VW Eco Up: Erdgaszwerg für Vielfahrer

VWs Stadtflitzer Up gibt es auch mit Erdgasantrieb. Auf den ersten Blick ist er kaum von seinem konventionellen Bruder zu unterscheiden, doch was ist von ihm in der Praxis zu halten? Wir haben ihn kurz ausprobiert

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Der Kleinstwagen VW Up ist auch mit Erdgasantrieb erhältlich.
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  • tju
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Haar, 8. Januar 2013 – VW gehört – was die Serie betrifft – nicht gerade zu den Vorreitern bei alternativen Antrieben, sofern man von Elektro- oder Hybridfahrzeugen spricht. Bei Erdgasantrieben dagegen hat VW einige interessante Fahrzeuge im Angebot. Das jüngste Modell ist der "Eco Up", mit dem wir uns etwas näher befassten.

Erdgas. Nicht zu verwechseln mit Autogas. Autogas findet man an der Tankstelle unter LPG (Liquified Petroleum Gas). Es fliest flüssig aus dem Zapfhahn. Erdgas wird gasförmig getankt und läuft unter der Abkürzung CNG (Compressed Natural Gas). Bezahlt wird beim Autogas pro Liter, beim Erdgas hingegen pro Kilogramm.

VW Eco Up: Erdgaszwerg für Vielfahrer (16 Bilder)

Der Kleinstwagen VW Up ist auch mit Erdgasantrieb erhältlich.

In den vergangenen Jahren wurden in den USA riesige Mengen an Erdgas entdeckt. Seither sind die USA, abgesehen von Russland, das Land mit der höchsten Förderrate für Erdgas. Aufgrund der vorhandenen Vorräte und fehlender Preisbindung zwischen Erdgas und Erdöl erwartet man bei VW eine recht flach verlaufende Preisspirale beim Erdgas. Bei derzeit angenommenen Erdgasvorräten von 525.000 Milliarden Kubikmetern und einer jährlichen Fördermenge von rund 3000 Milliarden Kubikmetern ist auch das Ende der Erdgasreserven absehbar. Allerdings versteht man in Wolfsburg den Erdgasantrieb sowieso nur als Brückentechnologie in die Zukunft – und hat noch einen Trumpf im Ärmel: Mit Biomethan kann eine erdgasähnliche Substanz auch künstlich hergestellt werden.

Biomethan, auch als Bioerdgas bekannt, ist anders als Erdgas nicht fossilen Ursprungs, sondern wird zum Beispiel aus pflanzlichen Reststoffen gewonnen. Es steht damit nicht im Wettbewerb zu Nahrungsmitteln und gilt als CO2-neutral, da nur die Menge an Kohlendioxid bei der Verbrennung abgegeben wird, die zuvor beim Wachstum aufgenommen wurde. Erdgasautos wie der VW Eco Up können jederzeit auch mit Biomethan angetrieben werden.

Die CO2-Emissionen von Erdgas-Vehikeln liegen circa 24 Prozent unter denen benzinbetriebener Fahrzeuge. Werden dem Erdgas an der Tankstelle 20 Prozent Biomethan beigemischt, reduzieren sich die CO2-Ausstöße schon um 39 Prozent. Wird reines Biomethan getankt, erzeugen die Autos bis zu 97 Prozent weniger CO2. Von gut 900 Tankstellen in Deutschland die CNG anbieten, halten 96 reines Biomethan bereit, insgesamt 270 bieten Bio-Erdgas mit unterschiedlichem Biomethan-Anteil an.

Bereits Anfang der 90er Jahre stattete Volkswagen Autos mit Erdgasantrieben aus – damals allerdings nur als Nachrüstung. Der erste Serien-Erdgas-VW war 2002 der Golf Variant BiFuel. Heute bieten die Wolfsburger mit dem Caddy 2.0 EcoFuel, dem Caddy Maxi 2.0 EcoFuel, dem Touran 1.4 TSI EcoFuel, dem Passat und Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel und eben dem Eco Up gleich sechs erdgasbetriebene Fahrzeuge in verschiedenen Klassen an.

Der Kleinste in der Wolfsburger Erdgasfamilie ist der Eco Up. Gut ein Jahr nach der Markteinführung des Stadtflitzers hat man ihm nun zwei Gastanks verpasst. Einer sitzt vor der Hinterachse, dort wo sich ursprünglich der Benzintank befand, der andere klebt hinter der Achse, anstelle des Ersatzrads. Elf Kilogramm Erdgas passen in die beiden Tanks, sie reichen für 380 Kilometer. Um die Reichweite zu verlängern, hat der Eco Up trotz eigentlich monovalenter Auslegung (er ist quasi ein reines Erdgasfahrzeug, kein Hybrid) einen kleinen Benzintank im Gepäck. Die zehn Liter Benzin addieren weitere 220 Kilometer und sorgen so für eine Gesamtreichweite von 600 Kilometern.

