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US-Politiker wollen Strafen gegen Copyright-Vergehen verschÀrfen

Andreas Wilkens

ReprÀsentantenhaus-Abgeordnete beider Parteien haben sich zusammengefunden und einen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit dem besser gegen ProduktfÀlschungen und illegale Verbreitung geistigen Eigentums vorgegangen werden soll.

Der Vorsitzende des Justizausschusses des US-amerikanischen ReprĂ€sentantenhauses, der Demokrat John Conyers, hat zusammen mit dem republikanischen Abgeordneten Lamar Smith sowie zehn weiteren Politikern beider Parteien einen Gesetzesentwurf zu VerschĂ€rfung der Sanktionen gegen urheberrechtliche Vergehen vorgelegt. Der Prioritizing Resources and Organization for Intellectual Property Act (PRO IP) sieht strengere zivil- und strafrechtliche Bestimmungen bei Copyright- und Markenverletzungen vor, als bisher in den USA gelten. Auf Basis des derzeitigen Rechts war beispielsweise die US-BĂŒrgerin Jammie Thomas wegen Weitergabe von 24 MusikstĂŒcken ĂŒber die Tauschbörse Kazaa zu 222.000 US-Dollar Schadensersatz verurteilt worden [1].

Derzeit betrĂ€gt die Höchststrafe je Copyright-Vergehen 30.000 US-Dollar. KĂŒnftig sollen Richter Strafen jenseits dieser Höhe aussprechen können und auch nicht erst dann, wenn der Wert des gefĂ€lschten oder illegal weiterverbreiteten Materials 1000 US-Dollar ĂŒbersteigt. Zudem sollen die HĂŒrden zur Einordnung eines Vergehens als Wiederholungstat abgesenkt werden, fĂŒr die eine GefĂ€ngnisstrafe von zehn Jahren fĂ€llig werden kann. Computer, mit denen Copyright-Vergehen begangen wurden, dĂŒrfen vom Justizministerium eingezogen und zu dessen Gunsten weiterverkauft werden.

"Das Gesetz ist ein wichtiger Schritt in dem Kampf, unsere KonkurrenzfĂ€higkeit auf dem weltweiten Markt zu verteidigen", begrĂŒndet Conyers die Initiative laut Mitteilung [2] des Justizausschusses. Der PRO IP Act solle dafĂŒr sorgen, dass Innovation und KreativitĂ€t in der Gesellschaft weiterhin wohl gedeihen. Der Schutz des geistigen Eigentums sei wichtig fĂŒr die US-Wirtschaft, ergĂ€nzt Smith. Die FĂ€lschung und unerlaubte Weitergabe geistigen Eigentums koste viele ArbeitsplĂ€tze und gefĂ€hrde die Exitsenz von Unternehmen.

In der Mitteilung wird der geschĂ€tzte Schaden auf bis zu 250 Milliarden US-Dollar jĂ€hrlich beziffert, einschließlich 750.000 ArbeitsplĂ€tze. Die Weltgesundheitsorganisation gehe davon aus, dass in entwickelten LĂ€ndern 1 Prozent und in unterentwickelten 30 Prozent der Medikamente gefĂ€lscht sind. 50 Prozent von ihnen wĂŒrden ĂŒber das Internet gehandelt. Das Center for Medicine in the Public Interest schĂ€tzt demnach, dass der Handel mit gefĂ€lschten Medikamenten bis zum Jahr 2010 jĂ€hrlich um 13 Prozent wachsen werde.

Der Verband der US-Filmwirtschaft MPAA begrĂŒĂŸt in einer Mitteilung [3] (PDF-Datei) die Gesetzesinitiative. Dabei glaubt MPAA-Chef Dan Glickman im Einklang mit vielen anderen Branchen wie der Pharma- und der Automobilindustrie zu sprechen, die wie seine unter der illegalen Verbreitung ihres geistigen Eigentums litten. Allein die Filmbranche habe jĂ€hrlich einen Schaden von 18 Milliarden US-Dollar zu verkraften.

Neben StrafverschĂ€rfungen sieht der PRO IP Act die Einrichtung einer Behörde namens Office of the United States Intellectual Property Enforcement Representative (USIPER) vor, die dem Executive Office des Weißen Hauses angeschlossen werden soll. Sie soll Aktionen gegen den Diebstahl geistigen Eigentums national und international koordinieren. Spezielle "Intellectual Property Officers" sollen dafĂŒr mit Behörden im Ausland zusammenarbeiten. Im US-Justizministerium soll zudem eine Abteilung fĂŒr geistiges Eigentum eingerichtet werden, die die Strafverfolgung auf diesem Gebiet koordinieren soll. Ihr sollen Kompetenzen der bisher schon existierenden Abteilung Computer Crime and Intellectual Property (CCIPs) ĂŒbertragen werden. (anw [4])


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https://www.heise.de/-167452

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/US-Regierung-unterstuetzt-Musikindustrie-im-Verfahren-gegen-Jammie-Thomas-167122.html
[2] http://judiciary.house.gov/newscenter.aspx?A=887
[3] http://www.mpaa.org/press_releases/ip%20protections%2012.5.pdf
[4] mailto:anw@heise.de