US-Bann gegen Huawei: Widerspruch aus Deutschland und Europa
You Shall Not Pass: Auf die StraĂe in die Zukunft hat Donald Trump ein dickes Stoppschild gesetzt.
(Bild: heise online/vbr)
Nach dem der US-PrĂ€sident einen Bann gegen Huawei ausgesprochen hat, bemĂŒhen sich deutsche und europĂ€ische Vertreter um MĂ€Ăigung.
Deutsche Branchenvertreter haben sich nach dem von den USA verhĂ€ngten HandelsbeschrĂ€nkungen fĂŒr chinesische Telekommunikationstechnik fĂŒr einen eigenstĂ€ndigen europĂ€ischen Kurs ausgesprochen. "Die EU muss souverĂ€n entscheiden, welche Marktakteure sie beim Aufbau der 5G-Netzinfrastruktur zulĂ€sst", erklĂ€rte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Donnerstag. "Europa darf sich nicht in den Handelskonflikt zwischen China und den USA ziehen lassen."
Trumps Executive Order
Am Mittwoch hatte US-PrĂ€sident Donald Trump den Telekommunikationssektor per Dekret [1] zu einer sicherheitskritischen Branche erklĂ€rt und der Regierung weitreichende Möglichkeiten eingerĂ€umt, den Handel mit auslĂ€ndischen AusrĂŒstern einzuschrĂ€nken [2]. Das US-Handelsministerium hat zugleich angekĂŒndigt, den chinesischen Hersteller Huawei auf die Liste der Unternehmen zu setzen, mit denen nur mit Genehmigung der Regierung gehandelt werden darf. Hintergrund der schon einige Zeit vorbereiteten Entscheidung ist der US-Handelskrieg mit China, der zuletzt weiter eskaliert ist.
Mit dem Inkrafttreten des Dekrets und der Aufnahme Huaweis auf diese Liste dĂŒrfen US-Netzbetreiber keine Hardware mehr von dem chinesischen AusrĂŒster einsetzen. Die USA halten das chinesische Unternehmen fĂŒr ein Sicherheitsrisiko und verdĂ€chtigen es, eng mit der Regierung in Peking zusammenzuarbeiten. Die US-Regierung hatte ihre VerbĂŒndeten wiederholt vor SpionageaktivitĂ€ten gewarnt, war Beweise fĂŒr die VorwĂŒrfe aber stets schuldig geblieben.
Sicherheitsdebatte in Deutschland
Auch hierzulande war Huawei, auf dessen Technik viele Netzbetreiber nicht nur fĂŒr den Ausbau der 5G-Mobilfunknetze setzen, wegen der VorwĂŒrfe aus den USA in die Diskussion geraten. Die deutschen Netzbetreiber wollen auf Huawei nicht verzichten und betonen die Bedeutung der Chinesen fĂŒr einen schnellen Ausbau der 5G-Netze. SchlieĂlich hatten sich die Bundesregierung wie auch die EU-Kommission auf einen eigenen Kurs verstĂ€ndigt [18], der auf mehr Kontrolle und Transparenz statt Verbot setzt. Die Bundesnetzagentur und das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sollen dafĂŒr Sicherheitsanforderungen formulieren.
Der erste Entwurf dieses Sicherheitskataloges soll im Laufe des Sommers fertig sein, bestĂ€tigte der PrĂ€sident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, am Donnerstag. Die neuen Regeln sollen dann fĂŒr alle Anbieter gleichermaĂen gelten: "Wer sie erfĂŒllt ist dabei, egal wie das Unternehmen heiĂt." Der Chef der Regulierungsbehörde betonte erneut, dass der Bundesnetzagentur bisher keine Erkenntnisse ĂŒber etwaige Vergehen Huaweis vorlĂ€gen [19]: "Bislang haben wir nicht festgestellt, dass Huawei hier irgendetwas gemacht haben könnte, was sie nicht hĂ€tten machen dĂŒrfen", sagte Homann dem Nachrichtensender ntv.
Huawei weist VorwĂŒrfe zurĂŒck
Das Unternehmen selbst weist die VorwĂŒrfe strikt zurĂŒck und zeigt sich kooperativ [20]. Auch mit der US-Regierung will Huawei zusammenarbeiten. "Wir sind willens und bereit, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten und wirksame MaĂnahmen zur GewĂ€hrleistung der Produktsicherheit zu treffen", teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. "Durch die EinschrĂ€nkung der GeschĂ€ftstĂ€tigkeit von Huawei in den USA werden die USA weder sicherer noch stĂ€rker" â eine EinschĂ€tzung, die auch US-Analysten teilen.
Der Bann betrifft nicht nur US-Netzbetreiber, die keine Huawei-Hardware mehr einsetzen dĂŒrfen â was die groĂen US-Mobilfunker ohnehin nicht machen. Huawei ist als AusrĂŒster in den USA nur bei einigen regionalen Carriern im Einsatz. Doch der Bann schlĂ€gt auch hart auf US-Unternehmen durch: Denn auch US-Unternehmen wie Intel oder Qualcomm, die Komponenten an Huawei verkaufen, mĂŒssen sich diese GeschĂ€fte kĂŒnftig genehmigen lassen.
