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Trump holt zum Schlag gegen Amazon aus

Amazon

(Bild: dpa, Nick Ansell/PA Wire)

Die US-Republikaner gelten eigentlich als extrem wirtschaftsfreundlich. Donald Trump kĂŒmmert das nicht. Auf Twitter keilt er gegen den Online-HĂ€ndler Amazon. Die Börse reagiert nervös.

US-PrĂ€sident Donald Trump hat in einem fĂŒr US-Republikaner ungewöhnlichen Schritt zu einem öffentlichen Rundumschlag gegen den Handelsriesen Amazon ausgeholt. "Sie zahlen wenig oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen und sie benutzen unser Postsystem als ihren Botenjungen", schrieb Trump auf Twitter [1].

Die republikanische Partei, fĂŒr die Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, steht normalerweise fĂŒr einen wirtschaftsfreundlichen Kurs mit möglichst geringer Steuerlast fĂŒr Unternehmen. Allein die GerĂŒchte ĂŒber ein mögliches Vorgehen Trumps gegen Amazon hatten den Börsenwert des Online-HĂ€ndlers am Vortag zeitweise um 53 Milliarden Dollar einbrechen lassen. Nach einer kurzen Erholung gingen die Amazon-Papiere am Donnerstag erneut auf Talfahrt.

Allerdings hatten die Aktien andererer Tech-Unternehmen vor Ostern ebenfalls einen schweren Stand. Auch Facebook hatte nach dem Bekanntwerden des Skandals um Cambridge Analytica erheblich Federn lassen mĂŒssen.

Amazons Praktiken ließen den Vereinigten Staaten enorme wirtschaftliche SchĂ€den entstehen, schrieb der PrĂ€sident. Viele Tausend EinzelhĂ€ndler wĂŒrden aus dem GeschĂ€ft gedrĂ€ngt. US-Medien werteten die Breitseite gegen Amazon auch als Teil einer persönlichen Fehde [2] Trumps mit Konzernchef Jeff Bezos. Dieser ist auch Inhaber der Trump-kritischen Zeitung Washington Post.

Experten diskutierten engagiert die Frage, ob Trump mit seiner EinschĂ€tzung zu Amazon richtig liegt. Die meisten Analysten kamen zu dem Schluss, dass der Job-Boom in der Online-Branche den Verlust von ArbeitsplĂ€tzen im Einzelhandel in den vergangenen Jahren kompensiert hat. Die US-Post USPS dĂŒrfte von Amazon eher profitieren, weil der Online-Handel den Paketversand boomen lĂ€sst. Allerdings: Amazon nutzt bis zur "letzten Meile" eine eigene Versand-Infrastruktur und lĂ€sst nur die Übergabe an den Kunden von USPS besorgen.

Nach Ansicht vieler Experten haben Amazon und andere Online-HĂ€ndler einen riesigen Einfluss auf den Einzelhandel in den USA. Studien gehen davon aus, dass in diesem Jahr 8000 LĂ€den schließen mĂŒssen. Zuletzt hatte der Spielzeug- und Kinderausstattungs-HĂ€ndler Toys R Us Insolvenz anmelden mĂŒssen und 800 Filialen geschlossen – Amazon ist ein direkter Wettbewerber.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, hatte am Mittwoch erklĂ€rt, die Trump-Regierung erwĂ€ge hinsichtlich Amazon keinen politischen Kurswechsel. Allerdings strebe der PrĂ€sident an, gleiche Bedingungen fĂŒr alle Wettbewerber zu schaffen.

Trump hatte Amazon bereits im Wahlkampf wiederholt kritisiert und mit einer "Internetsteuer" gedroht. Die Washington Post sei lediglich ein Vehikel, mit deren Verlusten Bezos die Gewinne von Amazon klein halte, um Steuern zu sparen, hatte Trump im Dezember 2015 erklÀrt. Somit fungiere die Zeitung als "Steuerschlupfloch". Im vergangenen Jahr stellte Trump die Frage: "Wird die Fake-News Washington Post als Lobbyismus-Waffe gegen den Kongress benutzt, um die Politiker davon abzuhalten, sich das Steuer-Monopol von Amazon anzusehen?" (mho [3])


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https://www.heise.de/-4009295

Links in diesem Artikel:
[1] https://twitter.com/realDonaldTrump/status/979326715272065024
[2] https://www.heise.de/news/162-IT-und-Hightech-Unternehmen-verbuenden-sich-gegen-Trumps-Einreiseverbot-3689069.html
[3] mailto:mho@heise.de