Versandapotheken: DocMorris wittert MillionengeschÀft mit E-Rezepten
(Bild: DocMorris, Tobias Zeit 2016)
Erst mischt DocMorris den Apothekenmarkt mit seinem Online-Versand fĂŒr Medikamente auf. Jetzt treibt der Chef das elektronische Rezept voran.
Der Apothekenschreck DocMorris will stationĂ€ren Apotheken nach der EinfĂŒhrung elektronischer Rezepte noch mehr GeschĂ€ft abjagen. WĂ€hrend Patienten heute erst 1,3 Prozent aller verschreibungspflichtigen Medikamente in Versandapotheken bestellen, könnte der Anteil mit E-Rezepten schnell auf 10 Prozent steigen, sagte der Chef der Schweizer DocMorris-Mutter Zur Rose, Walter OberhĂ€nsli, der Deutschen Presse-Agentur. "Dann ist die Versandapotheke nur noch einen Klick entfernt", sagte OberhĂ€nsli.
Konkurrenzkampf gegen stationÀre Apotheken
Der Jurist, der Apothekern mit niedrigen Preisen und Automaten fĂŒr Medikamente den Kampf angesagt hat, will Dampf machen: "Wir werden uns dafĂŒr einsetzen, dass das E-Rezept schnell und flĂ€chendeckend umgesetzt wird, weil dann die Chance wĂ€chst, dass der Kunde bei uns kauft statt in einer stationĂ€ren Apotheke." DocMorris mit Sitz in den Niederlanden ist die gröĂte Versandapotheke Europas und hat nach Angaben von OberhĂ€nsli bei verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland einen Marktanteil von rund 40 Prozent.
OberhĂ€nsli rechnet damit, dass das notwendige Gesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet wird [1]. Im Idealfall, so OberhĂ€nsli, könnten dann nach einem Jahr alle Ărzte elektronisch Rezepte ausstellen und alle Apotheken diese Rezepte auslesen.
Rezeptpflichtige Medikamente sind ein lukrativer Markt. Der Umsatz wĂ€chst unter anderem wegen der alternden Bevölkerung. 2017 betrug er in Deutschland nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde gut 29 Milliarden Euro, fĂŒnf Prozent mehr als 2016.
Elektronisches Rezept fĂŒr schnelle Online-Bestellungen
DocMorris dringt darauf, dass das E-Rezept nicht auf dem Chip in der Gesundheitskarte [2] gespeichert wird, sondern mobil zur VerfĂŒgung steht, damit es mit einem Klick an die Versandapotheke gehen kann. Bislang muss noch das Papierrezept per Post eingeschickt werden. Bis zur Lieferung dauert es dadurch ein paar Tage.
Die Patienten sparen, weil VersandhĂ€ndler nur die HĂ€lfte der RezeptgebĂŒhr in Höhe von maximal zehn Euro verlangen. Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Ă€ndern will, Ă€rgert OberhĂ€nsli. "Wenn Apotheker darauf bestehen, dass alle gleich lange SpieĂe haben, könnte man ja allen solche Boni gestatten, statt sie zu verbieten", meinte er. Er rechnet auch ohne Preisvorteil damit, dass Kunden den Komfort einer Online-Bestellung schĂ€tzen.
Eigene Technik fĂŒr E-Rezepte im Test
In der Schweiz und in Schweden, wo es elektronische Rezepte gibt, liege der Anteil des Online-Handels bei zehn Prozent. "Es spricht nichts dagegen, dass es in Deutschland auch in die Richtung geht", sagte OberhĂ€nsli. In Schweden sei der Anteil in vier Jahren erreicht worden. Zur Rose hat eine Technologie fĂŒr E-Rezepte entwickelt, die gerade mit der Techniker-Krankenkasse ausprobiert wird. Ob sich dieser Standard durchsetze oder ein anderer, sei aber egal. "Ich möchte ja gar nicht auf meinem Grabstein stehen haben: Er hat Deutschland mit dem elektronischen Rezept beglĂŒckt", sagt OberhĂ€nsli.
Der Schweizer hĂ€lt an seiner Idee von Medikamentenautomaten trotz einer vorlĂ€ufigen Niederlage vor Gericht fest. Die Automaten werfen Arznei aus, nachdem der Kunde ĂŒber einen Bildschirm einen Apotheker konsultiert hat. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hatte Anfang April das Verbot eines solchen DocMorris-Automaten [3] in HĂŒffenhardt in Baden-WĂŒrttemberg bestĂ€tigt. OberhĂ€nsli erwĂ€gt Berufung. "Ich bin mir sicher, dass die Automaten kommen werden. Ich weiĂ nur nicht, wann. Sie erfĂŒllen einen Bedarf in strukturschwachen Gegenden."
Die EU-Kommission hat Empfehlungen dazu herausgegeben, wie EU-BĂŒrger im EU-Ausland an ihre elektronische Patientenakte herankommen können.
Nach der jĂŒngsten Ăbernahme der drittgröĂten E-Commerce-Apotheke medpex Anfang des Jahres sind nach OberhĂ€nslis Angaben keine weitere ZukĂ€ufe geplant. "Wir wollen unseren Marktanteil im VersandgeschĂ€ft von ĂŒber 30 Prozent verteidigen." Dazu gehören auch Pflegemittel ohne Rezept. "Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sind es schon rund 40 Prozent. Da wird die Luft schon dĂŒnn, das noch auszubauen."
Online-Marktplatz fĂŒr Apotheken geplant â Vorbild: Amazon
Apotheker sind zwar nicht gut auf DocMorris zu sprechen, aber OberhĂ€nsli will sie mit einem neuen Projekt ins Boot holen. Er will den Gesundheitsmarkt mit einer Plattform nach dem Vorbild von Amazon aufrollen. "Wir haben in Spanien die Firma Promofarma gekauft, die einen Marktplatz Ă€hnlich wie Amazon betreibt, und sie arbeitet schon mit 700 Apothekern zusammen. Das ist ein Modell, das uns auch fĂŒr Deutschland vorschwebt." In Spanien stĂŒnden die Apotheker Schlange, um mitzumachen, sie hĂ€tten jĂ€hrliche UmsatzzuwĂ€chse von 20 Prozent.
Kunden könnten auf der Plattform nach Pflegemitteln suchen. Ein Algorithmus zeige ihnen, bei welcher Apotheke sie zu welchem Preis kaufen können. Die Auslieferung ĂŒbernimmt die Plattform. Zur Rose verdiene an jedem Kauf mit. In Deutschland könne das Projekt 2020 starten, sagte OberhĂ€nsli. (tiw [7])
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[3] https://www.heise.de/news/Gericht-DocMorris-darf-Apothekenautomaten-vorerst-nicht-betreiben-3743863.html
[4] https://www.heise.de/news/Patientenakte-EU-hofft-auf-Zugriff-ueber-Grenzen-hinweg-4299176.html
[5] https://www.heise.de/news/Bundesrechnungshof-moniert-schleppende-Vernetzung-des-Gesundheitswesens-4283187.html
[6] https://www.heise.de/news/Studie-Deutsches-Gesundheitswesen-schwach-bei-Digitalisierung-4235228.html
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