Verkehrswende: Fahrradlobby und Kommunen sehen Chancen fĂŒr mehr Fahrradverkehr
(Bild: Canetti/Shutterstock.com)
Bis 2030 soll sich auf den deutschen StraĂen fĂŒr Fahrradfahrer einiges verbessern. Das hat sich der Bund vorgenommen und will dafĂŒr auch mehr investieren.
Die Fahrradlobby und die Kommunen sehen groĂe Chancen fĂŒr eine verkehrspolitische Trendwende zugunsten des Radfahrens. RĂŒckenwind erhoffen sie sich vom Bund, der in der vorigen Woche einen Nationalen Radverkehrsplan aufgestellt hatte. Er enthĂ€lt Handlungsempfehlungen und Strategien, um bis 2030 den Radverkehr auf dem Land und in der Stadt zu fördern und die Bundesrepublik bis zum Ende des Jahrzehnts zum "Fahrradland" auszubauen.
Verdoppelung gegenĂŒber 2020
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will Details am Dienstag bei einem Kongress in Hamburg prĂ€sentieren. Nach der Verabschiedung des Plans hatte der CSU-Politiker angekĂŒndigt, der Bund investiere bis 2023 etwa 1,46 Milliarden Euro in den Radverkehr [1]. Die finanzielle Förderung des Radverkehrs durch Bund, LĂ€nder und Kommunen solle sich perspektivisch an rund 30 Euro je Person und Jahr orientieren, doppelt so viel wie 2020.
Die vom Bund seit Ende Januar zur VerfĂŒgung gestellten Sonderzahlungen fĂŒr den Ausbau der Radinfrastruktur werden nach Scheuers Angaben von LĂ€ndern und Gemeinden stark nachgefragt. "Circa 150 Kilometer neue Radwege und 1790 neue FahrradstellplĂ€tze wurden in den ersten drei Monaten beantragt", sagte der Minister den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). "79 Millionen Euro Finanzhilfen aus dem Sonderprogramm sind dafĂŒr schon gebunden, und die nĂ€chsten AntrĂ€ge aus den LĂ€ndern werden bereits geprĂŒft." Unter bereits bewilligten 144 MaĂnahmen seien neben neuen Radwegen und FahrradstellplĂ€tzen auch 17 RadwegbrĂŒcken beziehungsweise RadwegunterfĂŒhren, hieĂ es.
Beitrag zum Klimaschutz â Momentum nutzen
Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Deutschen StĂ€dte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, sagte, viele Kommunen förderten bereits seit Jahren den Radverkehr und leisteten so einen Beitrag zum Klimaschutz. "Mit den zusĂ€tzlichen Mitteln fĂŒr die Radverkehrsförderung besteht die Chance, eine Trendwende fĂŒr den Radverkehr in allen Kommunen zu schaffen. Dieses Momentum gilt es nun zu nutzen."
Der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), Ludger Koopmann, hob in einer gemeinsamen Mitteilung mit dem DStGB hervor, dass das Bundesverkehrsministerium nun erstmalig auch kommunale Radinfrastruktur finanziere. "Bisher scheiterte die Umsetzung vieler Radwege-PlĂ€ne auch am Geld - damit ist jetzt Schluss." Radwege mĂŒssten sicher, komfortabel und lĂŒckenlos sein, damit mehr Menschen als bisher das Rad fĂŒr ihre tĂ€glichen Wege nutzten.
Mehr Radschnellwege und Platz fĂŒr LastenrĂ€der
Der Radverkehrsplan sieht bis Ende der 2020er Jahre mehr Radschnellverbindungen vor, mehr RĂŒcksicht auf LastenrĂ€der und einen Ausbau von FahrradparkplĂ€tzen. AuĂerdem sollen die Wege fĂŒr FahrrĂ€der und Autos möglichst getrennt geplant werden.
Der Plan soll dabei helfen, dass die Menschen in Deutschland anstelle von durchschnittlich 120 Wegen bis 2030 gut 180 Wege pro Jahr mit dem Rad zurĂŒcklegen. Das entsprĂ€che einem Anstieg von einer durchschnittlichen WeglĂ€nge von 3,7 Kilometern auf sechs Kilometer.
Dabei sollen Radfahrer sicherer unterwegs sein: GegenĂŒber 2019 soll die Zahl der im Verkehr getöteten Radfahrer um 40 Prozent sinken. Um den Plan zu entwickeln, hatten sich BĂŒrger mit mehr als 2000 Ideen einbringen können.
(kbe [3])
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