US-Kartellwächter blockieren T-Mobile-Verkauf an AT&T
Das US-Justizministerium hat Klage gegen die geplante Übernahme von T-Mobile USA durch den US-Netzbetreiber AT&T eingereicht. Damit liegen die Pläne der Telekom für ihre US-Tochter erstmal vor Gericht.
Die Deutsche Telekom [1] droht, auf ihrer amerikanischen Mobilfunktochter T-Mobile USA sitzen zu bleiben. Die US-Wettbewerbshüter haben am Mittwoch Nein zu dem 39 Milliarden US-Dollar (27 Milliarden Euro) schweren Verkauf [2] an den Telekommunikationsriesen AT&T gesagt. "Wir wollen das Geschäft blockieren, um den Wettbewerb zu sichern", sagte James Cole vom Justizministerium in Washington.
Mit T-Mobile würde ein "aggressiver Spieler" vom Markt verschwinden, der in der Vergangenheit geholfen habe, die Preise niedrig zu halten, begründete Cole die Blockade. Wenn AT&T und T-Mobile ihr Netz zusammenlegten, blieben von vier landesweit vertretenen Mobilfunkern nur noch drei übrig bleiben – mit AT&T als neuem Marktführer vor dem bisherigen Primus Verizon.
Das US-Justizministerium hat nun Klage gegen die Übernahme eingereicht [3]. Damit liegt der komplette Fall nun erstmal vor einem Gericht in Washington. Die Aktien der Deutschen Telekom und von AT&T rutschten nach der Entscheidung deutlich ins Minus. Dagegen konnte der kleinere US-Rivale Sprint zulegen. Sprint gilt als größter Verlierer, sollte die Fusion durchgehen – und hatte schnell Widerstand [4] gegen die Verkaufspläne angekündigt.
Dabei ist der drittgrößte US-Netzbetreiber nicht allein [5]. Die Pläne haben auch die Generalstaatsanwälte einiger US-Bundesstaaten auf den Plan gerufen [6]. Die Justizvertreter hatten eine Überprüfung der möglichen Auswirkungen auf den Wettbewerb im Telekommunikationsmarkt angekündigt. Auch die zuständige Regulierungsbehörde FCC prüft [7] die geplante Übernahme. Die Prüfung sei zwar noch nicht abgeschlossen, dennoch gebe es "ernste Bedenken", sagte FCC [8]-Chef Julius Genachowski gegenüber US-Medien.
Die Telekom hatte nach langem Zögern im März erkärt [9], ihr US-Mobilfunkgeschäft an den Konkurrenten AT&T verkaufen zu wollen. Zuvor hatte der Bonner Konzern verschiedene Möglichkeiten für die US-Tochter durchgespielt, die trotz zwischenzeitlicher Offensive [10] unter Kundenschwund leidet. Immer wieder machten Spekulationen über den Ausstieg der Telekom aus dem US-Geschäft die Runde. Daneben waren auch Netzpartnerschaften [11], der Verkauf von Sendemasten [12] oder Börsengang im Gespräch.
AT&T zeigte sich überrascht von dem Gegenwind und will um die Übernahme kämpfen. Sollte der Kauf am Ende tatsächlich platzen, muss AT&T der Deutschen Telekom 3 Milliarden US-Dollar als Entschädigung zahlen und würde zudem in seinem Bemühen zurückgeworfen, den bisherigen Marktführer Verizon zu übertrumpfen. (vbr [13])
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[2] https://www.heise.de/news/Deutsche-Telekom-verkauft-US-Mobilfunksparte-an-AT-T-1211103.html
[3] http://www.justice.gov/opa/pr/2011/August/11-at-1118.html
[4] https://www.heise.de/news/Sprint-Nextel-will-T-Mobile-USA-Uebernahme-verbieten-lassen-1216675.html
[5] https://www.heise.de/news/Widerstand-gegen-Verkauf-von-T-Mobile-USA-waechst-1283243.html
[6] https://www.heise.de/news/US-Generalstaatsanwaelte-wegen-T-Mobil-USA-Uebernahme-besorgt-1217856.html
[7] http://transition.fcc.gov/transaction/att-tmobile.html
[8] http://www.fcc.gov
[9] https://www.heise.de/news/Die-Telekom-und-T-Mobile-USA-Ein-schmerzvoller-Abschied-1211124.html
[10] https://www.heise.de/news/Telekom-will-in-den-USA-angreifen-1172965.html
[11] https://www.heise.de/news/Telekom-erwaegt-Verkauf-von-US-Tochter-1204307.html
[12] https://www.heise.de/news/T-Mobile-USA-will-Sendemasten-verkaufen-1198798.html
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