US-Patentamt erweitert Test zum "Peer Review" von PatentantrÀgen
Die Washingtoner Behörde hat das Pilotprojekt zur öffentlichen Suche nach Hinweisen auf den Stand der Technik bei PatentantrĂ€gen ausgebaut, wĂ€hrend ein Experte ein zu weitgehendes Outsourcing der PrĂŒfung beklagt.
Das US-Patentamt [1] will sein vor einem Jahr gestartetes Pilotvorhaben [2] zur öffentlichen Suche nach Hinweisen auf den Stand der Technik bei AntrĂ€gen auf gewerbliche Schutzrechte verlĂ€ngern und deutlich ausweiten. KĂŒnftig soll die Zahl der im "Peer to Patent [3]"-Projekt zu begutachtenden Anmeldungen von 250 auf 400 anwachsen, teilte die Washingtoner Behörde vergangene Woche mit [4]. Zudem soll auch die vom US Supreme Court derzeit hinterfragte Kategorie von Patenten auf GeschĂ€ftsmethoden einbezogen werden. Bisher war der Probelauf auf computerbezogene Erfindungen beschrĂ€nkt.
Bei dem Projekt geht es darum, dass registrierte Freiwillige PatentantrĂ€ge vor einer PrĂŒfung durch das Patentamt auf eventuell bereits dokumentierte frĂŒhere Erfindungen hin unter die Lupe nehmen können. Teilnehmer können bis zu zehn Hinweise auf entsprechende "Prior Art" einreichen. UnterstĂŒtzt wird der um ein Jahr verlĂ€ngerte Probelauf von der New York Law School [5]. Zu den Firmen, die bisher Anmeldungen fĂŒr gewerbliche Schutzrechte zur VerfĂŒgung gestellt haben, gehören unter anderem IBM, Microsoft, Hewlett-Packard, Sun Microsystems, Intel, General Electric (GE), Red Hat, Cisco Systems und Yahoo. Neu dazugekommen ist nun auch Goldman Sachs. Organisationen oder Personen, die ihre AntrĂ€ge fĂŒr öffentliche Kommentare freigeben, dĂŒrfen den neuen Regeln nach bis zu 25 Anmeldungen einreichen. Bisher war diese Zahl auf 15 begrenzt.
Dem Herausgeber des Internet Patent News Service [6], Greg Aharonian, geht das Einspannen fremder HilfskrĂ€fte bei der Betrachtung von PatentantrĂ€gen allerdings zu weit. Der Experte, der allerdings mit seinem Dienst selbst Beteiligter an der Auseinandersetzung um Patente ist, will Hinweise darauf gefunden haben, dass das US-Patentamt gezielt Outsourcing von PrĂŒfauftrĂ€gen betreibt. Damit habe sich die QualitĂ€t der Kontrolle von Anmeldungen gewerblicher Schutzrechte deutlich verschlechtert. FĂŒr den JĂ€ger fauler Patente kommt das kritsiierte Verhalten einem Betrug gleich, da die Einreicher von AntrĂ€gen rund 1800 US-Dollar fĂŒr eine professionelle Suche nach dem Stand der Technik und Hinweise auf bereits erfolgte Erfindungen zahlen mĂŒssten.
Stutzig gemacht hat Aharonian laut einem Posting auf seinem E-Mail-Nachrichtendienst, dass in einer Reihe von ihm analysierter PatentprĂŒfungen die schriftlichen Stellungnahmen der PrĂŒfer fehlen. Abgesegnet worden seien die Checks von der Gruppe 3900, die nicht im Verzeichnis der Technologie-Center [7] der Behörde gelistet ist. Die Namen der einzelnen Unterzeichner der Suchergebnisse, die Aharonians Argwohn erregt haben, seien dagegen in der Ăbersicht der Manager der einzelnen Center [8] aufgefĂŒhrt. Konkrete PrĂŒfer habe die 3900-Einheit, die laut einem Wikibooks-Eintrag [9] fĂŒr erneute Untersuchungen von bereits erteilten PatentantrĂ€gen zustĂ€ndig ist, offenbar nicht.
Ihm habe sich der Verdacht aufgedrĂ€ngt, meint Aharonian, dass angesichts des groĂen RĂŒckstaus an liegenbleibenden AntrĂ€gen die eigentliche Arbeit mehr schlecht als recht von staatlich nicht zertifizierten PatentanwĂ€lten in einschlĂ€gigen Kanzleien in der NĂ€he Washingtons durchgefĂŒhrt worden ist. Mitarbeiter des Amtes aus der Gruppe 3900 hĂ€tten die zugelieferten Vorlagen dann nur noch abgestempelt. Auf eine Nachfrage von heise online zu den TĂ€tigkeiten der Einheit und zu den VorwĂŒrfen Aharonians antwortete die angegriffene US-Behörde nach anderthalb Wochen bislang nicht.
Zum "Peer to Patent"-Projekt der US-Patenbehörde siehe auch:
- Patentamt 2.0, Erste Erfahrungen mit dem Peer Review von Patentanmeldungen in den USA, c't 16/08 [10], S. 43
Zum Patentwesen sowie zu den Auseinandersetzungen um Softwarepatente und um die EU-Richtlinie zur Patentierbarkeit "computer-implementierter Erfindungen" siehe den Online-Artikel in "c't Hintergrund [11]" (mit Linkliste zu den wichtigsten Artikeln aus der Berichterstattung auf heise online und zu den aktuellen Meldungen):
(Stefan Krempl) / (jk [13])
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[1] http://www.uspto.gov/
[2] https://www.heise.de/news/Europaeisches-Patentamt-haelt-an-Softwarepatenten-fest-141627.html
[3] http://www.peertopatent.org/
[4] http://www.uspto.gov/web/offices/com/speeches/08-26.htm
[5] http://dotank.nyls.edu/communitypatent/
[6] http://www.bustpatents.com/
[7] http://www.uspto.gov/web/patents/patog/week26/OG/TOC.htm#ref20
[8] http://www.uspto.gov/web/patents/contacts/tcmgrs.htm
[9] http://en.wikibooks.org/wiki/US_Patent_Law
[10] http://www.heise.de/ct/08/16/006/
[11] http://www.heise.de/ct/hintergrund/
[12] http://www.heise.de/ct/hintergrund/meldung/61230
[13] mailto:jk@heise.de
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