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US-Unternehmen fordern Lockerungen bei Visa-Regeln fĂŒr IT-Experten

Andreas Wilkens

Microsoft, Intel, Oracle und anderen IT-Unternehmen reichen die in den USA verfĂŒgbaren FachkrĂ€fte nicht aus. Sie rufen deshalb nach einer Anhebung der Obergrenze der Zahl der rekrutierbaren auslĂ€ndischen FachkrĂ€fte.

Microsoft und andere IT-Unternehmen drĂ€ngen den US-amerikanischen Kongress darauf, die derzeit geltende Visa-Vergabepraxis fĂŒr auslĂ€ndische IT-Spezialisten, die in den USA arbeiten wollen, zu ihren Gunsten ĂŒberarbeiten. Vor allem geht es ihnen darum, die bisherige Obergrenze im Rahmen des H-1B [1]-Programms von 65.000 Ingenieuren, Wissenschaftlern, Architekten und Doktoren auf 115.000 anzuheben. Andernfalls, so wird Microsoft-Manager Jack Krumholtz zitiert, könne es passieren, dass sein Unternehmen ArbeitsplĂ€tze ins Ausland verlagern mĂŒsse. In dem Unternehmen seien viele Aufgaben zu erledigen, fĂŒr die es derzeit keine geeigneten FachkrĂ€fte im Land gebe.

Eine entsprechende Gesetzesreform steht im US-Senat zur Debatte, doch werden die LobbybemĂŒhungen von Microsoft, Intel und anderen ĂŒberlagert von Diskussionen darĂŒber, wie mit den illegalen Einwanderern im Land verfahren werden soll, heißt es in Medienberichten. US-PrĂ€sident George W. Bush hat bereits angekĂŒndigt, die Grenze zu Mexiko besser abzuschotten, den zwölf Millionen illegal im Land lebenden Menschen aber auch die Chance zu geben, die US-StaatsbĂŒrgerschaft zu erhalten. Diese Maßnahmen stehen laut den Medienberichten auch bei vielen Mitgliedern des ReprĂ€sentantenhauses im Vordergrung, die fĂŒr eine Beibehaltung bisheriger Regelungen und fĂŒr eine verstĂ€rkte Grenzsicherung eintreten. Als Gegner einer nachsichtigeren Visa-Regelung fĂŒr IT-FachkrĂ€fte gilt auch das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE [2]), da eine geĂ€nderte Visa-Regelung ArbeitsplĂ€tze bedrohe.

Microsoft-MitgrĂŒnder Bill Gates hatte bereits vor einem Jahr liberalere Visa-Regeln fĂŒr IT-Experten gefordert [3], ebenfalls mit der BegrĂŒndung, sein Konzern habe Schwierigkeiten, Fachleute zu rekrutieren. Im MĂ€rz dieses Jahres habe Gates bei fĂŒhrenden Senatsmitgliedern in dieser Angelegenheit vorgefĂŒhlt, berichtet [4] Bloomberg. Seinerzeit wagten [5] sich auch VerbĂ€nde der Hightech-Industrie vor, die sich gehindert fĂŒhlen, qualifizierte ArbeitskrĂ€fte im Ausland anzuheuern. Der Intel-Vorsitzende Craig Barret habe gesagt, er drĂ€nge schon seit zehn Jahren auf Änderungen im H-1B-Programm. Wegen der bisherigen Begrenzung habe Intel bereits auslĂ€ndische Facharbeiter in Filialen in LĂ€ndern eingesetzt, die weniger strikte Visabegrenzungen haben, wie zum Beispiel Kanada, Irland und Israel. Ebenso seien Oracle-Manager an Kongressmitglieder herangetreten.

Die Obergrenze des H-1B-Programms erreichte im Jahr 2001 die Zahl von 195.000 zulĂ€ssigen Visa. Sie wurde infolge des gebremsten Wirtschaftswachstums herabgesetzt. Die jetzt gĂŒltige Grenze sei in diesem Jahr bereits nach zwei Monaten erreicht worden, berichtet Bloomberg. (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-125659

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.uscis.gov/graphics/howdoi/h1b.htm
[2] http://www.ieee.org
[3] https://www.heise.de/news/Bill-Gates-will-liberale-Visa-Regeln-fuer-IT-Experten-157167.html
[4] http://www.iht.com/articles/2006/05/14/bloomberg/bximmigrate.php
[5] https://www.heise.de/news/US-Hightech-Industrie-fordert-Lockerung-der-Visa-Bestimmungen-113660.html
[6] mailto:anw@heise.de