US-Regierung will "virtuellen Zaun" an der Grenze zu Mexiko ausbauen
Das US-Heimatschutzministerium sieht die MĂ€ngel am ersten Teil des Hightech-Grenzsystems beseitigt, das nun von Boeing weiter ausgebaut werden kann.
US-Heimatschutzminister Michael Chertoff gab am Freitag bekannt [1], dass das erste, fast 45 Kilometer lange TeilstĂŒck des "virtuellen Zauns" an der Grenze zu Mexiko in Arizona von der Regierung nach monatelangen Verzögerungen abgenommen wurde. Letztes Jahr hatte der Heimatschutzminister dem Project 28, wie das 2006 bei einem Konsortium unter der Leitung von Boeing fĂŒr 20 Millionen US-Dollar in Auftrag gegebene TeilstĂŒck des Hightech-Grenzsystems Secure Borders Initiative Network (SBInet [2]) genannt wird, noch Gelder wegen einiger MĂ€ngel [3] vorenthalten, die nun behoben zu sein scheinen.
Das erste TeilstĂŒck der "virtuellen Grenze", deren Errichtung an 37 weiteren Grenzbereichen in Arizona und Texas vorgesehen ist und den Firmen MilliardenumsĂ€tze bringen wird, besteht aus neun 30 Meter hohen mobilen ĂberwachungstĂŒrmen, 50 Fahrzeugen mit Notebooks, auf denen sich die Kamerabilder sehen lassen, 3 Schnelleinsatz-Fahrzeugen, 50 Satellitentelefonen und zwei Kommandozentralen sowie RadargerĂ€ten, Infrarotkameras und Bewegungssensoren. Die mobilen TĂŒrme, die selbst durch ein Ăberwachungssystem geschĂŒtzt werden, sollen bis Ende des Jahres durch stationĂ€re ersetzt werden.
Die Kameras sollen bis zu einer Entfernung von 10 Kilometern Menschen von Tieren unterscheiden können und erkennen lassen, wie groà die Menschengruppen sind und ob sie RucksÀcke bei sich haben. Angeblich habe man seit September 2007 mit P-28 bereits mehr als 2000 Migranten aufgegriffen. Mit der Zeit sei die Zahl der aufgegriffenen Einwanderer gesunken, was Chertoff als "unglaublichen abschreckenden Effekt" des Grenzsystems bezeichnete.
Der Heimatschutzminister kĂŒndigte an, die Zahl der Ăberwachungsdrohnen von jetzt 3 auf 6 anzuheben und in den nĂ€chsten 2 Jahren bis zu 40 mobile Radarsysteme einzusetzen. Bislang habe man GrenzzĂ€une auf einer LĂ€nge von ĂŒber 480 km gebaut, bis Ende des Jahres sollen es insgesamt ĂŒber 1000 km werden. Damit wĂ€re bereits ein Drittel der gesamten Grenze zu Mexiko mit ZĂ€unen versehen. Die Zahl der GrenzschĂŒtzer soll von jetzt 15.000 auf 18.000 erhöht werden.
Kritik am Hightech-Grenzsystem gibt es nur vereinzelt, vor allem bei den Anwohnern und UmweltschĂŒtzern. Die demokratischen PrĂ€sidentschaftsanwĂ€rter Hillary Clinton und Barack Obama lehnen [4] die normalen SperrzĂ€une ab und bevorzugen die unauffĂ€lligere "virtuelle Grenze". Allerdings hatten beide 2006 fĂŒr das Gesetz gestimmt, in dem der Bau eines 1125 Kilometer langen Grenzzauns beschlossen worden war. Ebenso wie die beiden Demokraten hat auch der republikanische PrĂ€sidentschaftskandidat John McCain dem Bau der Mauer zugestimmt und ist zunĂ€chst fĂŒr eine Amnestie der illegalen Einwanderer eingetreten. Jetzt fordert [5] er primĂ€r einen besseren Grenzschutz, ist aber nur fĂŒr GrenzzĂ€une um StĂ€dte und tritt ansonsten ebenfalls fĂŒr Hightech-Systeme ein. (fr [6])
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[1] http://www.dhs.gov/xnews/releases/pr_1203722713615.shtm
[2] http://www.boeing.com/defense-space/sbinet/index.html
[3] https://www.heise.de/news/Schwierigkeiten-mit-dem-virtuellen-Zaun-zur-Abwehr-von-illegalen-Immigranten-177960.html
[4] http://www.cnsnews.com/ViewNation.asp?Page=/Nation/archive/200802/NAT20080222c.html
[5] http://www.star-telegram.com/388/story/492280.html
[6] mailto:fr@heise.de
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