zurück zum Artikel

US-Politiker fordern Hochschulen zum Einschreiten gegen Musiktausch auf

Andreas Wilkens

Der Wissenschaftsausschuss des US-ReprÀsentantenhauses hat sich mit dem Thema illegales Filesharing befasst.

"Illegales Filesharing ist nicht nur eine Sache des Urheberrechts. Es belastet die Netzwerke der Hochschulen und schrĂ€nkt die Bildungs- und ForschungskapazitĂ€ten ein", meint Bart Gordon, Vorsitzender des Wissenschafts- und Technologie-Ausschusses des US-ReprĂ€sentantenhauses. Um den derzeitigen Stand der Dinge zu betrachten und weitere Maßnahmen zu besprechen, hatte der Ausschuss zu einer Anhörung [1] (PDF-Datei) zum Thema Filesharing an Hochschulen geladen. VorlĂ€ufiges Fazit der Diskussion, die noch weitergehen wird: WĂ€hrend andere AusschĂŒsse bereits ĂŒber Regulierungsmöglichkeiten beraten, setzt der Wissenschaftsausschuss zunĂ€chst auf Technik zur EinschrĂ€nkung von Campus-Dateientausch.

2006 seien an US-Hochschulen 1,3 Milliarden MusikstĂŒcke illegal heruntergeladen worden, hieß es wĂ€hrend der Ausschussitzung. Dadurch werden nach Meinung von Gordon enorme Ressourcen verschwendet, die den Seminaren und Labors fehlten. Zudem wachse eine Studentengeneration heran, fĂŒr die das Stehlen von Musik ein unreflektierte SelbstverstĂ€ndlichkeit sei. ZunĂ€chst setzen die Politiker weiter Vertrauen in die Hochschul-Verantwortlichen, drohen aber auch mit gesetzlichen Maßnehmen, falls ihre Filesharing-Abwehr nicht fruchten sollte.

HierfĂŒr kommen Datendrosselung bei Filesharing-AktivitĂ€ten sowie Filtertechniken in Frage. Allerdings stellt dies die Netzwerkadministratoren vor Problemen, da es nicht immer ersichtlich ist, hinter welchen Daten sich illegaler Dateientausch verbirgt, zumal sich per Filesharing auch andere, wissenschaftlich nĂŒtzliche Daten transporieren lassen. Filtertechniken stoßen an ihre Grenzen, wenn das Filesharing mit verschlĂŒsselten Daten betrieben wird. Abgeordnete wie der Republikaner Tom Feeney fordern, UniversitĂ€ten mĂŒsse der Geldhahn abgedreht werden, wenn sie nicht ausreichend gegen illegale AktivitĂ€ten vorgehen. Dem setzen Vertreter aus Bildung und Wissenschaft entgegen, dass die Software zur Überwachung und Regulierung des Datenverkehrs nicht ausgereift sei.

SpĂ€testens seit den goldenen Zeiten der ehemaligen Tauschbörse Napster [2] ist auch an UniversitĂ€ten das Thema Musiktausch ein Thema. Im Jahr 2000 hatten die ersten US-Unis damit begonnen, den Zugang zu Napster zu blockieren [3] – eine technische Vorkehrung, die bei nachfolgenden Datentauschtechniken nicht mehr fruchtete. Im Oktober 2002 forderte die US-Unterhaltungsindustrie die UniverstitĂ€ten brieflich zur Mithilfe [4] beim Kampf gegen illegales Filesharing auf. Im April 2003 ging die US-Musikindustrie zum Angriff ĂŒber und fing damit an, Studenten wegen Tauschbörsennutzung zu verklagen [5]. Die Musikindustrie hat die Kampagne in jĂŒngster Zeit ausgeweitet [6]. (anw [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-136337

Links in diesem Artikel:
[1] http://democrats.science.house.gov/Media/File/Commdocs/hearings/2007/full/05june/hearing_charter.pdf
[2] https://www.heise.de/glossar/entry/Napster-395803.html
[3] https://www.heise.de/news/Universitaet-verbannt-MP3-Tauschboerse-Napster-17791.html
[4] https://www.heise.de/news/US-Universitaeten-sollen-beim-Kampf-gegen-Kopier-Piraten-mithelfen-67218.html
[5] https://www.heise.de/news/US-Musikindustrie-verklagt-Studenten-wegen-Tauschboersen-77275.html
[6] https://www.heise.de/news/US-Verband-der-Musikindustrie-weitet-Kampagne-gegen-Studenten-aus-161799.html
[7] mailto:anw@heise.de