŒrde das lukrative GeschĂ€ft gern behalten und ausbauen, doch auf Grund der schwierigen Finanzlage "werden wir alle Angebote prĂŒfen". Die Franzosen halten 44 Prozent an Cegetel. Eine Aufstockung auf einen Mehrheitsanteil, an dem auch die britische Vodafone interessiert ist, wĂŒrde nach Analystenmeinung jedoch ĂŒber drei Milliarden Euro kosten. Ăber den Verkauf des VerlagsgeschĂ€fts liefen die Verhandlungen, sagte Fourtou. Zum Verkauf stehen nicht nur französische Prestige-Verlage sowie das US- Verlagshaus Houghton Mifflin an.
Die Schuld an der kurzfristigen LiquiditĂ€tskrise im Sommer gab Fourtou den Ratingagenturen, die Vivendi durch ihre Herabstufung an den Rand der ZahlungsunfĂ€higkeit gebracht hĂ€tten. Nach den in der vergangenen Woche gewĂ€hrten Bankenkrediten von drei Milliarden Euro sei die "schlimmste Krise Ăberwunden". Die Situation Vivendis bezeichnete Fourtou als "zur Zeit nicht schlecht", trotzdem sei das Vertrauen an den FinanzmĂ€rkten noch lĂ€ngst nicht wiederhergestellt. "Unsere GlaubwĂŒrdigkeit liegt bei Null".
Vivendi ist unter Fourtous VorgĂ€nger Jean-Marie Messier durch milliardenteure Ăbernahmen zur zweitgröĂten Mediengruppe der Welt aufgestiegen, musste jedoch nach dem Börsensturz durch Abschreibungen Milliarden-Verluste einstecken. Der Schuldenberg erhöhte sich auf zuletzt 35 Milliarden Euro, davon 19 Milliarden im Medien- und TelekommunikationsgeschĂ€ft. Der Rest wurde bei dem weltgröĂten Wasserversorger Vivendi Environnement (VE) geparkt, an dem Vivendi Universal noch gut 40 Prozent hĂ€lt. Ein Anteilsverkauf werde zur Zeit nicht erwogen, sagte Fourtou. Zusammen mit dem Management werde zur Zeit geprĂŒft, wie die Beziehung in Zukunft zu gestalten sei. (dpa) / (anw [4])
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[3] http://www.heise.de/mobil/newsticker/data/tol-05.09.02-000/
[4] mailto:anw@heise.de
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