68 PS wirft der Kleinstwagen ins Rennen und liegt so zwischen den beiden Ottovarianten mit 60 beziehungsweise 75 Pferdchen. Damit ist der Up kein Rennpferd, zum Überholen auf der Landstraße reicht die Kraft aber allemal und auf der Autobahn spurtet er bis 164 km/h Höchstgeschwindigkeit. Geschaltet wird, wie bei den Ottobrüdern auch, mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe.

Dass er anders ist als die anderen, zeigt sich in drei Punkten: Geräuschkulisse, Verbrauchsanzeige und Tankvorgang.

Beim Hochdrehen kommt einem der Up dank höherer Verdichtung anfangs recht laut vor, man gewöhnt sich jedoch rasch an den etwas härteren Klang. Gewöhnungsbedürftig ist auch die Instrumententafel, denn die Füllstände für den Benzin- und den Erdgastank werden in einem Instrument dargestellt. Beim Einschalten der Zündung zeigt der Zeiger zunächst zwei Sekunden lang links unten an, wie viel Benzin noch an Bord ist – dann wandert er weiter und gibt Auskunft über den Erdgas-Ladestand. Doch keine Angst: Befindet sich der gerade nicht angezeigte Tank im Reservebereich, leuchtet dessen Zapfsäulen-LED im unteren Teil der Anzeige auf.

Beide Tanköffnungen befinden sich ganz klassisch unter dem Tankdeckel. Einzig die Befestigung des Stutzens erfordert ein wenig Übung, ist aber nach wenigen Tankvorgängen Routine. Dann weist nur noch ein leichtes Zischen statt des andauernden Blubberns darauf hin, dass hier keine Flüssigkeit in den Tank läuft. Die Kosten für ein Kilogramm Erdgas liegen bei unter einem Euro. Auf 100 Kilometer benötigt der Up laut Datenblatt 2,9 Kilogramm Erdgas. Im echten Leben dürften es ein paar Gramm mehr sein. Realistisch sind also Kosten von ungefähr drei Euro für eine Hundertkilometerfahrt.

Nicht optimal gelöst ist bisher die Angabe des CNG-Preises in Kilogramm. Da Benzin, Diesel und Autogas in Litern gepreist werden, fehlt vielen Fahrern hier die Vergleichbarkeit an der Zapfsäule. Volkswagen plädiert daher für eine Auszeichnung der Erdgaskosten mit einem Liter-Benzin-Äquivalent.

Bis die Vergleichbarkeit hergestellt ist, muss man sich mit einem einfachen Trick behelfen: Wie weit kommt man in einem Kompaktfahrzeug mit einer Zehn-Euro-Tankfüllung? Laut VW sind's derzeit mit Super circa 103, mit Diesel 164, mit Autogas 167 und mit Erdgas 220 Kilometer.

Der Einstiegspreis für den Eco Up liegt bei 12.950 Euro. Zum Vergleich: Der 60-PS-Benziner ist ab 9975 Euro zu haben, für die 75-PS-Variante muss man mindestens 10.575 Euro auf den Tisch legen.

Modell VW Eco Up
Motorart Otto-Reihenmotor für Erdgas- und Benzinbetrieb
Zylinder 3
Hubraum in ccm 999
Leistung in PS 68
Leistung in kW 50
bei U/min 6.200
Drehmoment in Nm 90
bei U/min 3.000
Antrieb Frontantrieb
Gänge 5
Getriebe Schaltgetriebe
Spurweite vorn in mm 1.428
Spurweite hinten in mm 1.424
Radaufhängung vorn Federbeine, untere Dreiecksquerlenker
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse
Bremsen vorn Scheiben, innenbelüftet
Bremsen hinten Trommeln
Wendekreis in m 9,8
Räder, Reifen vorn 165/70 R 14
Räder, Reifen hinten wie vorn
Lenkung elektromechanische Servolenkung
Länge in mm 3.540
Breite in mm 1.645
Höhe in mm 1.489
Radstand in mm 2.420
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1.031
Zuladung in kg 414
Kofferraumvolumen in Liter 251
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 951
Dachlast in kg 50
Tankinhalt in Liter 11 kg Erdgastank, 10 l Benzintank
Kraftstoffart Erdgas (CNG), Super
Höchstgeschwindigkeit in km/h 164
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 16,3
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 2,9 kg Erdgas (4,4 l Super)
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 3,6 kg Erdgas (5,5 l Super)
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 2,5 kg Erdgas (3,8 l Super)
CO2-Emission in g/km 79
Autonews Datenblatt-ID 33453
ASR Serie
ABS Serie
ESP Serie
Währung Euro
Grundpreis 12.950
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn Serie
elektr. Fensterheber vorn 465 (im Paket)
Manuelle Klimaanlage 905
Zentralverriegelung mit Fernbed. 465 (im Paket)
Navigationssystem 360
CD-Player 360
MP3 360 (in Verbindung mit dem Radio)
Metallic-Lackierung 455
Sitzhöheneinstellung 465 (im Paket)
Modell VW Eco Up

(imp)