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UngezÀhlte Stimmen: Wahlmaschinenhersteller gibt Fehler zu

Gerald Himmelein

Im Mai hatte der US-amerikanische Wahlmaschinenhersteller Premier die Fehlfunktion seiner GerĂ€te noch auf ein Antivirenprogramm geschoben. Jetzt gab die Firma zu: Ein Software-Fehler kann dazu fĂŒhren, dass Stimmen ungezĂ€hlt bleiben.

Anfang des Monats hatte der US-Bundesstaat Ohio eine Klage gegen [1] den Wahlsystemhersteller Premier Election Solutions eingereicht. Dessen Wahlmaschinen unterschlugen nachweislich Stimmen bei der AuszÀhlung.

Premier hatte zunĂ€chst ein Antiviren-Programm fĂŒr die Fehler verantwortlich gemacht und sogar kurz ĂŒber mögliche Bedienfehler gemutmaßt. Jetzt rudert der Konzern zurĂŒck: Es ist doch ein Software-Fehler. Die Schwachstelle stecke bereits seit zehn Jahren im System, gab Chris Riggall zu, ein Sprecher von Premier Election Systems.

Das Problem betrifft sowohl die Touch-Screen-Wahlmaschinen als auch die optischen LesegerĂ€te des Herstellers. Angeblich tritt es nur in großen Wahlkreisen auf, deren Ergebnisse nacheinander von mehreren Speicherkarten an eine zentrale Erhebungsstelle ĂŒbertragen werden. Hierbei kann es offenbar vorkommen, dass die Ergebnisse einer eingelesenen Speicherkarte nicht hochgeladen werden, wenn das GerĂ€t bereits die nĂ€chste Karte liest.

Premier versucht, die Schwere des Problems herunterzuspielen. GegenĂŒber der Washington Post [2] versicherte Riggall, sein Unternehmen sei zuversichtlich, dass Wahlleitern in den vergangenen Jahren aufgefallen sein mĂŒsse, wenn Stimmen gefehlt hĂ€tten. Der Software-Fehler macht sich dadurch bemerkbar, dass die Zahl der vor Ort eingelesenen Karten nicht mit der vom System zurĂŒckgemeldeten Anzahl ĂŒbereinstimmt.

Auch die StaatssekretĂ€rin von Ohio versicherte, in ihrem Bundesstaat seien keine Stimmen verloren gegangen. Das Problem sei in neun Wahlbezirken aufgetreten und sei dort stets vor der endgĂŒltigen AuszĂ€hlung aufgefallen.

Die Beseitigung der Schwachstelle wird nicht einfach sein. Ein Software-Patch kommt nicht in Frage, da Code-Änderungen erst von der Election Assistance Commission [3] ĂŒberprĂŒft und zertifiziert werden können. Dieser Vorgang dauert ĂŒblicherweise Jahre. Stattdessen erhalten die Wahlleiter eine Anleitung, um das Problem zu umschiffen.

Premier Election Solutions [4] ist eine Tochterfirma des Sicherheitskonzerns Diebold [5], die bis vor einem Jahr noch unter dem Namen Diebold Election Systems firmierte. In den USA setzen 34 Bundesstaaten Wahlmaschinen von Diebold/Premier ein. Etwa 1750 Wahllokale verwenden von der Schwachstelle betroffene Systeme. Neben Ohio nutzen auch Maryland und Virginia die fehlerhaften Systeme.

Das Problem war Wahlleitern in Butler County, Ohio, bei den Vorwahlen im MÀrz aufgefallen. Dort fehlten 150 Stimmen. Im Prozess zwischen Ohio und Premier geht es um die Frage, ob das Unternehmen seine VertrÀge und Garantien mit dem Bundesland verletzt hat. (ghi [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-198944

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Ohio-verklagt-Wahlmaschinenhersteller-wegen-verlorener-Stimmen-194492.html
[2] http://voices.washingtonpost.com/the-trail/2008/08/21/ohio_voting_machines_contained.html
[3] http://www.eac.gov/
[4] http://www.premierelections.com/
[5] http://www.diebold.com/
[6] mailto:ghi@ct.de