Unesco will Smartphones aus Schulen verbannen
(Bild: REC Stock Footage/Shutterstock.com)
Die Unesco sieht die Bildung an Schulen durch Smartphones gefÀhrdet. Die Mobiltelefone hÀtten deshalb im Unterricht nichts verloren.
Die Unesco empfiehlt, Smartphones aus Schulen fernzuhalten. Das geht aus dem "2023 Global Education Monitoring Report" (Zusammenfassung) [1] der UN-Agentur fĂŒr Bildung, Wissenschaft und Kultur hervor. SchĂŒler sollen dadurch im Unterricht weniger abgelenkt sein und sich besser auf den Lernstoff konzentrieren können. Zudem sollen die Kinder dadurch vor Cybermobbing geschĂŒtzt werden.
Laut Unesco gebe es einen Zusammenhang zwischen schlechten schulischen Leistungen und der ĂŒbermĂ€Ăigen Nutzung von Mobiltelefonen. Die hohe Nutzungsdauer habe negative Auswirkungen auf die emotionale StabilitĂ€t der Kinder, heiĂt es.
Bildung mĂŒsse menschenzentriert bleiben, erlĂ€utert die Unesco. Digitale Techniken hĂ€tten keinen Vorrang. Das gelte auch fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (KI), die die persönliche Interaktion mit dem Lehrer nicht ersetzen könne. Der Einsatz solcher Techniken werde ĂŒberbewertet. Die positiven Auswirkungen auf die Lernergebnisse und die wirtschaftliche Effizienz seien nicht so hoch. Nicht immer sei das Neue auch besser. Nur weil etwas neu ist, mĂŒsse es nicht zwangslĂ€ufig auch genutzt werden.
"Soziale Dimension" der Bildung im Blick behalten
Die "soziale Dimension" der Bildung dĂŒrfe nicht vernachlĂ€ssigt werden. Die Unesco fordert deshalb die politischen EntscheidungstrĂ€ger dazu auf, die zunehmende Verlagerung des Lernens auf das Internet, besonders an UniversitĂ€ten, im Blick zu behalten. Studierende mĂŒssten primĂ€r von Angesicht zu Angesicht unterrichtet werden.
Gleichwohl rĂ€umt die Unesco ein, dass die Digitalisierung ein hohes Potenzial mitbringt. Dieses mĂŒsse jedoch genutzt werden, um bessere Lernerfahrungen zu erzielen und das Wohlbefinden der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sowie der Lehrer zu erhöhen. Die BedĂŒrfnisse der Lernenden stĂŒnden an erster Stelle, LehrkrĂ€fte mĂŒssen in ihren BemĂŒhungen unterstĂŒtzt werden.
Die einzelnen LĂ€nder sollen sicherstellen, dass eindeutige Ziele und GrundsĂ€tze zur Verwendung digitaler Technik im Bildungswesen formuliert werden. Digitale Technik dĂŒrfe keinen Schaden anrichten. Das gelte sowohl hinsichtlich der Gesundheit der SchĂŒlerinnen und SchĂŒler als auch fĂŒr die Demokratie und die Verletzung der PrivatsphĂ€re sowie das SchĂŒren von Online-Hass.
Die Unesco sieht den Einsatz digitaler Technik in der Lehre weltweit ungleich verteilt. Viele Ă€rmere Menschen seien davon ausgeschlossen, weil eine digitale Bindungsstruktur teuer sei. Mit Sorge sieht die Unesco, dass der Einfluss von privaten Bildungsunternehmen anwachse. Sie versuchten, mit ihren kĂ€uflich zu erwerbenden digitalen Lernprodukten ihren Einfluss auf Bildung zu vergröĂern.
Immer mehr LĂ€nder wĂŒrden langsam erkennen, wie wichtig es sei, dass die Lernenden im Mittelpunkt stehen. So habe China etwa den Einsatz digitaler GerĂ€te als Lehrmittel auf 30 Prozent der Unterrichtszeit beschrĂ€nkt. Zudem haben die Lernenden regelmĂ€Ăige Bildschirmpausen einzulegen.
Handy-Verbote
In ihrer Analyse von 200 Bildungssystemen weltweit schĂ€tzt die Unesco, dass jedes sechste Land Smartphones in der Schule durch Gesetze oder Leitlinien verboten hat. Unter diesen LĂ€ndern befinden sich etwa Frankreich, das dies 2018 eingefĂŒhrt hat [2] sowie die Niederlande, die das Verbot ab 2024 einfĂŒhren werde [3].
In Deutschland gibt es kein einheitliches Handy-Verbot an Schulen und UniversitĂ€ten [4], weil ein Verbot zu stark in die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen sowie das Eigentumsrecht eingreifen wĂŒrde. An Schulen ist das temporĂ€re Einsammeln von Handys vor dem Unterricht jedoch möglich.
(olb [6])
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[1] https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000386147
[2] https://www.heise.de/news/Frankreichs-Parlament-beschliesst-Handyverbot-in-Schulen-4123439.html
[3] https://www.heise.de/news/Smartphones-sind-in-niederlaendischen-Klassenzimmern-bald-verboten-9207195.html
[4] https://www.heise.de/news/Handy-Verbot-an-Schulen-in-den-meisten-Bundeslaendern-kein-Thema-4124752.html
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