Ukraine-Krieg: EU-Staaten schaffen Notfallfonds fĂŒr Cybersicherheit
(Bild: StudioProX/Shutterstock.com)
Die fĂŒr digitale Kommunikation zustĂ€ndigen Minister wollen die Zusammenarbeit bei Cybersicherheit und Desinformation angesichts des Ukraine-Kriegs verstĂ€rken.
Mit dem Ăberfall Russlands auf die Ukraine steigt nach Ansicht der fĂŒr Telekommunikation und Digitales zustĂ€ndigen EU-Minister die Gefahr von Cyberangriffen. Die 27 Regierungsvertreter stimmten dem Vorschlag der französischen RatsprĂ€sidentschaft zu, einen Notfallfonds fĂŒr Cybersicherheit einzurichten. Wie viel Geld in diesen Topf flieĂen soll, blieb zunĂ€chst offen.
Prinzipiell sollen damit zusĂ€tzliche EU-Mittel verfĂŒgbar werden, um die Mitgliedstaaten beim Ausbau ihrer CybersicherheitskapazitĂ€ten zu unterstĂŒtzen [1]. Vorgesehen ist, einen Markt fĂŒr vertrauenswĂŒrdige Security-Dienstleister, Audits und GegenmaĂnahmen zu schaffen. Mit Mitteln aus dem Fonds soll die WiderstandsfĂ€higkeit von Betreibern kritischer Infrastrukturen (Kritis) gestĂ€rkt werden, die im Falle eines Konflikts als primĂ€res Ziel gelten.
Mehr Kooperation
Die nationalen Cybersicherheitsbehörden wie das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sind aufgefordert, mehr zu kooperieren. An das Gremium europĂ€ischer Regulierungsstellen fĂŒr elektronische Kommunikation (Gerek) und die Agentur der EU fĂŒr Netz- und Informationssicherheit (Enisa) richteten sie den Appell, "sĂ€mtliche Risiken fĂŒr die europĂ€ischen Kommunikationsnetze und -infrastrukturen aufzulisten und Empfehlungen zur StĂ€rkung ihrer Resilienz zu formulieren".
Einig waren sich die Regierungsvertreter zudem, dass die geplante Reform der Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit [2] (NIS2) bald verabschiedet und umgesetzt werden mĂŒsse, "um ein hohes und harmonisiertes Sicherheitsniveau" fĂŒr wichtige Netzwerke und IT-Systeme zu gewĂ€hrleisten. Die EU-Kommission riefen sie dazu auf, den von PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen (CDU) angekĂŒndigten "Cyber Resilience Act" [3] baldmöglichst zu konkretisieren und auf den Weg zu bringen.
Mehr Ăberwachung
Online-Plattformen wie Video-Streamingdienste oder soziale Medien, aber auch "alle anderen Akteure des digitalen Sektors" fordern die Minister auf, "mehr personelle Ressourcen fĂŒr die Ăberwachung und das schnelle Handeln bei Problemen einzusetzen, die sich fĂŒr die Nutzer ihrer Dienste in der Konfliktzone ergeben können". Sie mĂŒssten jetzt ihre vollen "KapazitĂ€ten zur ĂberprĂŒfung von Fakten und das Engagement von Freiwilligen" mobilisieren, die Inhalte insbesondere in russischer und ukrainischer Sprache im Blick haben
Digitalfirmen sollen dem Appell zufolge auch "ihre BemĂŒhungen um den Schutz der Grundrechte und -freiheiten der in der aktuellen Situation am stĂ€rksten gefĂ€hrdeten Personen" intensivieren und ihre "Dienste im Lichte der spezifischen Risiken, denen Nutzer in der Konfliktzone ausgesetzt sind, anpassen". Sie mĂŒssten â im Rahmen der Meinungsfreiheit â sicherzustellen, "dass ihre Systeme nicht zu einem Vehikel fĂŒr die Verbreitung von Desinformation und manipulativen Inhalten werden".
Informationen aus vertrauenswĂŒrdigen Quellen ĂŒber Radio, Fernsehen und digitale Dienste mĂŒssten weltweit und "auch in den an der Aggression beteiligten LĂ€ndern" Vorrang eingerĂ€umt werden, unterstreicht der Rat. Zuvor hatte auch das EU-Parlament einen stĂ€rkeren Kampf gegen Desinformationskampagnen verlangt [4]. Frankreich ist dafĂŒr, auch Softwareanbieter in den Geltungsbereich der neuen NIS2-Richtlinie einzubeziehen und deren Verantwortung so zu erhöhen, konnte damit bei den anderen Mitgliedstaaten bislang aber nicht punkten.
(vbr [6])
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[1] https://presidence-francaise.consilium.europa.eu/de/aktuelles/die-mitgliedstaaten-setzen-sich-fur-die-unterstutzung-der-ukraine-und-die-starkung-der-resilienz-der-eu-in-den-bereichen-telekommunikation-und-cybersicherheit-ein/
[2] https://www.heise.de/news/NIS-Richtlinie-EU-will-ueber-Sicherheit-von-Root-Servern-auch-in-den-USA-wachen-6136914.html
[3] https://www.heise.de/news/Von-der-Leyen-EU-soll-ein-Halbleiter-Oekosystem-bekommen-6192823.html
[4] https://www.heise.de/news/Informationskrieg-EU-Parlament-fordert-Sanktionen-gegen-Russland-und-China-6544812.html
[5] https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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