US-Abwrackprämie: Kunden stürmen die Autohäuser

Die erste Milliarde für die US-Abwrackprämie war innerhalb einer Woche vergeben. In den USA haben es die Kunden noch eiliger als in Deutschland, die Prämie zu ergattern

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Von
  • Gernot Goppelt
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Haar, 4. August 2009 – In den USA ist alles eine Nummer größer und schneller, heißt es. Im Falle der Abwrackprämie (Cash for Clunkers) stimmt das zumindest teilweise. Die erste Milliarde Dollar war innerhalb einer Woche vergeben, die Käufer stürmten regelrecht die Autohäuser. Kritik an dem Programm gab es in den USA ebenso wie in Deutschland – als Strohfeuer bezeichnet etwa die Zeitschrift Motortrend das Programm. Sie findet es auch ungerecht, dass ausgerechnet die Halter umweltfreundlicher Autos von der Prämie ausgeschlossen seien.

Wo gibt´s was zu holen?
Amerikanische Medien berichten aber auch von Kritikern, die die Bedingungen für die Abwrackprämie für viel zu lasch halten. Dabei gibt es im Unterschied zum deutschen Modell immerhin die Einschränkung, dass der „Alte“ durchschnittlich mindestens 13 Liter Sprit verbrauchen muss – aus deutscher Sicht wirkt ein solcher Wert fast grotesk, selbst wenn man zehn Jahre alte Autos betrachtet. So schrieb zum Beispiel BusinessWeek, dass „paradoxerweise“ die Big Three mithilfe der Abwrackprämie nur noch mehr Spritschleudern verkaufen könnten, weil die Verbrauchsgrenze viel zu hoch angesetzt sei.

US-Abwrackprämie: Kunden stürmen die Autohäuser (1 Bilder)

Kritiker der US-Abwrackprämie bemängeln, dass alte durch neue Spritschleudern ersetzt werden. (Bild: ssu)

Dieselbe Zeitung schrieb am 31. Juli aber auch, dass „Cash for Clunkers“ seine Kritiker überrascht habe. Ein Teil der Begründung: So lange Autobauer, Banken und die Wall Street vom Staat durchgefüttert werden, schauen die Bürger, ob sie nicht auch ein Stück von Uncle Sams Kuchen abbekommen können. Hier liegt wohl eine Parallele zu den deutschen Erfahrungen: Wenn Bares winkt, lässt man seine Bedenken gerne mal beiseite und geht freudig shoppen. Deswegen verwundert es auch nicht, dass die erste Milliarde in einer Woche weg war: Je weniger Dollars vom Himmel fallen, desto flinker muss man sie eben einsammeln.

Milliarden-Nachschub
Insofern ist jetzt vielleicht etwas mehr Gelassenheit zu erwarten, denn das Repräsentantenhaus hat am vergangenen Freitag weitere zwei Milliarden zum Abwracken bewilligt – der Senat muss die Entscheidung noch bestätigen. Nach ursprünglich 250.000 wird das Geld demnach für etwa 750.000 neue Autos reichen, noch immer nur halb so viel wie in Deutschland.

Deutsche profitieren wenig
Wie hierzulande wirkt sich die Prämie natürlich auch auf die Absatzzahlen aus, die in den USA katastrophal eingebrochen waren. Bemerkenswert ist dabei, dass offenbar ökologische Erwägungen kaum eine Rolle spielen, auch wenn detaillierte Auswertungen bisher fehlen. Ford konnte im Vergleich zu Juli 2008 um 2 Prozent zulegen, GM seinen Rückgang auf -19 Prozent „eindämmen“, Im Juni hatte das Minus noch bei 34 Prozent gelegen. Chrysler muss zwar ein Minus von 19 Prozent verkraften, im Juni hatte es aber mit -42 Prozent noch viel schlimmer ausgesehen. Diese relativen Steigerungen deuten darauf hin, dass ähnlich wie in Deutschland die Ausstellungsräume leergekauft werden.

Die deutschen Hersteller haben bisher offenbar wenig von der Abwrackprämie, was möglicherweise mit den höheren Grundpreisen zusammenhängt. Volkswagen konnte zwar um 0,7 Prozent auf 20.590 Wagen zulegen, doch bei Daimler (-24 %), Porsche (-47 %) und Audi (-6 %) ging es abwärts, wenn auch weniger steil als zuletzt. Unerfreulich war die Entwicklung zuletzt für BMW (ohne Mini) mit 27 Prozent weniger verkauften Autos im Vergleich zu Juli 2008. Nordamerika-Chef Jim O´Donnell konnte keinen Profit durch die Abwrackprämie erkennen. Toyota konnte einen „signifikanten Schub“ durch die Abwrackprämie erkennen, konnte seinen Rückstand im Juli im Vergleich zum Vorjahr auf -11 Prozent verringern.

Hauptsache billig
Die grandiosen Zulassungszahlen, welche die deutsche Abwrackprämie ermöglicht hat, kann das US-Pendant bisher nicht bewirken. Das liegt zum einen an der relativ zum Fahrzeugbestand erheblich geringeren Fördersumme – nach einer Woche war wie gesagt schon Schluss. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass die Finanzsituation vieler Privathaushalte in den USA ausgesprochen prekär ist: Genügend Bares auf der hohen Kante zu haben, ist bei Amerikanern fast schon unüblich, die Finanzierung auf Kredit tief verwurzelt. So nutzen die US-Bürger die Abwrackprämie in der Regel auch nicht dazu, sparsamere Autos zu kaufen. Offenbar fördert das Programm in Amerika gewohnte Kaufmuster: Preisgünstig muss das Auto sein, das spricht zumindest vorläufig gegen einige deutsche Marken. Insofern kann man Kritiker verstehen, die fürchten, dass durch die US-Abwrackprämie nur eine Spritschleuder gegen die andere eingetauscht wird. (Mit Material der dpa) (ggo)