USA: Anlauf zu separater Weltraum-Kampftruppe
Aus Sicht von US-Strategen sind "cyber, space, and electronic warfare" die wichtigsten SĂ€ulen des Informationskriegs.
Der MilitĂ€rausschuss des US-Unterhauses hat die GrĂŒndung einer eigenen Weltraumtruppe beschlossen. Das Oberhaus muss noch zustimmen, will aber auch mehr US-MilitĂ€r im All. Beide Kammern wollen generell aufrĂŒsten und die MilitĂ€rbudgets enorm vergröĂern.
Der MilitĂ€rausschuss des US-ReprĂ€sentantenhauses hat beschlossen, durch die Spaltung der Luftwaffe eine weitere Teilstreitkraft einzurichten. Ein neues US Space Corps soll ab 2019 die militĂ€rische Macht der USA im Weltall ausbauen und deren Dominanz sichern. Es wĂ€re die sechste Streitkraft neben Armee, Kriegsmarine, Marineinfanterie, Luftwaffe und KĂŒstenwache. Der leitende General wĂ€re Teil des Vereinigten Generalstabs. Politisch wĂ€re das Space Corps weiterhin dem Luftwaffenministerium zugeordnet, so wie die Marineinfanterie zum Marineministerium gehört.
Abgeordnete beider Parteien, darunter die ranghöchsten Mitglieder des MilitĂ€rausschusses, unterstĂŒtzten [1] den Antrag. Damit wurde die Einrichtung des US Space Corps Teil des Verteidigungsbudgets des Unterhauses [2] fĂŒr das am 1. Oktober beginnende Finanzjahr 2018. NĂ€chster Schritt sind Verhandlungen mit den Kollegen im Senat, die ebenfalls ein MilitĂ€rbudget ausgearbeitet haben. Damit es ein gĂŒltiges Budget gibt, mĂŒssen beide Kammern eine gleichlautende Resolution verabschieden, die dann noch vom US-PrĂ€sidenten unterzeichnet werden muss.
Das Konzept eines separaten Space Corps ist nicht neu, dennoch wurden einige Ausschussmitglieder von der Abstimmung ĂŒberrascht. Die UnterstĂŒtzer des Space Corps halten dagegen, dass die Idee seit Monaten diskutiert wurde. AuĂerdem hĂ€tten bereits drei Studien den Schritt empfohlen. Sie berufen sich unter anderem auf die zweite Rumsfeld-Kommission [3] 2001. Sie hatte vor einem "Pearl Harbor im Weltraum [4]" gewarnt und intensivere AufrĂŒstung im All gefordert.
Nun verhandeln ReprÀsentanten und Senatoren
Der Senat hat zwar bislang kein eigenes Space Corps vorgesehen, kritisiert aber den Status quo: "[Die] Entscheidungsfindung ist ĂŒber mehr als 60 Abteilungen des Verteidigungsministeriums verstreut. Die finanzielle Ausstattung ist knapp am 30-Jahre-Tief, wĂ€hrend Bedrohungen und unsere Angewiesenheit auf [militĂ€rische Einrichtungen im All] so groĂ sind wie noch nie und weiter zunehmen", heiĂt es in der offiziellen Zusammenfassung des MilitĂ€rbudgets des Senats [5].
Entsprechend sieht dessen Budgetgesetz Umstrukturierungen und mehr Macht fĂŒr leitende Offiziere vor. Dazu kommen 8,5 Milliarden US-Dollar fĂŒr AufrĂŒstung im All â 771 Millionen mehr als US-PrĂ€sident Donald Trump beantragt hatte. Eine Einigung zwischen Senat und ReprĂ€sentantenhaus auf die Einrichtung eines US Space Corps ist damit durchaus möglich, auch wenn es seitens der Luftwaffe Widerstand gibt. Sie will sich nicht schmĂ€lern lassen.
Einigkeit beim Ausgeben
Ăberhaupt wollen beide Teile des US-Parlaments noch mehr fĂŒr Verteidigung ausgeben als die vom PrĂ€sidenten vorgeschlagenen 579 Milliarden Dollar. WĂ€hrend sich die konkreten Zahlen der beiden HĂ€user unterscheiden, sind die GröĂenordnungen gleich: Das Basisbudget fĂŒr Verteidigung soll von 547 Milliarden (2017) auf zirka 640 Milliarden Dollar springen. Dazu kommen etwa 60 Milliarden Dollar Sonderbudget fĂŒr den Kampf gegen den Islamischen Staat (IS), zusammengerechnet also ungefĂ€hr 700 Milliarden Dollar.
Erstaunlicherweise fĂ€llt das IS-Kampfbudget geringer aus als noch im laufenden Finanzjahr 2017 (70 Milliarden Dollar). Hinzu kommen in anderen Budgets enthaltene "UnterstĂŒtzungs"-Dotationen, die bei 185 bis 200 Milliarden Dollar liegen dĂŒrften. Noch ohne Geheimbudgets und Ausgaben der Bundesstaaten kommen so an die 900 Milliarden US-Dollar zusammen. Davon sind fĂŒr den Online-Krieg vergleichsweise bescheidene sieben Milliarden (Senat) beziehungsweise acht Milliarden (ReprĂ€sentantenhaus) vorgesehen. Doch auch das ist deutlich mehr als die von der Regierung beantragten 6,3 Milliarden Dollar.
Trump will mehr Tötungskraft aus dem All
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Die Devise lautet mehr Personal, mehr "Cyber", mehr GerĂ€te. Dazu gehören verschiedene Flugzeuge, Schiffe und auch zusĂ€tzliche Atom-U-Boote. Sie haben extrem hohe Betriebskosten und wĂŒrden die Staatskasse auf lange Sicht belasten. GröĂtes Hindernis fĂŒr die enorme Ausgabensteigerung ist aber nicht die Finanzierung, sondern ein Gesetz aus dem Jahr 2011. Es begrenzt das Basisbudget fĂŒr Verteidigung auf 549 Milliarden Dollar. Die Aufhebung dieses Limits ist politisch nicht gesichert.
Bei Trump dĂŒrften die Parlamentarier jedenfalls offene TĂŒren einlaufen, hat er doch Verteidigung zur obersten PrioritĂ€t seiner PrĂ€sidentschaft erklĂ€rt. Konkret im Weltall möchte Trump "unsere Tödlichkeit im Kampf verstĂ€rken [7], besser ĂŒber die jeweilige Situation Bescheid wissen und unsere AufklĂ€rungsfĂ€higkeiten ausbauen", wie er im Wahlkampf verlautbaren lieĂ. (ds [8])
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[1] https://armedservices.house.gov/hearings-and-legislation/ndaa-national-defense-authorization-act
[2] http://docs.house.gov/meetings/AS/AS00/20170628/106123/HMKP-115-AS00-20170628-SD001.pdf
[3] https://fas.org/spp/military/commission/report.htm
[4] https://www.heise.de/news/Den-USA-droht-angeblich-Pearl-Harbor-im-Weltraum-30537.html
[5] https://www.armed-services.senate.gov/imo/media/doc/FY18%20NDAA%20Summary6.pdf
[6] https://www.heise.de/news/US-Budget-2017-Niederlage-fuer-Trump-gut-fuer-die-NASA-3700734.html
[7] https://www.heise.de/hintergrund/Raumfahrt-ist-fuer-Trump-Mittel-zum-militaerischen-Zweck-3464487.html
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