VW Golf BlueMotion II: Mini-Verbrauch mit dem neuen 1.6 TDI

VW hat die seriennahe Studie des neuen Golf BlueMotion vorgestellt. Dem neuen Downsizing-Dieselmotor und einigen neuen Spartricks verdankt sie einen Verbrauch von nur 3,8 Liter Diesel auf 100 km

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Wolfsburg, 8. September 2008 – Mit dem Golf VI geht auch die Pumpe-Düse-Einspritzung in den Ruhestand, der neue Golf wird nur noch mit Common-Rail-Dieselmotoren angeboten. Unterhalb des 2.0 TDI mit 140 PS wird es zunächst eine etwas schwächere Variante mit 110 PS und ebenfalls 2.0 Liter Hubraum geben, doch dabei bleibt es nicht. Volkswagen hat nun den Golf BlueMotion mit dem 1.6-TDI-Motor vorgestellt, der im Vergleich zum 2,0-Liter-Diesel einen deutlich niedrigeren Verbrauch verspricht.

VW präsentiert die Studie des Golf BlueMotion als „weltweit sparsamstes Automobil seiner Klasse“. Der Verbrauch soll bei nur 3,8 Liter auf 100 Kilometer liegen, die CO2-Emissionen bei 99 Gramm pro Kilometer. Damit ist der Golf ebenso verbrauchsgünstig wie die derzeit sparsamsten Kleinwagen. Die knauserigsten Autos mit mehr als zwei Sitzplätzen im Volkswagen-Konzern sind das noch erhältliche alte Modell des Seat Ibiza in der Ecomotive-Version sowie der Polo BlueMotion. Beide brauchen wie die neue Golf-Studie 3,8 Liter. Minimal sparsamer ist der derzeit eingeführte Ford Fiesta Econetic mit 90 PS und einem Verbrauch von 3,7 Liter. Noch weniger verbraucht nur der Diesel-Smart mit 3,3 Liter auf 100 Kilometer. Auch am Toyota Prius zieht der Golf BlueMotion locker vorbei, denn dieser braucht 4,3 Liter Benzin auf 100 Kilometer und liegt auch mit 104 g/km CO2 hinter der Golf-Studie.

VW Golf BlueMotion II: Mini-Verbrauch mit dem neuen 1.6 TDI (11 Bilder)

99 Gramm CO2 pro Kilometer emittiert die Studie des BlueMotion auf Basis des Golf VI.

Angetrieben wird der BlueMotion von einem neuen Common-Rail-Turbodiesel. Der Vierventil-Vierzylinder leistet 105 PS und entwickelt bei 2000 Umdrehungen sein maximales Drehmoment von 250 Newtonmeter. So beschleunigt er den Golf BlueMotion in 11,3 Sekunden auf 100 km/h und erlaubt eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Der Golf ist mit einem Dieselpartikelfilter ausgerüstet und erfüllt die Euro-5-Abgasnorm – wie übrigens alle Motorisierungen der Golf VI. Wie bei allen BlueMotion-Modellen helfen auch der Golf-Studie längere Getriebeübersetzungen beim Sparen – auch hier müssen fünf Gänge reichen. Auch die Verwendung rollwiderstandsarmer Reifen und spezielle aerodynamische Maßnahmen sind von den älteren BlueMotion-Modellen bekannt.

Zudem wird der „BlueMotion II“, wie wir ihn der Einfachheit halber taufen wollen, nach Angaben eines VW-Sprecher mit zwei technischen Maßnahmen auf Sparsamkeit getrimmt, die das Unternehmen erstmals einsetzt. Zum einen wird ein Start-Stopp-System besonders bei Stadtverkehr den Verbrauch nochmals drücken. Außerdem wird der Golf BlueMotion eine Rekuperation in Schub- und Bremsphasen beherrschen. Praktisch heißt das, dass beim Bremsen, Bergabfahren oder Ausrollen elektrische Energie in die Batterie eingespeist wird, ähnlich wie es bei Hybridfahrzeugen üblich ist. Diese elektrische Energie dient zwar nicht dem Antrieb, reduziert aber indirekt dennoch den Verbrauch, weil dem Verbrennungsmotor weniger Energie zum Erzeugen elektrischer Energie abverlangt wird.

Verantwortlich für das Knacken der 4,0-Liter-Grenze im EU-Zyklus dürfte aber in erster Linie der neue 1.6 TDI sein. Das zeigt der Vergleich mit dem 110 PS starken neuen Golf 2.0 TDI: Dieser verbraucht 4,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Damit ist der Golf BlueMotion 1.6 TDI gut 15 Prozent sparsamer als das aktuelle Modell – oder auch der alte BlueMotion auf Grundlage des Golf V, der ebenfalls 4,5 Liter brauchte. Wann die neuen 1.6 TDI in Serie gehen, teilt VW derzeit noch nicht mit. Auch in welchem Auto die Motoren debütieren werden – im Golf oder im 2009 fälligen, neuen Polo – ist noch nicht bekannt.

Immerhin soll der Aufpreis zum normalen Golf günstig ausfallen, so viel ließ man sich auf Nachfrage bereits entlocken. Dass der 1.6 TDI der BlueMotion-Ausführung vorbehalten bleibt, erscheint ohnehin unwahrscheinlich. Die zunächst verfügbare 2.0-Variante mit nur 5 PS mehr wirkt doch ein wenig wie eine Übergangslösung, zu groß sind die Verbrauchsvorteile des neuen „Downsizing-Diesels“. Und dann sind da ja noch die Konzerntöchter Seat und Skoda, die ihre 1,9-Liter-Dieselmotoren mit 105 PS ebenfalls gerne ausmustern würden. Angesichts der Euro 5, die September 2009 ansteht, dürfte auch bei ihnen der kleine Common-Rail-Diesel nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Bereits jetzt gibt es Kunden, die lieber auf den 1.6 TDI warten und den alten Pumpe-Düse-Diesel nicht mehr haben wollen. (imp)