VerschÀrfte biometrische Grenzkontrollen in der EU beginnen
(Bild: dpa, Oliver Berg)
Die Mitgliedstaaten mĂŒssen jetzt an den AuĂengrenzen die biometrischen Daten auch von EU-BĂŒrgern mit Fahndungslisten bei Ein- und Ausreise abgleichen. Hierzulande sind See- und FlughĂ€fen betroffen.
Seit Freitag greifen in der EU Vorgaben fĂŒr schĂ€rfere Grenzkontrollen an den AuĂengrenzen des Schengenraums [1], zu dem neben den 22 Mitgliedsstaaten die Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz gehören. Die zustĂ€ndigen KrĂ€fte der betroffenen LĂ€nder mĂŒssten jetzt die biometrischen Daten aus ReisepĂ€ssen auch von EU-BĂŒrgern "systematisch" mit Fahndungslisten und Datenbanken der Sicherheitsbehörden wie dem Schengener Informationssystem [2], der Asylbewerberdatei Eurodac [3] oder dem Visa-System VIS [4] bei der Einreise abgleichen, erklĂ€rte eine Kommissionssprecherin der Nachrichtenagentur AFP.
Bislang mussten an den AuĂengrenzen lediglich die Daten von BĂŒrgern aus Drittstaaten ĂŒberprĂŒft werden. FĂŒr diese gilt nun, dass ein Abgleich auch bei der Ausreise durchzufĂŒhren ist. Die neuen Regeln ergeben sich aus einer Novelle des Schengener Grenzkodexes vom vorigen Jahr. Die EU-Innenminister reagierten damit auf die AnschlĂ€ge in Paris [5] im November 2015. Ziel sei es sicherzustellen, "dass Personen, welche die Grenzen ĂŒberqueren, keine Bedrohung fĂŒr die öffentliche Ordnung oder innere Sicherheit darstellen", heiĂt es dazu bei der BrĂŒsseler Regierungseinrichtung. Im Vordergrund stehe die TerrorismusbekĂ€mpfung.
Dschihadisten im Visier
Verhindern wollen die EU-Staaten mit der Umstellung vor allem, dass aus dem alten Kontinent ausgereiste Dschihadisten unerkannt etwa von Syrien oder dem Irak aus zurĂŒckkehren und AnschlĂ€ge verĂŒben. Laut BrĂŒsseler Angaben sollen sich bis zu 5000 EU-BĂŒrger der Miliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben. Rund ein Drittel davon befinde sich wieder in Europa. Innerhalb der Schengenzone gibt es ĂŒblicherweise keine Ausweiskontrollen beim GrenzĂŒbertritt mehr.
Deutschland hat keine Landgrenzen am AuĂenbereich des Schengenraums, sodass hier der Reiseverkehr an den Flug- und SeehĂ€fen von den geĂ€nderten Bestimmungen betroffen ist. Die Bundespolizei versicherte, man wolle die Auswirkungen auf den Flugverkehr und Wartezeiten fĂŒr die Reisenden "so vertrĂ€glich wie möglich halten". Laut dem ĂŒberarbeiteten Kodex soll der Verkehrsfluss nicht "unverhĂ€ltnismĂ€Ăig" behindert werden, gegebenenfalls sind Ausnahmen möglich. Reiseveranstalter warnten trotzdem vor möglichen Verzögerungen an Kontrollpunkten. "Das muss jetzt erstmal anlaufen", hieĂ es bei der Bundespolizei. Man erwarte zunĂ€chst "keine gröĂeren Schlangen". (axk [6])
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[2] https://www.heise.de/news/Anti-Terror-Kampf-Schengen-Informationssystem-soll-massiv-aufgebohrt-werden-3579659.html
[3] https://www.heise.de/news/Eurodac-EU-Behoerden-sollen-Fluechtlinge-zur-Abgabe-von-Fingerabdruecken-zwingen-koennen-3565344.html
[4] https://www.heise.de/news/Schengener-Visa-Informationssystem-gestartet-1359481.html
[5] https://www.heise.de/news/Antwort-auf-Terror-von-Paris-Grenzkontrollen-Datensammlungen-Datenaustausch-3010264.html
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