Umfrage zur Kreislaufwirtschaft: Mobile GerÀte sind oft noch Wegwerfprodukte
Zwei Menschen reparieren einen Computer.
(Bild: Elnur/Shutterstock.com)
Autos, BĂŒcher und FahrrĂ€der erhalten in Deutschland die besten Kreislaufwerte, Smartphones und Tablets werden hingegen oft noch als Wegwerfprodukte gesehen.
Laut einer Befragung im Auftrag des finnischen iPhone-Refurbish-Unternehmens Swappie spricht sich ein GroĂteil der deutschen Bevölkerung fĂŒr Recycling aus und betrachtet es als wichtigsten Faktor einer Kreislaufwirtschaft. Zugleich werden MobilgerĂ€te wie Smartphones und Tablets von rund der HĂ€lfte der Befragten als Wegwerfprodukte betrachtet.
FĂŒr ein Refurbishing sprechen sich je nach Wissensstand 74 bis 94 Prozent der Befragten aus. Unterschiede bei der Bewertung von KreislaufgerĂ€ten zeigten sich zwischen Apple- und Android-Nutzern sowie jĂŒngeren und Ă€lteren Menschen.
Recyceln, reparieren, Abfall vermeiden
Laut der im MĂ€rz 2023 unter 1.075 Teilnehmenden durchgefĂŒhrten reprĂ€sentativen Studie wird das Recycling als Teil einer Kreislaufwirtschaft mit 96,3 Prozent als am wichtigsten bewertet. Die Mehrfachverwendung von GerĂ€ten (94,4), die Reparatur (92,4), Abfallminimierung (91,8) und Ressourceneinsparung (90,8) werden ebenfalls von mehr als 90 Prozent der Befragten als wichtiger Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft genannt.
(Bild:Â Swappie)
83,8 Prozent der Befragten sprechen sich fĂŒr das Upcycling von Produkten aus, 74,1 Prozent fĂŒr das Refurbishing, gleichauf folgt das Sharing (74,1). Noch 73 Prozent der Befragten stufen das Verbot von geplantem ProduktverschleiĂ (geplante Obsoleszenz) als wichtig ein, 60,8 Prozent das Downcycling. Das Leasen von Produkten wird hingegen nur von 52,1 Prozent der Befragten als wichtiger Teil der Kreislaufwirtschaft gesehen.
Aus Sicht von Swappie ist der Begriff Refurbishing noch so neu, dass er den meisten Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht bekannt ist. Beim Refurbishing wird ein technisches GerĂ€t nach einer ĂberprĂŒfung erneuert und repariert, damit es fĂŒr den Wiederkauf bereit ist. Dies kann die Lebensdauer des GerĂ€ts erhöhen und zur Vermeidung von Elektroschrott beitragen. ErklĂ€re man den Begriff, steige die Zustimmung zum Refurbishment von 74,1 auf 94,7 Prozent, so Swappie. Der Refurbishing-Markt ist ein Wachstumsmarkt in der EU [1].
Je mehr SchubladengerÀte, desto...
In der Befragung zeigte sich laut Swappie auch, dass Apple-Nutzerinnen und -Nutzer das Refurbishing als wesentlich wichtiger einstufen als etwa Menschen mit Android-GerĂ€ten. iOS-Nutzer sprachen sich zu 83 Prozent dafĂŒr aus, Android-Nutzende zu 70,6 Prozent.
Robert Fritsche, Country Manager Swappie Deutschland, erklĂ€rt hierzu: "Das könnte daran liegen, dass iPhones lĂ€nger nutzbar sind, da der Hersteller Apple seine Software-Updates ĂŒber gröĂere ZeitrĂ€ume zur VerfĂŒgung stellt und selbst Ă€ltere Modelle noch gewinnbringend an Refurbisher verkauft werden können."
Auch gebe es eine Korrelation zwischen der Haltung der Menschen zu Refurbishing und der Zahl der angesammelten Handys und Smartphones in ihren Schubladen. So soll das Refurbishing von den Menschen als weniger wichtig erachtet werden, die vergleichsweise mehr AltgerÀte aufbewahren (0 GerÀte: 77,2 Prozent, 1 GerÀt: 75,7 Prozent, 2 GerÀte: 72,5 Prozent, 3 GerÀte: 72,6 Prozent, 4 GerÀte: 71,9 Prozent, 5 oder mehr GerÀte: 63,2 Prozent).
