Verteidigungsministerium leiert neue Kampfdrohnen-Debatte an
Kampfdrohne Neuron
(Bild: Dassault Aviation)
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat PlĂ€ne bekrĂ€ftigt, nach denen die Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit Italien und Frankreich eine Kampfdrohne entwickeln soll. Das sorgt fĂŒr Aufregung.
Deutschland will an der Entwicklung einer Kampfdrohne mitarbeiten. Diese von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bereits Mitte 2014 geĂ€uĂerte Absicht [1] wird jetzt noch einmal diskutiert. Hintergrund bilden die Fortschritte bei der Entwicklung der Drohne Neuron.
Parallel zu der beabsichtigten Beteiligung Deutschlands an diesem Projekt soll bis zum Sommer entschieden werden, wie eine "Zwischenlösung" aussehen kann, bis die deutsch-französisch-italienische Drohne einsatzbereit ist. Mit der Unterrichtung der Fachleute der vier Bundestagsfraktionen durch die RĂŒstungsstaatssekretĂ€rin Katrin Suder hat eine neue Drohnendebatte begonnen. GegenĂŒber Spiegel Online erklĂ€rte die grĂŒne Verteidigungsexpertin Agnieszka Brugger [2], dass die Debatte ĂŒber die Anschaffung von Kampfdrohnen verschleiert gefĂŒhrt werde. GegenĂŒber der dpa betonte Linken-Verteidigungsexpertin Christine Buchholz, dass Deutschland und die Europaische Union sich "nicht am völker- und menschenrechtswidrigen internationalen Drohnenkrieg" beteiligen dĂŒrfen.
Das Projekt einer europÀischen waffenfÀhigen Drohne soll am heutigen Dienstag auf einem Treffen des deutsch-französischen Ministerrates eines der wichtigen GesprÀchsthemen sein. Bereits zur ILA 2014 war es unter dem Namen MALE2020 diskutiert worden [3].
Von Frankreich ĂŒber Italien nach Schweden
In Frankreich hat der Hersteller Dassault Aviation die ersten Tests mit der Neuron abgeschlossen. Diese europĂ€ische Drohne wird nun in Italien bei Alenia Airmacchi weiter getestet, ehe es weiter nach Schweden geht, wo der Flugzeugbauer Saab die Testreihen komplettieren will. Saab ist fĂŒr die Entwicklung des Flugzeugrumpfes der Kampfdrohne zustĂ€ndig, wĂ€hrend die FlĂŒgel von der spanischen EADS-Tochter Casa kommen. Weiterhin sind die Schweizer RUAG und die griechische Hellenic Aerospace Industry am europĂ€ischen Demonstrator beteiligt. Zwischen 2020 und 2025 soll das System voll einsatzfĂ€hig sein.
Bis die europĂ€ische Drohne oder als mögliche Alternative das französisch-britische Future Combat Air System (FCAS, mit Beteiligung von BAE, Dassault, Rolls-Royce, Safran und Thales) einsatzbereit ist, wird sich die Bundeswehr entscheiden mĂŒssen, ob als Zwischenlösung eine bewaffnungsfĂ€hige Drohne gemietet oder gekauft werden soll. Zur Auswahl stehen die jeweils neuesten, waffenfĂ€higen Drohnen Heron TP aus Israel und Predator B aus den USA. In Afghanistan setzt Deutschland derzeit angemietete Heron-Drohnen unter dem Namen SAATEG Zwischenlösung [4] ein, die allein fĂŒr AufklĂ€rungsflĂŒge geeignet sind. Erst in der vergangenenen Woche wurde nach Zustimmung des Verteidigungsausschusses der Mietvertrag fĂŒr dieses "System zur abbildenden AufklĂ€rung der Tiefe des Einsatzgebietes" bis Februar 2016 verlĂ€ngert. (anw [5])
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[1] http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/!ut/p/c4/NU4xDsIwEHtLP5BrKgZga-mCBAsLlAWlzak60Vyq49ouPJ5kwJYsWZYtwxMS2a00OqXIboIHdAMd-830YR1NIKaPotASjEd5_b0R9Mhwz3WPZoiMmlWRlZKO4jSKmaPolJNFJCWGPHSlbZvSln_Y7-FyrU-Vtbv23NzyYL9VE_E7HYm8oih6mEPYb3VR_ADUYqxS/
[2] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-ursula-von-der-leyen-laesst-kampfdrohnen-entwickeln-a-1026373.html
[3] https://www.heise.de/news/ILA-2014-Auf-zu-neuen-Drohnen-2195049.html
[4] http://www.ila-berlin.de/ila2014/konferenzen2014/upload2014/SAATEG%20ZwL%20AFG%202014-05-21.pdf
[5] mailto:anw@heise.de
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