Auch Smartphones betroffen
Auch die Smartphones des Hersteller spielen auf dem US-Markt kaum eine Rolle. Dennoch trifft der Bann auch hier ein US-Unternehmen empfindlich: Google liefert sein Smartphone-Betriebssystem Android an Huawei. Der chinesische Hersteller ist auf dem weltweiten Smartphone-Markt derzeit die Nummer Drei und hat das klare Ziel, bald Apple an Nummer Zwei abzulösen. Huawei hat seinen Smartphone-Absatz im vergangenen Jahr um mehr als ein Drittel auf ĂŒber 200 Millionen GerĂ€te steigern können und setzt dieses Wachstum auch im laufenden Jahr fort [21].
Die Entscheidung der US-Regierung fĂŒge Huaweis US-Partnern "signifikanten wirtschaftlichen Schaden" zu und störe das VertrauensverhĂ€ltnis innerhalb der globalen Lieferkette der Branche, kritisiert ein Unternehmenssprecher. Huawei wolle nun sofort reagieren und versuchen, die Auswirkungen der US-Entscheidung abzufedern. Konkret wird das Unternehmen dabei nicht. Aber wie der Plan B im Smartphone-Bereich aussehen könnte, hatte der Hersteller frĂŒher schon verraten: Huawei hat eine Alternative zu Android [22] in der Schublade.
Die EuropĂ€er zeigen sich abwartend. Am Donnerstag hat sich auch Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron dagegen ausgesprochen, den Huawei aus dem europĂ€ischen Markt auszuschlieĂen. Huawei oder jegliche andere Firmen zu blockieren, sei keine Perspektive, sagte Macron am Donnerstag der Finanzagentur Bloomberg am Rande der Start-up- und Innovationsmesse VivaTech in Paris. "Frankreich und Europa sind pragmatisch und realistisch", betonte Macron. Gleichzeitig sei man aber extrem vorsichtig, wenn es darum gehe, die nationale Sicherheit, die Sicherheitsregeln und die europĂ€ische SouverĂ€nitĂ€t zu bewahren. (vbr [23])
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[1] https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/executive-order-securing-information-communications-technology-services-supply-chain/
[2] https://www.heise.de/news/Trump-verbietet-Telekommunikationsgeschaefte-mit-Firmen-gegnerischer-Staaten-4423397.html
[3] https://www.heise.de/news/Huawei-Auch-Intel-und-Qualcomm-fuer-Lockerung-des-Geschaeftsverbots-4447695.html
[4] https://www.heise.de/news/US-Sanktionen-Huawei-verkauft-weniger-Smartphones-in-Deutschland-4443772.html
[5] https://www.heise.de/news/Android-auf-Huawei-Smartphones-Google-will-Ausnahme-fuer-Huawei-Sanktionen-4442171.html
[6] https://www.heise.de/news/Huawei-faehrt-Smartphone-Produktion-zurueck-4436773.html
[7] https://www.heise.de/news/Huawei-Konflikt-China-kuendigt-eigene-schwarze-Liste-an-4436209.html
[8] https://www.heise.de/news/Handelskrieg-mit-den-USA-China-schwingt-die-Rohstoff-Keule-4435599.html
[9] https://www.heise.de/news/Huawei-Auch-ARM-beendet-Geschaeftsbeziehungen-4429051.html
[10] https://www.heise.de/news/Huawei-Eigenes-Betriebssystem-koennte-schon-im-Herbst-fertig-sein-4428890.html
[11] https://www.heise.de/meinung/Kommentar-Huawei-Google-das-Straucheln-der-Datensammler-4426864.html
[12] https://www.heise.de/news/Huawei-Die-moeglichen-Auswirkungen-des-US-Telekommunikationsnotstands-4425906.html
[13] https://www.heise.de/news/Auch-Infineon-kappt-wohl-Geschaeftsbeziehungen-zu-Huawei-4425696.html
[14] https://www.heise.de/news/Google-sperrt-Huawei-aus-Das-bedeutet-der-Android-Bann-fuer-die-Nutzer-4425587.html
[15] https://www.heise.de/news/Google-sperrt-Android-Updates-und-den-Play-Store-fuer-Huawei-4425528.html
[16] https://www.heise.de/news/US-Bann-gegen-Huawei-Deutschland-bemueht-sich-um-Pragmatismus-4424151.html
[17] https://www.heise.de/news/Trump-verbietet-Telekommunikationsgeschaefte-mit-Firmen-gegnerischer-Staaten-4423397.html
[18] https://www.heise.de/news/5G-Netze-Merkel-will-europaeische-Loesung-im-Umgang-mit-Huawei-4340383.html
[19] https://www.heise.de/news/Regulierer-Keine-konkreten-Hinweise-gegen-Huawei-4399689.html
[20] https://www.heise.de/news/5G-Ausbau-Huawei-Chef-schlaegt-No-Spy-Abkommen-vor-4403259.html
[21] https://www.heise.de/news/Marktforscher-Huawei-waechst-rasant-im-Smartphone-Geschaeft-4411205.html
[22] https://www.heise.de/news/Konflikt-mit-US-Regierung-Huawei-entwickelt-Android-Alternative-4037457.html
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