US-Etatkrise: NASA erklÀrt Mars-Mission zur Notfall-Ausnahme
Die NASA hat die Mars-Mission Maven zur Notfall-Ausnahme der BeschrĂ€nkungen des US-Finanzierungsstopps erklĂ€rt, um sie pĂŒnktlich starten zu können. Derweil ist weiter keine Ende der Haushaltskrise in Sicht.
Die US-Weltraumagentur NASA hat erklĂ€rt, die Mars-Mission Maven sei derart wichtig, dass sie von den BeschrĂ€nkungen des aktuellen Finanzierungsstopps der US-Regierung ausgenommen werden kann. Das berichtet [1] die UniversitĂ€t von Colorado und erklĂ€rt, dafĂŒr sei nicht der wissenschaftliche Wert der Mission ausschlaggebend. Stattdessen werde der Orbiter namens Mars Atmosphere and Volatile Evolution als Relay fĂŒr die Kommunikation mit den Rovern Curiosity [2] und Opportunity benötigt. Das Startfenster fĂŒr den Flug zum Mars reiche aber nur vom 18. November bis zum 15. Dezember. Macht sich Maven dann nicht auf den Weg mĂŒsste bis 2016 gewartet werden.
(Bild:Â Courtesy Lockheed Martin)
Derweil ist auch am siebten Tag des US-Finanzierungsstopps kein Ende der politischen Blockade in Sicht. Die NASA ist davon besonders stark betroffen, mussten bislang doch rund 97 Prozent der Mitarbeiter zuhause bleiben. Derzeit ist nicht einmal die Internet-Seite [3] der Weltraumagentur erreichbar. Mitarbeiter dĂŒrfen momentan nur an Projekten arbeiten, die unter die sogenannten "emergency exceptions" fallen, wozu nun auch die nĂ€chste Mars-Sonde gehört. Maven soll nach seiner Ankunft im Orbit des Roten Planeten dessen obere AtmosphĂ€re untersuchen. Diese Analysen werden von dem pĂŒnktlichen Start profitieren, erfolgen sie doch in einer guten Zeit im elfjĂ€hrigen Sonnenzyklus, erklĂ€rte die UniversitĂ€t.
Knapp eine Woche nach Beginn der US-Etatkrise hat PrĂ€sident Barack Obama derweil den heillos zerstrittenen Kongress zur Besinnung aufgerufen. "Stoppt diese Farce", sagte Obama in seiner wöchentlichen Videobotschaft [4] in Washington und forderte ein Ende des andauernden Streits. Mehr als 30.000 Amerikaner hĂ€tten "herzzerreiĂende" Briefe geschrieben. Sie litten unter der "rĂŒcksichtslosen und schĂ€digenden" Stilllegung der US-Verwaltung. Wegen des sogenannten Government Shutdown wurden Hunderttausende Regierungsangestellte in Zwangsurlaub geschickt. Auch Zehntausende Urlauber sind betroffen und mĂŒssen teils lange geplante Reisen umstellen, weil Nationalparks, Kunstsammlungen, DenkmĂ€ler und Museen geschlossen bleiben.
WĂ€hrend sich der tief gespaltene Kongress auch am Wochenende zu keinem Kompromiss durchringen konnte, gab es zumindest fĂŒr die beurlaubten Staatsdiener einen Lichtblick. Sie sollen rĂŒckwirkend ihr Gehalt bekommen, sobald der Streit beendet ist. Das Abgeordnetenhaus billigte am Samstag einstimmig einen entsprechenden Gesetzentwurf. Das Abstimmungsergebnis von 407 zu 0 Stimmen war ein erstes Zeichen der Einigung nach tagelanger politischer Blockade. Die notwendige Zustimmung des Senats galt Medienberichten zufolge als sicher, das WeiĂe Haus hatte den VorstoĂ begrĂŒĂt.
Auch fĂŒr die Mitarbeiter des Pentagon gab es am Wochenende nach Tagen der Unsicherheit ĂŒber ausbleibende Gehaltschecks gute Nachrichten. Das US-Verteidigungsministerium entschied, "die meisten" seiner rund 400.000 beurlaubten Mitarbeiter sollen ab Montag wieder arbeiten. Das kĂŒndigte Verteidigungsminister Chuck Hagel in Washington an. Obama hatte kurz vor dem "Shutdown" ein entsprechendes Gesetz zur Finanzierung des MilitĂ€rs unterzeichnet.
Bei den Pentagon-Mitarbeitern handelt sich um Zivilangestellte, die fĂŒr die US-Regierung arbeiten. "Ich erwarte, dass wir die Zahl der zivilen Beurlaubten deutlich verringern", schrieb Hagel. Das Gesetz mit dem Namen "Pay Our Military" (Bezahlt unser MilitĂ€r) stelle zwar das nötige Geld zur Bezahlung der Mitarbeiter bereit, aber nicht fĂŒr AusrĂŒstung und Material. Sollten diese wegen des seit Tagen andauernden Etatstreits zur Neige gehen, sei Hagel erneut gezwungen, die Betroffenen nach Hause zu schicken.
Die Republikaner kĂ€men mit ihrer eisernen Haltung davon, obwohl das ganze Land wegen der lahmgelegten Verwaltung wie paralysiert sei, sagte der Direktor des US-Instituts fĂŒr Zeitgenössische Deutsche Studien (AICGS), Jackson Janes, im dpa-Interview. "Die Jungs fĂŒhlen sich in diesen Wahlbezirken sicher, und sie haben eine Menge Geld aus privater Hand. Das macht sie unabhĂ€ngiger vom Sprecher", sagte Janes ĂŒber die republikanischen Abgeordneten im ReprĂ€sentantenhaus. Ihr RĂŒckhalt sei stark genug, um Kompromisse auszuschlagen und damit eine Einigung zu verzögern.
Der Streit ĂŒberschattet inzwischen auch die AuĂenpolitik der USA. Die Verhandlungen mit der EU ĂŒber eine geplante Freihandelszone fallen aus [5]. Die GesprĂ€che sollten ursprĂŒnglich an diesem Montag fortgesetzt werden. AuĂerdem sagte Obama seine Asienreise ab. Eigentlich sollte er am Gipfeltreffen der Pazifikanrainerstaaten (Apec) am Montag und Dienstag teilnehmen. Auch ein Treffen mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin fĂ€llt deshalb aus. Bei den GesprĂ€chen sollte es um die Krise in Syrien gehen. (mit Material von dpa) / (mho [6])
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[1] http://lasp.colorado.edu/home/maven/2013/10/03/maven-reactivation-status-update/
[2] http://www.heise.de/thema/Curiosity
[3] http://nasa.gov/
[4] http://www.youtube.com/watch?v=aEIE_-PjSIE
[5] https://www.heise.de/news/Zweite-Verhandlungsrunde-fuer-EU-US-Freihandelsabkommen-geplatzt-1973062.html
[6] mailto:mho@heise.de
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