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US-Copyright-Lobby: Freie Software untergrÀbt die Achtung geistigen Eigentums

Stefan Krempl

Die International Intellectual Property Alliance (IIPA) will LĂ€nder wie Brasilien, Indien, Indonesien, Thailand oder Vietnam auf der schwarzen Liste der US-Regierung zu Copyright-Frevlern halten, da sie Open Source unterstĂŒtzen.

Der US-Dachverband International Intellectual Property Alliance (IIPA [1]), dem Lobbyvereinigungen wie die Business Software Alliance, die Motion Picture Association for America (MPAA) oder die Recording Industry Association of America (RIAA) angehören, hat dem BĂŒro des US-Handelsbeauftragten im Rahmen einer öffentlichen Konsultation [2] Empfehlungen fĂŒr die Neuauflage der schwarzen Liste der Vereinigten Staaten zu Copyright-Frevlern gegeben. Die 498 Seiten starke Eingabe [3] listet zahlreiche LĂ€nder auf, in denen nach Ansicht der Interessensvereinigung Rechte an immateriellen GĂŒtern nur mangelhaft durchsetzbar oder nicht ausreichend geschĂŒtzt sind. AusdrĂŒcklich rĂ€t die Stellungnahme, mehrere Nationen auch wegen ihrer offenen UnterstĂŒtzung von Open-Source-Software unter besondere Beobachtung zu stellen.

Die US-Regierung gibt jĂ€hrlich den sogenannten "Special 301"-Bericht heraus. Er stellt LĂ€nder an den Pranger, die mangelhafte oder keine Gesetze zum Schutz und zur Durchsetzung etwa von Urheber- oder Patentrechten haben. Ganz oben auf der Liste, die zu Handelssanktionen fĂŒhren kann und Druck auf die entsprechenden Regierungen ausĂŒben soll, landen regelmĂ€ĂŸig Staaten wie China oder Russland. Ihnen wird vorgeworfen, fĂŒr den Anstieg der "Internetpiraterie" mit verantwortlich zu sein und zu wenig fĂŒr die strafrechtliche Verfolgung von "Raubkopien" und ProduktfĂ€lschungen zu unternehmen. Im vergangenen Jahr setzte [4] der federfĂŒhrende US-Handelsbeauftragte Ron Kirk erstmals auch Kanada auf die "Priority Watch List", da es VertrĂ€ge [5] der Weltorganisation fĂŒr geistiges Eigentum (WIPO) von 1996 zum Werkschutz im Internet noch nicht umgesetzt habe.

Geht es nach der IIPA, mĂŒssen 2010 weiterhin auch LĂ€nder wie Brasilien, Indien, Indonesien, die Philippinen, Thailand und Vietnam ĂŒber den 301-Report gebrandmarkt werden. Interessant ist dabei die BegrĂŒndung, die die kanadische BĂŒrgerrechtsorganisation Digital Copyright Canada [6] und der britische Rechtsdozent Andres Guadamuz [7] herausgearbeitet haben. So geht es darin nicht nur um Hinweise auf die UnterstĂŒtzung von "Piraterie" im Bereich "geistiges Eigentum". Vielmehr wirft der Dachverband den Regierungen dieser Staaten auch vor, sich offen fĂŒr den Einsatz freier Software stark zu machen und diesen teils auch im Behördensektor vorzuschreiben.

Vielsagend ist vor allem die EinschĂ€tzung [8] (PDF-Datei) einer reinen Empfehlung von Open Source der indonesischen Regierung durch die IIPA. Diese schwĂ€che die Software-Industrie und "untergrĂ€bt deren langfristige Wettbewerbskraft", da eine "kĂŒnstliche Bevorzugung von Firmen" geschaffen werde, die Open-Source-Software und damit verknĂŒpfte Dienste anböten. Zugleich werde so "vielen legitimen Unternehmen der Zugang zum Regierungsmarkt verwehrt". Statt ein System zu fördern, in dem alle Nutzer von den besten auf dem Markt verfĂŒgbaren Lösungen profitieren, schreibt die Lobbyvereinigung weiter, werde eine MentalitĂ€t geprĂ€gt, die "den Wert geistiger Schöpfungen nicht angemessen in Betracht zieht". Eine solche Linie untergrabe "die Achtung von Rechten an geistigem Eigentum".

Die Free Software Foundation (FSF) moniert in ihrem Kommentar [9] an den Handelsbeauftragten wiederum, dass die Beobachtungsliste genutzt werde, um die WIPO-InternetvertrĂ€ge und die darin enthaltenen Bestimmungen zum rechtlichen Schutz von Systemen zum digitalen Rechtekontrollmanagement (DRM) weltweit durchzudrĂŒcken. Dabei habe es sich herausgestellt, dass entsprechende Gesetze wie der Digital Millennium Copyright Act (DMCA) der USA die Entwicklung freier Software behindere und negative Handelsauswirkungen habe. Washington mĂŒsse fĂŒr die freie Marktwirtschaft im Einklang der demokratischen Prinzipien der US-Verfassung eintreten und aufhören, den 301-Bericht als eine Art Rute in internationalen Verhandlungen zu nutzen. (jk [10])


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https://www.heise.de/-940546

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.iipa.com/
[2] https://www.heise.de/news/ACTA-EU-Kommission-wiegelt-ab-Parlamentarier-wollen-Transparenz-926821.html
[3] http://www.regulations.gov/search/Regs/home.html#documentDetail?R=0900006480aa8547
[4] https://www.heise.de/news/USA-setzen-Kanada-auf-Schwarze-Liste-beim-Schutz-geistigen-Eigentums-217074.html
[5] https://www.heise.de/news/Bruessel-meldet-Vollzug-bei-Umsetzung-der-WIPO-Urheberrechtsvertraege-885824.html
[6] http://www.digital-copyright.ca/node/5115
[7] http://www.technollama.co.uk/encouraging-open-source-could-land-you-in-trouble
[8] http://www.iipa.com/rbc/2010/2010SPEC301INDONESIA.pdf
[9] http://www.fsf.org/licensing/2010-02-ustr-comment.html
[10] mailto:jk@heise.de