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US-Minister betont im EU-Parlament Forderung nach Fluggastdaten

Monika Ermert

Michael Chertoff, US-Minister fĂŒr innere Sicherheit, traf sich heute mit Mitgliedern des Innenausschusses des EU-Parlaments.

Der US-Minister fĂŒr innere Sicherheit (DHS [1]), Michael Chertoff, hat beim Lokaltermin im Innenausschuss des EU-Parlaments noch einmal bekrĂ€ftigt, dass die USA die im Rahmen des Fluggastdatentransfers bezogenen Daten schon vor Reiseantritt erhalten und sie auch lĂ€nger speichern wollen. Über die Möglichkeit, Namen und Adressen der FluggĂ€ste zwei Tage vor Antritt der Reise online zu erhalten, berate derzeit der US-Kongress, sagte Chertoff heute Nachmittag in BrĂŒssel. "Bei der Dauer der Speicherung der Daten haben wir noch eine offene Frage", sagte Chertoff auf die mit der deutschen EU-PrĂ€sidentschaft gefĂŒhrten Verhandlungen. Einige Dinge seien im derzeit geltenden Interimsabkommen [2], das im Sommer auslĂ€uft, nicht abgedeckt.

Die von Chertoff, dem deutschen Innenminister Wolfgang SchĂ€uble und Justizkommissar Franco Frattini im April betonten "gemeinsamen Werte [3]" der US- und der europĂ€ischen Seite konnten kaum darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass bei den Verhandlungen wieder hart um weitere ZugestĂ€ndnisse gerungen werden wird. Frattini sprach etwa von der EinfĂŒhrung einer Differenzierung der Daten in "aktive" und "nicht-aktive" Daten. Aktive Daten seien jene, auf die die US-Behörden fĂŒr ihre Ermittlungen direkt zugreifen können. Nicht-aktive Daten sollten erst wieder zugĂ€nglich gemacht werden, "wenn es neue Ermittlungen gibt", erlĂ€uterte Frattini.

Der Justizkommissar begrĂŒĂŸte die Einsicht der USA, dass man mit den EU-Institutionen verhandele, um eine einheitliche Regelung fĂŒr alle EU-BĂŒrger zu finden. Chertoff betonte auf kritische Nachfragen aus dem Parlament zu bilateralen Verhandlungen mit einzelnen EU-LĂ€ndern, man wolle weder einzelne LĂ€nder anders behandeln, noch einzelne Gruppen innerhalb der LĂ€nder.

Liberale, die EuropĂ€ischen Sozialisten, GrĂŒne und Linke hatten viele Fragen an Chertoff. Ein Vertreter des britischen Oberhauses drĂ€ngte darauf, Änderungen nicht wieder im Wege eines Briefaustauschs zwischen US-Behörden, dem Rat und der Kommission vorzunehmen, sondern nur nach Konsultation der EU-Institutionen. Sarah Ludford [4] von den EuropĂ€ischen Liberalen (ALDE) forderte in der Sitzung mit Chertoff einen Effizienznachweis. Sie teile die Besorgnis um Sicherheit, doch jedwede Kompetenz ohne kritische Nachfrage an eine Regierung zu ĂŒbergeben sei nicht gerechtfertigt. Weder die den EU-Parlamentariern erneut prĂ€sentierten zwei Anekdoten Chertoffs, noch die jetzt in seinem Brief genannten acht FĂ€lle, in denen die Analyse der Daten den Ermittlern hilfreich gewesen seien, reichten aus. "Als Gesetzgeber möchte ich mehr FĂ€lle", war Ludford zu hören.

FĂŒr Chertoff ist der Datenaustausch der notwendige Ersatz fĂŒr eine alte Technik. "FrĂŒher haben wir feindliche Flugzeuge auf dem Radar identifiziert, heute kommen die Terroristen unter dem Deckmantel der Unschuldigen." Kritik von Seiten der GrĂŒnen an den Waffengesetzen der USA konterte er damit, dass die verschiedenen Verfassungen der Nationen unterschiedliche Aspekte hervorheben wĂŒrden. "Wir wĂŒrden etwa nie auf die Idee kommen, den Moslems zu sagen, ob sie eine Kopfbedeckung tragen sollen oder nicht." Kritik hinsichtlich geringerer Datenschutzstandards fĂŒr EU-BĂŒrger widersprach Chertoff und wies auch Ludfords Frage nach der Nutzung der per Fluggastdaten gesammelten Daten fĂŒr andere Zwecke zurĂŒck. "Das wĂ€re illegal und ich wĂŒrde diejenigen ins Kittchen bringen, die das tun." Allerdings rĂ€umte er ein, dass es vom US-Gesundheitsministerium einen Vorschlag vorliege, einen verĂ€nderten Datensatz der Fluggesellschaften zur Vermeidung von Epidemien zu nutzen. So könne sich eine verheerende Grippeepidemie wie im Jahr 1918 verhindern lassen.

Zu den Auseinandersetzungen um die erweiterte Anti-Terror-Gesetzgebung, die Anti-Terror-Datei sowie die Online-Durchsuchung siehe auch die Übersicht ĂŒber die bisherige und die aktuelle Berichterstattung im Online-Artikel zum Start der Anti-Terror-Datei:

(Monika Ermert) / (anw [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-178442

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.dhs.gov/index.shtm
[2] https://www.heise.de/news/EU-und-USA-einigen-sich-auf-Interimsabkommen-beim-Passagierdatentransfer-168891.html
[3] https://www.heise.de/news/Neues-Abkommen-zum-Transfer-von-Flugpassagierdaten-nimmt-Gestalt-an-165348.html
[4] http://www.sarahludfordmep.org.uk/
[5] https://www.heise.de/hintergrund/Von-der-Anti-Terror-Gesetzgebung-ueber-die-Anti-Terror-Datei-zum-Schaeuble-Katalog-302578.html
[6] mailto:anw@heise.de