Trotz Automatisierung: "Es wird Arbeit geben"
WandgemÀlde der Nanaimo Youth Services Association in Nanaimo, British-Columbia
(Bild: Daniel AJ Sokolov)
Es gibt immer mehr ArbeitsplÀtze, und die fortschreitende Automatisierung wird das nicht Àndern. Diese optimistische These vertritt MIT-Wirtschaftswissenschaftler David Autor.
"Warum gibt es noch immer so viele ArbeitsplĂ€tze?", fragte Prof. David Autor am Dienstag auf der Drohnenkonferenz Xponential in Denver rhetorisch. SchlieĂlich habe die technische Entwicklung ja jede Menge menschliche Arbeit erĂŒbrigt. Doch die Geschichte zeige, dass Innovation [1] neue ArbeitsplĂ€tze zeitige. Der Autor gilt als einer der fĂŒhrenden Wirtschaftswissenschaftler der USA. Er ist Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und erforscht insbesondere den Arbeitsmarkt. "There will be jobs", versicherte er den Konferenzteilnehmern: "Es wird ArbeitsplĂ€tze geben."
Als markantes Beispiel diente ihm die EinfĂŒhrung der Geldautomaten: Dies habe im ersten Jahrzehnt dazu gefĂŒhrt, dass die Zahl der Bankschalterbediensteten in den USA um ein Drittel gefallen sei. Dann aber hĂ€tten die Banken die gewonnene Effizienz dazu genutzt, mehr Filialen zu eröffnen, wofĂŒr sie wieder mehr Mitarbeiter brauchten. Diese hĂ€tten in der Folge komplexere Aufgaben mit Beratung und Vertrieb bekommen, statt bloĂ Geld zu zĂ€hlen und darĂŒber Buch zu fĂŒhren.
GrundsĂ€tzlich hĂ€nge die Erwerbsquote nicht mit dem Automatisierungsgrad zusammen, sondern sei Folge sozialer und politischer Entscheidungen. In den USA wachse die Zahl der WerktĂ€tigen, doch der Anteil mittelmĂ€Ăig bezahlter ArbeitsplĂ€tze gehe zurĂŒck: Der Anteil gering entlohnter Jobs wachse, der Anteil gut bezahlter Jobs wachse stĂ€rker.
Innovation schafft Nachfrage
(Bild:Â Daniel AJ Sokolov)
"Innovation ist die Mutter der BedĂŒrfnisse", umriss Autor den Grund fĂŒr seinen Optimismus. Neue Technik gibt uns Menschen mehr FĂ€higkeiten, die wir dann auch ausnutzen wollten. Innovation induziere also Nachfrage nach Dingen und Leistungen, die es vorher nicht gegeben hat. Und die neue Nachfrage schaffe neue ArbeitsplĂ€tze.
NatĂŒrlich werde es Bereiche geben, bei der durch Automatisierung viele ArbeitsplĂ€tze wegfallen [2] wĂŒrden. Aber: "Was fĂŒr eine bestimmte Branche zutrifft, hat noch nie fĂŒr die gesamte Wirtschaft gegolten", betonte Autor. Deutlich zeige sich das in der Landwirtschaft, die 1860 noch 55 Prozent aller US-ArbeitsplĂ€tze stellte. 1900 waren es noch 40 Prozent, weitere 40 Jahre spĂ€ter nur noch 20 Prozent, und heute liege der Anteil unter zwei Prozent. Gleichzeitig produziert sie mehr als je zuvor.
"Ich kann Ihnen nicht sagen, womit die Leute in einem Jahrhundert ihren Lebensunterhalt verdienen werden. Wer hÀtte sich diese [Drohnenkonferenz] vor 20 Jahren ausgemalt?", gestand Autor ein, "Die Landwirte vor hundert Jahren hÀtten auch nichts von Jobs in der Suchmaschinenoptimierung geahnt."
- Lesen Sie in der Technology Review: Welche Jobs bleiben werden [3]
(ds [4])
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