Kreislauf- oder Wegwerfprodukt?
Als Top-Kreislaufprodukt bewerteten die Befragten mit 79,9 Prozent das Auto. Hier sei laut Swappie allerdings auch der Anschaffungspreis sehr hoch und es habe sich ein guter Gebrauchtmarkt etabliert. Im Gegensatz dazu werden HaushaltsgerÀte mit 61,1 Prozent als die Top-Wegwerfprukte eingestuft. Nur noch 38,9 Prozent der Befragten sehen diese auch als Kreislaufprodukt.
Nach dem Auto als Top-Kreislaufprodukt folgen BĂŒcher mit 74,4 und FahrrĂ€der mit 73,9 Prozent. Computer und Laptops kommen schon auf wesentlich schlechtere Werte. Sie werden von 55,9 Prozent der Befragten noch als Kreislaufprodukt gesehen, bei Smartphones und Tablets (50,4 vs. 49,6 Prozent) gibt es schon ein knappes Unentschieden zwischen Kreislauf- und Wegwerfprodukt. Swappie möchte hier mit seiner Arbeit ansetzen und das Bewusstsein fĂŒr technische GerĂ€te, insbesondere Smartphones, als Kreislaufprodukt schĂ€rfen, erklĂ€rt Robert Fritsche.
(Bild:Â Swappie)
MĂ€nner und JĂŒngere sehen mehr Kreislauf-Potential
Die erhobenen Werte unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern und auch den Altersgruppen teilweise deutlich. So stufen MĂ€nner eher als Frauen GerĂ€te als Kreislaufprodukte ein. Bei HaushaltsgerĂ€ten stimmen 41,2 Prozent von ihnen fĂŒr das Kreislaufprodukt im Gegensatz zu 36,5 Prozent der Frauen (Ă 38,9 Prozent). Die Kategorie Computer/Laptops wird von 59,1 Prozent der MĂ€nner als Kreislaufprodukt gesehen, aber nur von 52,7 Prozent der Frauen (Ă 55,9 Prozent). Und auch Smartphones und Tablets geben MĂ€nner zu 52,5 Prozent eine Chance als Kreislaufprodukt, Frauen nur zu 48,1 Prozent (Ă 50,4 Prozent).
Bei den Altersgruppen tendieren wiederum eher die jĂŒngeren als die Ă€lteren Befragten zur Einstufung "Kreislaufprodukt". HaushaltsgerĂ€te kommen bei den 18- bis 29-JĂ€hrigen auf einen Wert von 44,2 Prozent, Computer/Laptops zu 60,7 Prozent und Smartphones und Tablets zu 52,3 Prozent. Zum Vergleich: In der Altersgruppe der 50- bis 59-JĂ€hrigen werden HaushaltsgerĂ€te nur von 32,5 Prozent der Befragten als Kreislaufprodukt gesehen, Computer/Laptops zu 51,1 Prozent und Smartphones und Tablets erreichen in dieser Altersgruppe 47,4 Prozent.
Auch Kleidung erhÀlt in der Gruppe der 18- bis 29-JÀhrigen mit 56,2 Prozent den höchsten Kreislaufwert, den niedrigsten Wert erreichen hier erneut die 50- bis 59-JÀhrigen mit 43,7 Prozent. In der Kategorie Möbel verhÀlt es sich Àhnlich: 64,1 Prozent der 18-29-JÀhrigen sehen diese als Kreislaufprodukt (Topwert), mit 47,5 Prozent liefern die 50-bis 59-JÀhrigen wieder den niedrigsten Wert.
Methodik
Die von Swappie beauftragte Umfrage wurde durch das Marktforschungsunternehmen bilendi durchgefĂŒhrt. DafĂŒr wurden im MĂ€rz 2023 insgesamt 1.075 Smartphonebesitzer in Deutschland online befragt.
(kbe [3])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-8979210
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Smartphone-Refurbisher-Swappie-bekommt-mehr-Geld-zum-Expandieren-6474097.html
[2] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
[3] mailto:kbe@heise.de
Copyright © 2023 Heise Medien