zurück zum Artikel

USA fordern am hÀufigsten Herausgabe von Twitter-Daten

Martin Holland

Der erste Transparenzreport von Twitter schlĂŒsselt auf, wie oft und von wem offiziell die Herausgabe von Nutzerdaten oder die Entfernung von Inhalten verlangt wurde.

Der US-Mikrobloggingdienst Twitter hat seinen ersten sogenannten Transparenzreport [1] veröffentlicht. Darin wird aufgeschlĂŒsselt, wie oft von Januar bis Juni 2012 offiziell um die Entfernung von Inhalten oder die Herausgabe von Nutzerdaten ersucht wurde. Die hinter dem Vorgehen stehenden Gedanken erlĂ€uterte das Unternehmen in einem Blogbeitrag [2]. Demnach will die Plattform damit die Nutzer informieren und das Bewusstsein fĂŒr derartige Forderungen von offizieller Seite schĂ€rfen. Außerdem solle die Verantwortlichkeit aller Seiten fĂŒr ihr Handeln verstĂ€rkt werden, denn allein in den ersten sechs Monaten 2012 habe es mehr staatliche Forderungen gegeben als im ganzen Jahr 2011.

Die mit Abstand meisten staatlichen Anfragen zur Identifizierung von Twitternutzern kamen aus den USA, aus denen allein 679 Forderungen an Twitter gingen. Das sind fast 80 Prozent aller staatlichen Anfragen, von denen es insgesamt 849 gegeben habe. In 75 Prozent der US-Forderungen habe Twitter auch Informationen weitergegeben. Von japanischen Stellen sind dem Report zufolge noch 98 Anfragen gestellt worden, aber nur in 20 Prozent der FĂ€lle hĂ€tte man dem Folge geleistet. Kanada und Großbritannien haben laut Twitter jeweils elf Mal um Daten ersucht, aus allen anderen aufgelisteten Staaten, darunter auch Deutschland, habe es jeweils weniger als 10 Anfragen gegeben. In den meisten FĂ€llen habe Twitter aber gar keine Informationen weitergegeben.

Deutlich hĂ€ufiger ist Twitter nach eigenen Angaben um die Entfernung von Inhalten wegen Urheberrechtsverletzungen ersucht worden. Insgesamt habe das Unternehmen fast 3400 Aufforderungen bekommen, derartige Inhalte zu entfernen. Nachgekommen sei man dem in 38 Prozent der FĂ€lle. Betroffen waren demnach fast 5900 Accounts, 5275 Tweets habe man entfernt. In fast 600 FĂ€llen seien außerdem Medieninhalte gelöscht worden.

Des weiteren gibt Twitter Auskunft darĂŒber, wie oft es in den ersten sechs Monaten des Jahres von Gerichten oder staatlichen Behörden zur Entfernung von Inhalten aufgefordert wurde. Das sei insgesamt sechs mal geschehen und zwar aus fĂŒnf verschiedenen Staaten. In keinem der FĂ€lle habe Twitter dem Anliegen letztendlich Folge geleistet.

Was fĂŒr FĂ€lle hinter den Forderungen nach Herausgabe von Informationen stehen, kann aktuell in New York beobachtet werden. Wie Wired berichtet [3], hat ein US-Richter Twitter am gestrigen Montag verpflichtet [4], Informationen ĂŒber einen Nutzer herauszugeben, der im Oktober 2011 auf einer Demonstration der Occupy-Bewegung festgenommen worden war. Von seinen Tweets erhofft sich das Gericht Erkenntnisse darĂŒber, inwieweit der Beschuldigte ĂŒber eine illegale Marschroute informiert war. Weil die EintrĂ€ge auf Twitter öffentlich zugĂ€nglich seien, könne die Plattform auch aufgefordert werden, diese und die dazugehörigen Nutzerdaten herauszugeben. Der Richter will dann prĂŒfen, inwieweit sie juristisch relevant sind, um sie gegebenenfalls in dem Prozess [5] zu nutzen. (mho [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1630535

Links in diesem Artikel:
[1] https://support.twitter.com/articles/20170002#
[2] http://blog.twitter.com/2012/07/twitter-transparency-report.html
[3] http://www.wired.com/threatlevel/2012/07/twitter-data-order/
[4] http://www.wired.com/images_blogs/threatlevel/2012/07/twitterquash.pdf
[5] https://www.heise.de/news/Twitter-wehrt-sich-gegen-Tweet-Herausgabe-an-US-Gericht-1571038.html
[6] mailto:mho@heise.de