Unterhaltungselektronik dank Flachbildschirmen auf Erfolgswelle
Die Branche der Unterhaltungselektronik schwimmt seit gut drei Jahren auf einer Erfolgswelle. Von der Internationalen Funkausstellung erwarten die Firmen dank Generationswechsel von analoger zu digitaler Technik wieder gute GeschÀfte.
Die Branche der Unterhaltungselektronik schwimmt seit gut drei Jahren auf einer Erfolgswelle. Flachbildschirme und andere digitale Technik treiben das GeschĂ€ft an und sind Verkaufsschlager. Die Branchenthese "Wachstum durch Innovationen" schlage sich jetzt in klingender MĂŒnze nieder: "Gestiegene UmsĂ€tze fĂŒr alle GerĂ€tebereiche mit technischen Neuerungen sind der klare Beweis dafĂŒr", meint zumindest Hans-Joachim Kamp, Vorsitzender des Fachverbandes Consumer Electronics [1] im ZVEI [2].
Im ersten Halbjahr 2006 konnte der Schwung aus dem Vorjahr mitgenommen werden. Der Markt der klassischen Unterhaltungselektronik soll in diesem Jahr prozentuell zweistellig auf mehr als 13,5 Milliarden Euro wachsen. Im ersten Halbjahr lag das Wachstum bei neun Prozent. Da kann die Computertechnik (Laptops, PCs, Drucker) derzeit nicht mithalten. Auch der Markt fĂŒr Mobil- und Festnetztelefone stagniert. 2005 war der Umsatz der gesamten Branche um 7,6 Prozent auf 21,7 Milliarden Euro gestiegen.
"Dies zeigte, dass innovative Produkte selbst bei einem schlechten Konsumklima die Kunden reizen", meint Philips [3]-Deutschlandchef Kamp. Der Generationswechsel von analoger zur digitalen Technik treibt das GeschĂ€ft. Deshalb blicken Industrie und Handel erwartungsvoll auf die Internationale Funkausstellung (IFA [4]) vom 1. bis 6. September in Berlin. Denn bei der weltgröĂten Branchenschau in den Hallen unter dem Funkturm wurden im Vorjahr AuftrĂ€ge fĂŒr ĂŒber 2,5 Milliarden Euro in die BĂŒcher geschrieben.
Im ersten Halbjahr waren Flachbild-Fernseher in Deutschland der erwartete Renner â vor allem wegen der FuĂball-WM. Der Branche zufolge wurden 130 Prozent mehr LCD- und 80 Prozent mehr Plasma-TV- GerĂ€te verkauft. Der gesamte Umsatz mit TV-GerĂ€ten war in dem Zeitraum um rund 30 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2005. Die neue Flachbildtechnik bringe inzwischen 45 Prozent der StĂŒckzahl und 80 Prozent des Umsatzes mit Fernsehern. Knapp 80 Prozent der KĂ€ufe sind Ersatzbeschaffungen. Denn in den deutschen Haushalten stehen weit ĂŒber 50 Millionen FernsehgerĂ€te. "Davon sind aber erst maximal 10 Prozent Flachbildschirme", sagt Rainer Hecker, Aufsichtsratsvorsitzender des IFA-Veranstalters Gesellschaft fĂŒr Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu [5]). "Nicht nur durch die Flachbildschirme, sondern auch durch neue digitale Anwendungen wie Festplattenrecorder oder hochauflösendes Fernsehen hat der Markt fĂŒr die Zukunft ein enormes Potenzial."
Die Absatzprognose fĂŒr 2006 lautet knapp sechs Millionen TV- GerĂ€te. Davon sollen nur noch 2,7 Millionen Röhrenfernseher sein. Die Röhre liegt zumeist im unteren Preis-Segment und hat als Auslauftechnik einen hohen Preisverfall. Bei den Flachbildschirmen ist nicht mehr mit so hohen PreisabschlĂ€gen zu rechnen wie noch in den Vorjahren bei der EinfĂŒhrung. "Die Leute gönnen sich gröĂere GerĂ€te, die teurer sind. Dadurch gibt es einen Umsatzzuwachs", sagt Hecker. Ein weiterer Beleg fĂŒr den Reiz der Digitaltechnik ist der schwindende Absatz des klassischen Videorecorders. In diesem Jahr sollen knapp 400.000 GerĂ€te verkauft werden, 1999 waren es noch ĂŒber drei Millionen StĂŒck. Der Absatz von DVD-Playern soll auf 2,8 Millionen sinken, im Jahr 2004 waren es noch rund 5 Millionen. Die Alternative heiĂt DVD-Recorder. Erwartet wird ein Absatz von zwei Millionen StĂŒck in diesem Jahr, davon 1,5 Millionen GerĂ€te mit integrierter Festplatte.
Auf der IFA wird das hochauflösende Fernsehen (HDTV) mit seinem schÀrferen, detailreichen Bild als marktreife Medienplattform prÀsentiert. Es gebe ein rasch wachsendes Angebot an Programmen und EndgerÀten, berichtet Kamp. Die Hersteller wollen viele serienreife EmpfÀnger zeigen. Im vergangenen Jahr ging HDTV in Deutschland zunÀchst praktisch ohne Zuschauer an den Start, weil die Receiver nicht rechtzeitig fertig wurden.
Die IFA betritt in diesem Jahr Neuland. Denn erstmals in ihrer 82- jĂ€hrigen Geschichte findet die weltgröĂte Branchenmesse im Jahresrhythmus statt [6]. Der Branchenboom und die rasante technische Entwicklung mit immer kĂŒrzeren Intervallen fĂŒr Neuentwicklungen hĂ€tte die Ănderung erzwungen, heiĂt es. Die Messe Berlin erwartet [7] auch fĂŒr die jĂ€hrliche IFA einen Erfolg. Denn es hĂ€tten ĂŒber 1000 Aussteller aus 40 LĂ€ndern ihre Beteiligung zugesagt. Im vergangenen Jahr gab es mit 1200 Anbietern eine Rekordbeteiligung. (Thorsten Gehrke, dpa) / (jk [8])
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[3] http://www.philips.de
[4] http://www1.messe-berlin.de/vip8_1/website/MesseBerlin/htdocs/www.ifa-berlin/index_flash/index.jsp
[5] http://www.gfu.de/
[6] https://www.heise.de/news/Alle-Jahre-IFA-Unterhaltungselektronik-schlaegt-Informationstechnik-141649.html
[7] https://www.heise.de/news/Funkausstellung-Stabile-Ausstellerzahl-bei-erster-jaehrlicher-Schau-120837.html
[8] mailto:jk@heise.de
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